Ein Schloss, viel dramatische Geschichte

In den Außenbezirken von Prag, die meist erst im 20. Jahrhundert Teil der Stadt wurden, wimmelt es nur so von kleinen Schlössern und Adelssitzen. Das fernab aller Touristenströme gelegene Schloss Komořany (zámek Komořany) im zu Prag 12 gehörenden südlichen Ortsteil Komořany, genauer gesagt, dort in der Na Šabatce 2050/17, gehört dazu. Die verschlafene und fast dörfliche Atmosphäre des Ortes lassen vergessen, dass sich hier dramatische Kapitel der Prager Geschichte abspielten, die ihre Spuren an diesem Gebäude hinterließen.

Es begann schon damit, das die beiden mittelalterlichen Bauernhöfe, die hier zuvor standen, im Jahr 1420 während der Hussitenkriege niedergebrannt wurden. Es dauerte bis 1589, dass hier wieder etwas Neues aufgebaut wurde – aber das dann im großen Stil. In diesem Jahr legte der damalige örtliche Kronrichter Wenzel Sturm von Hischfeld, der gerade in den Ritterstand erhoben worden war, hier ein großes Schloss im Renaissancestil an.

Dessen Sohn verkaufte es 1607 an einen gewissen Adam Radnický von Zhora, der es schon im nächsten Jahr seiner Mutter schenkte, die es schon 1612 wieder an ein Mitglied des Geschlechts Sturm von Hirschfeld verkaufte. Joachim Sturm von Hirschfeld focht jedoch nach 1618 beim Ständeaufstand gegen die Habsburger und für die böhmische Freiheit (der den Dreissigjährigen Krieg auslöste) und somit auf der Verliererseite. Die Habsburger sorgten dafür, dass er darob kurzerhand enteignet wurde.

Fortan gehörte das Schloss (und, nebenbei bemerkt, das 1088 erstmals in Chroniken erwähnte Dorf Komořany) zum Besitz des Klosters Zbraslav (wir berichteten hier), das etwas südlich auf der anderen Seite der Moldau liegt. Den Habsburgern lag zu dieser Zeit viel daran, die katholische Kirche zu stärken, was sie damit taten.

Die neuen Besitzer bauten das Schloss um 1740 völlig um, so dass man nun ein vertables Barockschloss bewundern konnte. Und wieder rückte es in den Fokus der Geschichte. 1741 hatte der Österreichische Erbfolgekrieg begonnen, in dessen Verlauf bayerische und französische Truppen in Böhmen einfielen und die österreichischen Armeen unter Maria Theresia arg bedrängten. Im Juni 1742 näherten sich die Franzosen Prag. Und es war im Schloss Komořany, wo man noch einen letzten Versuch unternahm, den Angriff friedlich abzuwenden. Hier verhandelten der französische Marschall Charles Louis Auguste Fouquet de Belle-Isle und der Herzog von Bayern, Karl Albrecht von Bayern (der spätere Kaiser Karl VII.), mit den Abgesandten von Maria Theresia, Christian Moritz Graf von Königsegg-Rothenfels und Fürst Paul II. Anton Książę Esterházy. Die Verhandlungen scheiterten und die Franzosen besetzten Prag und wurden nun von den Österreichern belagert, denen es erst Anfang 1743 gelang, die Stadt wieder zurückzuerobern.

1785 kam die große Klosterenteignung unter Kaiser Joseph II., von der auch das Kloster Zbraslav nicht verschont blieb, was natürlich bedeutete, dass auch Schloss Komořany kein Klostereigentum mehr war. Einige Jahrzehnte gehörte es nun einem religiösen Fonds, der es zu Beginn des 19. Jahrhunderts an den Fürsten Oettingen-Wallerstein verkaufte (der in der Nähe eine Zuckerfabrik gründete), der es wiederum 1868 an eine Familie Procházka, die das barocke Schloss nunmehr vollständig im neogotischen Stil umbauen ließ, was man heute noch am augenfälligsten an der Schlosskirche mit ihrem spitzen Turm erkennen kann. 1913 erwarb es der Industrielle Karel Schulz, der im gleichen Jahr in der Nähe eine Maschinenfabrik errichtete. Der beauftragte den bekannten, auf Historismus und Jugendstil spezialisierten Architekten Alois Čenský (wir begegneten ihm bereits hier) mit einem neuerlichen Umbau. Vollendet wurde der Umbau nicht, aber neben der Erhöhung eines Flügels (des vierflügeligen Schlosses) und dem Umgestaltung eines Turm als Wasserreservoir, ist das Verschwinden des meisten neogotischen Zierrats, der als unmodern empfunden wurde.

Ein Hauch von Modernität prägte nun das Äußere, was man am besten an den kubistisch anmutenden Verzeirungen der Toreinfahrt zum Hof sehen kann (Bild rechts). Schulz starb 1932 unerwartet an einem Herzinfarkt und das Schloss fiel nach seinem Willen an den Staat. Und schon zogen neue dunkle Wolken am Horizont auf. Am 5. Mai 1945 brach der Prager Aufstand gegen die Naziherrschaft aus, und die Aufständischen benutzten das Schloss als eine Art lokale Kommandozentrale. Die Kämpfe in diesem Teil der Stadt waren besonders heftig. Am 6. Mai führten die Aufständischen hier Verhandlungen mit Vertretern der sogenannten Wlassow Armee. Das waren russische Soldaten, die als Gegner von Stalins Terrorherrschaft die Seite gewechselt hatte, um sich Hitlers Schreckensregime anzuschließen. Jetzt waren sie auch hiervon enttäuscht und boten den Aufständischen dringend benötigte Hilfe im Kampf gegen Hitler an. Aber auch diese Unterstützung konnte nicht verhindern, dass SS-Truppen tags darauf Komořany nebst Schloss besetzten. Offiziell kapitulierten die deutschen Truppen am 8. Mai, aber die hier nun eingeschlossenen deutschen Truppen kapitulierten nicht. Die Kämpfe dauerten noch bis zum 10. Mai, wobei die Aufständischen (unter anderem mit Hilfe eine improviserten gepanzerten Eisenbahnzuges) bereits von Soldaten der Roten Armee unterstützt wurden. In Komořany fielen die letzten Schüsse des Zweiten Weltkriegs auf Prager Boden.

Das Schloss – nunmehr durch die Kämpfe arg beschädigt – blieb auch nach dem Krieg in Staatsbesitz. Das galt erst recht so, als die Kommunisten im Februar 1948 die Macht ergriffen. Bis zu diesem Jahre gehörte das Schloss noch der örtlichen Sparkasse. Und zwischen 1948 und 1957 wurde es dann zur Geschäftsstelle der örtlichen Kommunistischen Partei der Tschechoslowakei (KSČ). Nichts passt besser zum Anspruch, die Avantgarde des verarmten Proletariats zu sein, als in einem alten schönen Schloss zu residieren, dachte man sich wohl. Aber wie heißte es auch so schön bei Orwell? Alle sind gleich, aber manche sind gleicher als andere.

Vielleicht war das dann doch zuviel der unfreiwilligen Ironie. Wer weiß? Danach zog hier auf jeden Fall das Hydrometeorologische Institut (Hydrometeorologický ústav) ein, das seither hier eine (von landesweit sieben) seiner Forschungsaußenstellen zur meteorologischen Forschung betreibt. Auf einem der Türme kann man auch von außen die modernen Messgeräte erkennen (Bild links). Das Institut ist heute immer noch hier und wurde dem Umweltministerium unterstellt. Hier betreibt man Klimaforschung, Wetterforschung, Gewässerschutz (wozu die direkt unterhalb fließende Moldau einlädt) und Luftqualitätsmessungen. Das Fernsehen wüsste ohne das ganze nicht, wie es die Wetternachrichten füllen sollte.

Während der kommunistischen Zeit wurde das Schloss anfänglich zum Teil recht lieblos wieder aufgebaut und dann (wie eigentlich üblich) dem allmählichen Verfall preisgegeben. 1991 (zwei Jahre nach dem Ende des Kommunismus) wurde der Architekt Michal Sborwitz mit der Renovierung beauftragt.

Die Arbeiten zogen sich über mehrere Jahre hin. Sie wurde 1998 mit der Eröffnung des vollständig erneuerten südlichen Flügels des Schlosses abgeschlossen, in dem sich nun unter anderem ein modernen Konferenzzentrum mit breiter Fensterfront befindet, von dem man wahrscheinlich einen schönen Ausblick auf die Moldau in Richtung Zbraslav hat. Das Schlossareal ist normalerweise für die Öffentlichkeit nicht zugänglich.

Trotz dieser schönen Neubauten hat die Ästhetik des Schlosses unter den Wirrnissen des 20. Jahrhunderts doch recht viel gelitten. Das Ganze wirkt recht uneinheitlich. Aber man sollte ja auch bedenken, dass es heute auch nicht demn Anspruch erhebt, ein touristisches Highlight zu sein. Vielmehr ist es ein Zweckbau als Forschungszentrum.

Als Teil eines Ausflugs in den Süden Prags ist es allemals einen Abstecher wert. Drumherum findet man viel Grün, den ruhigen Flusslauf der Moldau und einige Teiche. Und von der Flussseite aus gesehen sieht das Schloss doch recht beeindruckend aus (Bild links). Für die Besucher wurde in der Umgebung ein Lehrpfad mit Namen Freiheitspfad 1938-1945 (Stezka svobody 1938-1945) angelegt, der 20 Stationen mit ausführlichen historischen Informationstafeln beinhaltet, die über die gegen die Nazis gerichteten Widerstands-Aktivitäten in der Umgebung informieren – allen voran die Kämpfe während des Prager Aufstands im Mai 1945. Tafel Nr. 15 ist den Ereignissen im Schloss gewidmet und steht direkt vor dem Hofeingang.

Auf wenn es bauhistorisch grandiosere Schlösser in Tschechien gibt, so gibt es doch kaum eines, dass eine solch aufregende Geschichte durchlebt hat. (DD)

Schlossruine tief im Gestrüpp

Wo nach Gold gegraben wird, da lauern Diebe. Deshalb hielt sich lange Zeit der Glaube, die kleine Burg oberhalb des rund 25 Kilometer südlich von Prag gelegenen Dorfes Žampach am malerischen Fluss Sázava sei zum Schutz der Goldgräber in der Umgebung gebaut worden.

Nun ist es tatsächlich so, dass die Landschaft, die die Burgruine (die zum Ort Jílové u Prahy gehört) umgibt, seit dem Mittelalter das Goldbergrevier ganz Mittelböhmens war. Überall kann man beim Wandern die Eingänge uralter Stollen (kleines Bild links) sehen, von denen einige wenige sogar für das Publikum geöffnet sind. Das ging noch bis Ende der 1960er Jahre so. Dann war das Ganze endgültig nicht mehr lukrativ und wurde eingestellt. Deshalb glaubte man lange einer vermeintlich mittelalterlichen Urkunde, dass die heute Včelní Hrádek genannte Burg im Jahre 1045 zum Schutz der örtlichen Goldgräber gebaut wurde. Inzwischen hat sich das Dokument als Fälschung des 18. Jahrhunderts herausgestellt.

Erst für das Jahr 1402 ist die kleine Burg sicher dokumentiert, und zwar als im Besitz des Prager Patriziers Johánek Šimonovic z Prahy, der sie damals unter dem Namen Nussberk weiter verkaufte. Als richtige Burg hatte das Ganze nach den Hussitenkriegen im frühen 15. Jahrhundert ausgedient. Die Besitzer wechselten und die Burg wurde eigentlich nur noch als Bauerngehöft geführt. Irgendwelchen Verteidigungszecken – ob für Goldgräber oder nicht – schien sie nicht zu dienen und auch nie gedient zu haben.

Zu den etwas berühmteren Besitzern des Anwesens in der Zeit der Renaissance gehörte nach 1591 für eine kurze Zeit der als Scharlatan verschrieene englische Alchimist Edward Kelley (den erwähnten wir schon hier), der in Prag wirkte – erst im Auftrag von Kaiser Rudolph II. in Prag, später für Fürst Wilhelm von Rosenberg. Im Dreissigjährigen Krieg wurde das Gehöft sogar verlassen und erst 1695 von dem böhmischen Adligen und Prager Ratsherrn Ferdinand Ignaz Schönpflug erworben und wieder aufgebaut. Es folgte eine lange Reihe von Besitzerwechseln, die sich bis ins Jahr 1789 hinzog.

In diesem Jahr erwarb nämlich Karl Joseph Biener Ritter von Bienenberg das Anwesen. Der war ein großer Wissenschaftler und Pionier der böhmischen Archäologie und zugleich Kaiserlicher Richter und Kreishauptmann für den Bezirk. Ihm verdankt, auch wenn man es sich einem zunächst nicht erschließt, Včelní Hrádek tatsächlich seinen Namen. Das tschechische Wort „Včel“ bedeutet im Deutschen soviel wie „Bienenzucht“, was sich wiederum klar auf den Namen des Ritters von Bienenberg bezieht. Man liegt wohl nicht fehl, wenn man dahinter so etwas wie tschechischen Wortwitz vermutet. Aber der gute Ritter tat noch mehr als bloß dem Ganzen einen putzigen Namen zu geben, den es heute noch trägt.

Er baute nämlich die alte und heruntergekommene Burg zu einem kleinen und hübschen Schloss im Stil des Klassizismus um. Das, was heute noch zu sehen ist, ist im wesentlichen dieses Gebäude, während der mittelalterliche Bau von der Zeit hinweggetragen wurde, so dass nur noch einige kleine Erdwälle im Wald – und die auch nur schwach – erkennbar sind. Das Schloss machte nun nicht einmal mehr den Eindruck, zur wehrhaften Verteidigung zu dienen. Die Zeit der Burgen war vorbei.

Als Ritter von Bienenberg 1798 starb, setzten abermals zahlreiche Besitzerwechsel ein. Das Schloss kam ein wenig herunter, aber es schien noch immer recht wohnlich zu sein. 1947 übernahm schließlich die Stadt Jílové das Schloss. Wer denkt, dass öffentlicher Besitz und kompetenter Denkmalschutz Hand in Hand gehen, wurde eines besseren belehrt. Dass das im Kommunismus ab 1948 erst recht nicht klappte, erstaunt nicht. Aber als der zu Ende ging, ließ die Stadt das schöne Kulturgut abreißen, nachdem Dank der vorherigen Vernachlässigung ein Dach einstürzte.

Trauriges Ende. Aber ein wenig ist doch noch übriggeblieben von den klassizistischen Außenmauern, insbesondere denen der Wirtschaftsgebäude. Sie zu finden, ist ein kleines Abenteuer. Man muss einen unmarkierten Abstecher durch ein Feld oder einen Wald machen, der neben einem anstelle alter Burgteile sich dort befindenden Landwirtschaftshof wuchert, und sich durch das Gestrüpp schlagen. Dann findet man die Ruinen, die sicher für Kinder ein idealer Abenteuerspielplatz sind. Und das, obwohl die Geschichte der Burg gar nicht so abenteuerlich war. Denn die Goldgräber haben sich damals anscheinend selbst zu helfen gewusst, und brauchten keine schwertbewaffneten Rittersleut zu ihrem Schutz. (DD)

Wo die Tschechen christlich wurden

Ein älteres Gotteshaus als dieses wird man in Tschechien nicht finden. Die Kirche des Heiligen Klement (Kostel sv. Klimenta) gibt es seit dem Jahr 884. Da war es erst ein Jahr her, dass sich der böhmische Herzog Bořivoj I. am Hofe des großmährischen Herrschers Svatopluk I. hatte taufen lassen.

Bořivoj und vor allem seine Frau, die spätere Heilige Ludmilla, betrieben darob in ihren böhmischen Landen (die damals mehr oder weniger den heutigen Großraum Prag umfassten) eine forcierte Politik der Christianisierung. Dazu gehörte auch, dass sie auf dem Gelände ihrer Stammburg Levý Hradec nahe der Ortschaft nur wenige Kilometer nördlich von Prag gelegenen Ortschaft Roztoky oben auf dem Berg eine Kirche errichteten. Nach dem Tode Bořivojs konnte auch in der Regierungszeit der seiner beiden Söhne Ludmilla offenbar über das Gefolge und große Teile des herzoglichen Besitzes verfügen. Vor allem wurde sie Vormund des Enkels, dem späteren Herzog und Heiligen Wenzel.

Das brachte sie in Konflikt mit Wenzels Mutter Drahomíra, die sich um ihren Einfluss gebracht sah, und 921 die Schwiegermutter mit einem Halstuch erwürgen ließ. Dem guten Wenzel wiederfuhr 928 oder 935 (genau weiß man das nicht) ebenfalls ein blutiges Ende zuteil als er von seinem Bruder (und Nachfolger) Boleslav ermordet wurde. Bei allen diesen innerfamiliären Mördereien unter den Přemysliden ging es nicht zuletzt darum, was für ein Christentum sich von der Kirche des Heiligen Klement aus verbreitete. Sollte man sich religiös, kirchenorganisatorisch und machtpolitisach nach Westen – zum Deutschen Reich – orientieren, wie Ludmilla und Wenzel es wollten? Oder Distanz halten, wie es Boleslav (langfristig erfolglos) versuchte?

Diese Fragen wurden allerdings schon bald nach dem Bau der Kirche andernorts entschieden, denn schon um 885 hatte Herzog Bořivoj damit begonnen, den Stammsitz von Levý Hradec auf die von ihm gegründete Prager Burg zu verlegen. Dort gab es auch eine neue Kirche, die heute nicht mehr erhaltenen Kirche der Jungfrau Maria, und bald darauf die zu einem Kloster gehörende Georgsbasilika (wo u.a. die Heilige Ludmilla beerdigt wurde). In deren Besitz fiel übrigens Levý Hradec 1233. Da war es mit der Burg aber schon vorbei, denn der deutsche Kaiser Heinrich III. zerstörte Burg und Kirche im Zuge seines Feldzugs gegen den böhmischen Herzog Břetislav I.. Während die Burg aufgegeben wurde und verfiel, wurde die Kirche immerhin wieder aufgebaut, diesmal im romanischen Stil. Im 14. Jahrhundert fügte man dem Gebäude ein Presbyterium hinzu und gotisierte es durchgängig.

Aus dieser Zeit stammen die sensationellen Fresken in der Apsis. Sie sind sowohl wegen ihres Erhaltungsstandes als auch wegen ihrer künstlerischen Gestaltung bemerkenswert. Sie zeigen Szenen aus dem Leben der Jungfrau Maria, die Passion Christi (Bild rechts) und Darstellungen der Kirchenväter Augustinus, Hieronymus, Gregor und Ambrosius.

Auch böhmische Heilige werden berücksichtigt. Aus einer Nische schaut uns der Heilige Adalbert (im Tschechischen Vojtěch genannt) an. Der wurde 983 unter Herzog Boleslav II. zweiter Bischof von Prag, das er zum eigentlichen Kirchenzentrum Böhmens machte. Insofern steckt eine gewisse Ironie darin, dass er hier abgebildet ist, trug er dadurch zum weiteren Niedergang der Bedeutung der ersten Kirche des Landes bei, die heute eine einfache katholische Gemeindekirche ist. Dass neben ihm auch die heilige Ludmilla in Ehren gehalten wird, versteht sich von selbst, da sie tatsächlich eng mit der Blütezeit der Kirche verbunden ist.

1684 wurde die Kirche umfassend vergrößert. Ein barockes Schiff wurde angebaut, was wohl einige Fresken zerstörte. Dabei wurde auch der Glockenturm errichtet. Von außen sieht man nun eine für viele Kirchen im Lande typische Mischung von Gotik und Barock am Werke. Wenn man es nicht wüsste, könnte man auf den ersten Blick so nicht erkennen, wie alt die Kirche in Wirklichkeit ist.

Aber auf den zweiten Blick! Dazu bedurfte es der Ausgrabungen, die in den Jahren 1939 bis 1941 unter der Kirche vorgenommen wurden. Die förderten die Grundmauern einer Rotunde mit kleiner Apsis zu Tage, die lange Zeit vor dem heute sonst sichtbaren Kirchengebäude gebaut worden sein muss. Das Ganze kann man heute bei einer Führung durch einen kleinen Treppeneinstieg im Inneren der heutigen Kirche besichtigen.

Man kann sogar durch ein Gitter einen kleinen Eindruck vom Innenraum dieser uralten Kirchenrotunde gewinnen (Bild rechts). Die Kirche aus der Frühzeit des hiesigen Christentums war damals wohl recht klein. Zunächst glaubte man, dass es sich tatsächlich um jenen Bau von Herzog Bořivoj und seiner Ludmilla handelte, in dem das Christem in Böhmen begann. Neuere Forschungen des Archäologen und Mediävisten Petr Sommer haben jedoch ergeben, dass die Mauern wohl auf die Zeit um das Jahr 1000 zu datieren sind. Es ist hochwahrscheinlich, dass die Urkirche in Wirklichkeit nur ein kleiner Holzbau war, der die Zeitläufe nicht lange überstanden hat.Nichts ist von ihm geblieben.

Wieder aus dem Keller mit den alten Grundmauern aufgestiegen, kann man noch einige schöne Grabsteine aus dem 16. Jahrhundert bewundern. Hier posiert Lady Edith (der Kirchenführer hatte erlaubt, dasss sie in die Kirche durfte, weil es draußen furchtbar regnete – so sind die Tschechen, wen es um Hunde geht!) vor dem Grabdenkmal von David Boryně ze Lhoty, einem Adligen, der 1565 unterhalb im Moldautal das Schloss Roztoky erworben hatte, das er danach im Renaissancestil umbaute. Die Nachfahren verloren das Schloss nach dem gescheiterten Ständeaufstand von 1618 als die siegreiche Habsburger Seite das Anwesen konfiszierte. David Boryně ze Lhoty, der das gottlob nicht mehr erleben musste, ließ sich bezeichnenderweise nicht unten im Tal beerdigen, sondern in der Klementkirche – ein Zeichen, welch eine Symbolkraft hinter dem Gebäude immer noch steckte.

Und draußen kann man noch ein wenig die alte Burganlage erkennen, zu der die Kirche gehörte. Es hanelt sich um eine Anlage aus dem 9. Jahrhundert. Bořivoj war der erste böhmische Herrscher, dessen Existenz wirklich erwiesen ist. Bei Burgen aus dieser Vorzeit gab es keine Zinnen, Steinmauern und Burgfriede. Meist wurde ein großes Areal mit einem Erdwall umgeben, auf den dann Pallisaden aus Holz gesetzt wurden. Und so sieht man von der Burg Levý Hradec eigentlich heute nur die recht großen Erdwälle.

Die kann man umwandern. Im ganzen Areal ist ein Lehrpfad mit Tafeln errichtet, die über archäologische und historische Details von Burg und Kirche informieren. Die Kirche kann man normalerweise nur von außen besichtigen, außer an Wochenenden. Dann steht ein Führer bereit, der einem die Kulturschätze der doch recht kunstvollen Kirche erklärt. Sollte er nicht unmittelbar auffindbar sein, sollte man in die nahegelegene Medová Kavárna (Honig Café) gehen, und zwar aus zwei Gründen: (a) weil dort ausgezeichneten Kuchen und Kaffee gibt und (b) weil die beim Guide anrufen, der dann auch sofort kommt. Die Hilfsbereitschaft (auch auf Englisch) kennt keine Grenzen. (DD)

Imposant über der Moldau

Über 190 Meter erstreckt sich die imposante Front von Schloss Chvatěruby (Zámek Chvatěruby) hoch über dem Ufer der Moldau. Für die Spaziergänger auf dem schönen Uferwanderweg einige Kilometer flussabwärts von Prag ist sie eine echte Sehenwürdigkeit.

Die Ursprünge des Schlosses, das oberhalb des gleichnamigen kleinen Dorfes thront, liegen ein wenig im Dunklen. Man findet für das 13. Jahrhundert in Urkunden die Erwähnung eines befestigten Hofes mit Turm, der einem gewissen Rüdiger von Chvatěruby gehörte. Erst 1366 wird sie als richtige Burgbefestigung wieder erwähnt, die im Besitz eines Prager Patriziers war.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ging sie in den Besitz der Familie Zajíc von Hasenburg über, die sich aber unklugerweise einem katholischen Aufstand gegen König Jiří z Poděbrad (Georg von Podiebrad) anschloss, dem einzigen Hussiten auf dem böhmischen Königsthron (wir berichteten u.a. hier). Der ließ die Burg 1467 stürmen und übereignete sie dem befreundeten Staatsmann und humanistischen Schriftsteller Georg von Heimburg. Als der König starb 1471 starb, musste Heimburg allerdings Burg und Land verlassen, da er vom katholischen Nachfolger als ein wegen papstkritischer Pamphlete Exkommunizierter in Böhmen keinen Schutz mehr genoss.

Es folgten in recht rascher Abfolge etliche Besitzerwechsel. Einer der Besitzer war der Landrichter Johann von Waldstein (Wallenstein), der es 1567 erwarb. Er baute die stattliche Vorderfront, die noch mittelalterlichen Ursprungs war, im Stil der Renaissance um – so, wie wir es heute (allerdings als Ruine) noch sehen. Johann von Waldstein war noch ein gemäßigter Hussit. Später schlug sich die Familie auf die katholische Seite und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die kaiserlich-katholischen Truppen des durch Schillers Drama Wallenstein berühmt gewordenen Heerführers Albrecht von Wallenstein (wir berichteten u.a. hier) die Burg im Dreissigjährigen Krieg eroberten und ausplünderten.

Nach dem Krieg kam das Gebäude in die Hände des adligen Geschlechts Voračičtí z Paběnic. Unter der Familie wurde aus der Burg ein barockes Schloss, das den veränderten Wohnbedürfnissen des Adels der Zeit entsprach. Oder genauer ausgedrückt: An die alte Vorderfont wurde im rechten Winkel ein neues Barockschloss gesetzt, sodass der heute noch bestehende Eindruck zweier aneinandergefügter Bauwerke entstand.

Offensichtlich hätte die Familie gerne das ganze Schloss konsequent barockisiert, aber wahrscheinlich ging das Geld aus. Jedenfalls blieb das Projekt halb vollendet. Das war kein gutes Omen. Das Schloss verfiel allmählich. 1752 wurde das Dach des alten Teils bei einem Sturm zerstört. Ein neuer Besitzer montierte 1816 die schönen Außenverkleidungen von Türen und Fenstern ab, um sie einem anderen seiner Anwesen einzuverleiben. Darob nutzte auch dei Bevölkerung im Ort das Schloss zunehmen als eine Art Steinbruch. 1817 stürzte der noch erhaltene Teil des Daches im östlichen Bauteil ein.

Und schließlich ließ man 1891 einen Teil des Gebäudes abreißen, weil er einsturzgefährdet war. Nur der barocke Teil blieb einigermaßen erhalten – allem voran das schöne Eingangstor. Wieder folgten etliche Wechsel der Eigentümer. 1918 erwarb der damals bekannte Schaupieler František Matějovský das Schloss. 1947 fiel es dann in Staatsbesitz. Nach dem Ende des Kommunismus wurde Schloss Chvatěruby 1991 privatisiert. Die neue Besitzerfamilie renoviert zurzeit den bewohnbaren Teil sehr sorgfältig – eine geradezu titanische Aufgabe.

Es lohnt sich, vom Uferweg aus, einmal hoch zum Schloss zu wandern und es zu umrunden. Man kann dann das Gebäude in seinem schönen Umfeld bewundern. Das Dorf ist nämlich recht hübsch und direkt neben dem Schloss liegt die Kirche der Heiligen Peter und Paul (kostel sv. Petra a Pavla), deren Ursprünge sich auf das Jahr 1222 zurückdatieren lassen, und die um 1715 im Zuge des Schlossumbaus ordentlich barockisiert wurde.

Wer beim Anblick der Vorderfront vom anderen anderen Moldauufer bereits von der Imposanz der Anlage beeindruckt ist, wird bei der Perspektive vom Dorfinneren her noch mehr überwältigt sein. Über die Jahrhunderte hat sich das Dorf in die unter der Burg gelegenen zusätzlichen Bastion integriert. Die Häuser des Ortes sind zum Teil regelrecht eingebaut. Trotzdem erkennt man die Bastion noch deutlich und sie zeigt, dass die Gesamtanlage der Burg dereinst viel größer war als man es von der Ferne sieht. (DD)

Mehr als nur eine Brauerei

Im letzten Beitrag berichten wir über das hübsche Landschloss Dolní Počernice mit seinem großen Park. Aber wer über Schloss Dolní Počernice (wir berichteten hier) spricht, darf vom Bier nicht schweigen!

Es ist natürlich aus historischer Sicht nichts Ungewöhnliches, dass zu einem Schloss, das ja ursprünglich immer so etwas wie ein Wirtschaftsbetrieb mit Selbstversorgung war, selbstredend auch eine Brauerei gehörte. Aber nicht alle von ihnen gibt es noch. Dafür, dass es die pivovar Počerňák (Počernicer Brauerei) gibt, kann und muss man auf jeden Fall dankbar sein. Das Gründungsdatum ist der Juni 2016, was nicht besonders alt und traditionsreich klingt. Aber die Brauerei baut auf viel Geschichte auf.

Die ursprüngliche Schlossbrauerei, die wohl schon im Mittelalter bestand, wurde 1884 zu einem größeren Wirtschaftsbetrieb erweitert, der dann die trinkfreudigen Bürger der Umgebung mit gutem Bier versorgte. In dieser Form bestand sie bis 1936. Zu diesem Zeitpunkt gehörte das Schloss, dessen integraler baulicher Bestandteil sie war und ist, bereits der Gemeinde Dolní Počernice. Pünktlich zum 70. Jahrestag der Schließung erstand die Brauerei wieder auf. Als Brauer war zunächst Marcel Jelínek für die Produktion des guten Gerstensafts zuständig, der bereits für etliche andere maßgeschneiderte Biersorten kreiert hatte. 2017 folgte ihm David Urban, der u.a. schon bei der Únětický pivovar (wir berichteten hier), einer der profiliertesten Kleinbrauerein in Prag, seine Sporen verdient hatte.

Rund drei hervorragende Sorten Bier sind fast immer im Angebot, etwa ein sehr süffiges Lager (tsch.: ležák), das quasi immer erhältlich ist. Nun darf man sich das ganze nicht als schlichte kleine Braugaststätte vom Lande vorstellen. Im Grund ist heute der ganze östliche Flügel des Schlosses ein einziger, aber vielschichtiger biergastronomischer Komplex. Der besteht aus drei Grundkomponenten. Die erste ist das eigentliche Braulokal an der Národních hrdinů 3 (Prag 9), was geradezu die Hauptstraße des kleinen Ortsteils Dolní Počernice. Obwohl in einem barocken Gebäude befindlich, ist es innen modern, aber gemütlich eingerichtet. Zum Bier kann man tschechische Bierlokalküche in guter Art genießen. Hier befindet sich auch die eigentliche Brauerei.

Komponente Nummer zwei ist das Restaurant Léta Páně (das heißt: Im Jahres des Herrn oder Anno Domini). Da kriegt man das Bier natürlich auch. Braugaststätte und Restaurant verbindet ein Innenhof, der oft im Sommer für Hochzeiten u.ä. genutzt wird. Das Restaurant, das am auf der anderen Seite der alten Burg am Schlosspark (daher auch eine große Terrasse!) gelegen ist, ist riesig und mit vielen Räumen ausgestattet, die für jede Feier geeigent sind. Die Einrichtung ist modern und geschmackvoll. Alles macht einen gediegenen Eindruck.

Auch die Kulinarik darf nicht unerwähnt bleiben. Die ist durchaus gehoben. Neben einigen tschechischen Klassikern gibt es auch internationale Cuisine. Rundum tiptop! Das gilt nicht nur, aber vor allem auch für die Deserts. Die Gebackenen Pflaumen mit Lebkuchen und Marzipaneis, die man links sehen kann, hatten es jedenfalls in sich!

Wie gesagt: Der Gebäudekomplex, der auch Panský Dvůr (Herrenhof) genannt wird, der zu Brauerei und Umfeld gehört, ist groß. Mit seinem Turm ist das alte Schlossgebäude fast ein Wahrzeichen der Gemeinde. Deswegen war auch noch eine Übernachtungsmöglichkeit für alle, die nach vielen guten Bieren nicht mehr nach Hause gehen können oder wollen, drin, die Penzion u Hastrmana, die ebenfalls dem höheren Qualitätssegment angehört. Für den lebensbejahenden Biertrinker ist die Brauerei in Dolní Počernice eben mehr als nur eine Brauerei. (DD)

Kleines Schloss mit allem Drum und Dran

Je weiter man sich aus dem Zentrum Prags entfernt und in die ländlicheren Vororte kommt, um so mehr stößt man auf reizende kleine Landsitze und Schlösser. Schloss Dolní Počernice in dem gleichnamigen kleinen und noch sehr dörflichen Ortsteil ist ein Beispiel dafür.

Das Schlossgelände ist direkt an einem malerischen Stau- und Fischsee des kleinen Flüsschens Rokytka gelegen, das den Schlosspark angenehm mit Wasser speist. Von der Burg liest man das erste Mal in einer Chronik von 1401, wo von einer Vergrößerung die Rede ist. Die Burg selbst ist also schon älter, wohl aus dem frühen 13. Jahrhundert, was auch archäologische Forschungen neueren Datums bestätigten. Die Eigentümer – meist Kleinadlige und reiche Bürger aus Prag – wechselten häufig.

Dann, im Jahre 1562 gelangte die Burg in den Besitz des gerade gegen die Türken siegreichen Königs Ferdinand I., der sie aber umgehend glan einen Bürger namens Matěj Hůlek verkaufte, der zugleich auch geadelt wurde und nun Matěj Hůlek z Počernic hieß. Der baute erst einmal kräftig um. Der ganze östliche und mittlere Teil des Gebäudes wurde im Stil der Renaissance erneuert. Und so sieht der größte Teil des Gebäudes, dass sich nun von einer befestigten Burg in ein gut bewohnbares Schloss verwandelt hatte, heute noch vom Außenbild her aus.

Wieder gab es Besitzerwechsel. Die Angehörigen des Landadels wehrten sich meist gegen den Absolutismus und die religiöse Intoleranz der Habsburger im 17. Jahrhundert, was 1618 zum berühmten Böhmischen Ständeaufstand und dem Dreissigjährigen Krieg führte. Nach der Niederlage der Böhmen wurde das Eigentum der Verlierer enteignete, wodurch in den Reihen der Sieger bald enorm reiche Kriegsprofiteure befanden. Einer von ihnen, Jan Kapr z Kaprštejna (ein Richter, der sich selbst mit seinen Urteilen bereicherte) übernahm 1621 das und andere Schlösser der Umgebung. Da er neben der Neigung zur Raubjustiz auch noch seine Frau misshandelte, wurde er 1625 von ihr und ihrem Liebhaber umgebracht, worüber wir hier berichteten.

Es folgten nochmals Besitzerwechsel, bis 1664 die Familie der Grafen von Colloredo-Wallsee Schloss und Grund erwarben. Sie bauten den westlichen Teil ganz schick im Stil des Barock um, womit es im Grunde die heutige Gestalt bekam (siehe großes Bild oben). In der Zeit wurde auch der Garten verschönert (Gewächshäuser). Allerdings zog die Familie Colloredo-Wallsee 1769 wieder aus. Die nächsten bedeutenden Besitzer – nach einigen erneuten Wechseln – war dann 1856 die ungarische Familie der Freiherren Dercsényi de Dercsény, die bis 1923 blieben, als die Stadt das Gebäude übernahm. Die modernisierten in den Jahen 1856 bis 1866 das Gebäude unter der Leitung des Architekten Jan Bělský. Insbesondere fügten sie die große klassizistische Orangerie (kleines Bild oberhalb rechts), die heute (nach baulichen Modernisierungen) einen Kindergarten beherbergt.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí Panny Marie) von Dolní Počernice ist heute die katholische Gemeindekirche, aber eigentlich ist sie sichtbar ein Teil der Burganlage. Sie war um das Jahr 1200, als sie im romanischen Stil erbaut wurde, wohl die Privatkirche des Schlossherren. Sie wurde mehrfach umgebaut, erst im gotischen Stil, dann nach 1562 mit Renaissancefenstern versehen. Forschungen haben ergeben, dass der Kirchturm im Mittelalter ein Teil der Verteidigungsanlage der Burg war. Im 18. Jahrhundert gab es eine vorsichtige Barockisierung, von der die Statue des Heiligen Laurentius vor dem Turm noch Zeugnis gibt.

Um 1890 vergrößerte man sie noch ein wenig durch den Bau eines Oratoriums und baute sie in einem dem Original frei nachempfunden neo-romanischen Stil um. Bei Renovierungsarbeiten fand man 2004 eine Sensation, nämlich originale romanische Wandgemälde aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also der Urspungszeit von Burg und Kirche. Sie wurden 2010 bis 2014 von dem Maler und Restaurator Miroslav Koželuh wieder instandgesetzt. Die alten Bilder der Romanik passen irgendwie gut zu der Neoromanik, die das Gebäude seit 1890 optisch bestimmt.

Und wenn man schon einmal das schöne Schlossareal inspiziert, sollte man sich auch das am Fischteich gelegene Gebäude der ehemaligen Mühle anschauen, das 1862 unter der Familie Dercsényi de Dercsény erbaut wurde. Es ist ganz im Stile der englischen Neogotik gehalten. Die Mühle wurde stets verpachtet. 1953 wurde die letzte Pächterfamilie, Görner, von den Kommunisten vertrieben, die das Ganze in eine landwirtschaftlichen Staatsbetrieb verwandelten. Der Kommunismus ist gottlob passé. Heute befindet sich hier ein italienisches Restaurant. Das ist nicht der einzige kulininarische Erlebnisort hier. Aber über die Brauerei berichten wir später. (DD)

Schloss mit Mordgeschichte

In den Außenbezirken Prag gibt es eine schier unendliche Zahl von kleinen Burg- und Schlossanlagen. Sie liegen fast samt und sonders außerhalb der großen Touristenströme, die meist nur den Hradčany (Burgbezirk) oberhalb der Kleinseite erreichen. Für die Einheimischen sind sie aber beliebte Ausflugsziele – allen voran Schloss Chvaly (Chvalský zámek) im heutigen Stadtteil Horní Počernice (Prag 20)

Eigentlich handelt es sich sogar um einen alten und sehr pittoresken Ortskern, dessen Zentrum die Burg bildet. Der Ort Chvaly existiert wohl schon seit dem 11. Jahrhundert. Eine Urkunde aus der Zeit des böhmischen Herzogs Soběslav I. weist es 1130 als Kirchenbesitz des Kapitels Vyšehrad aus. Die Burg gibt es aber erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, was man ersten schriftlichen Erwähnungen in Chroniken von 1428 entnehmen konnte. Die Burg gehörte nacheinander verschiedenen adligen Bürgern Prags. Vom Unglück verfolgt war Ritter Jiří Vtelenský z Vtelno, der Burg und Gut 1615 erwarb, weil er sich an dem Ständeaustand 1618 beteiligt hatte, der sich gegen die absolutistischen Bestrebungen und die Abschaffung religiöser Toleranz durch die Habsburger wendete. Nach der Niederlage des Aufstands 1620 wurde sein Besitz konfisziert.

Einige Eigentümerwechsel weiter, im Jahre 1652, fiel der Besitz in die Hände der Jesuiten, die wiederum nach einem Brand die im Kern noch recht finster mittelalterliche Burg in ein modernes Barockschloss umwandelten – so wie wir es im Großen und Ganzen heute noch sehen können. Zudem bauten sie als integralen Bestandteil des Schlosses eine Kapelle an, die der Heiligen Anna gewidmet war. Der Jesuitenorden wurde 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst und so kam das Schloss in den Besitz eines gemeinnützigen Studienfonds, der hier bis 1848 residierte. In dieser Zeit (genauer: 1793/94) wurde die Kapelle umgebaut und vergrößert. Sie diente nun unter dem Namen Kirche der Heiligen Ludmilla als reine Gemeindekirche und gehört heute der Katholischen Kirchengemeinde des Ortes. 1825 wurde sie nochmals im neoromanischen Stil umgebaut, der heute ihren äußeren Eindruck prägt.

Was das Schloss anging, so gab es abermals eine Folge von Besitzerwechseln, die dem Gebäude nicht gut bekamen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde gar der südliche Flügel des Schlosses abgerissen. Die Substanz war in Gefahr. 1918 wurde deshalb das Schloss samt unmittelbarer Umgebung in Staatseigentum der neu gegründeten Tschechoslowakei überführt und vermietet. Der Verfall wurde dadurch allenfalls verlangsamt. Aber auch das endete 1951 mit dem Kommunismus. Das Ganze wurde nun in enen landwirtschaftlichen Staatsbetrieb überführt, was am Ende zur völligen Verwahrlosung und Zweckentfremdung führte. Gottlob verschwand der Kommunismus 1989 und man konnte sich endlich richtige Gedanken über eine angemessene Nutzung machen.

Seit 1993 befindet sich das Schloss nunmehr im Besitz der Stadt Prag bzw. seit einiger Zeit im Besitz des Stadtteils Horní Počernice. Nun plante man, das Schloss zu renovieren und einem Zwecks zuzführen, der seinem kulturellen und historischen Rang entsprach. Bis 2008 dauerten die Arbeiten, die zum Teil aus EU-Mittel finanziert wurden. Sie bezoegn die ganze Umgebung mit ein, denn das ummauerte Areal umfasst noch etliche barocke Wirtschaftsgebäude des Schlosses und einen um eine große Dorfplatzanlage gelegenen Ortskern mit alter Bausubstanz. Die Entwickler sahen hier das Potential für ein großes gehobenen Freizeit- und Kulturzentrum.

In einem der Wirtschaftsgebäude (kleines Bild links) befindet sich jetzt eine Kunstgalerie mit interessanten Wechsel-Ausstellungen. Auf dem Platz gibt es moderne Skulpturen, aber auch einen Kinderspielplatz. Mehrere Restaurants in historischen Gebäuden säumen den Dorfplatz. Alles ist in blitzblankem Zustand. Alles ist herrlich für Familienausflüge geeignet.

Das gilt auch für das Schloss selbst. Das enthält neben dem barocken Hochzeitssaal auch ein kleines Museum, das spielrisch und didaktisch stark auf Kinder als Publikum ausgerichtet ist, was aber keinesfalls Erwachsene abschrecken sollte. Dort kann man auch noch ein wenig zur Baugeschichte sehehn. Im ersten Augenblick denkt man im Keller, hier hätte sich damals ein Kerker befunden. Richtig düster, kalt und eng sieht es in dem finsteren Verließ aus. Stimmt aber nicht. Im Schloss gab es nie ein Gefängnis und in Wirklichkeit handelt es sich um eine Kühlkammer, wo man (der Kühlschrank war ja noch nicht erfunden) in der frühen Neuzeit im Winter gesammeltes Eis über den Sommer aufbewahren konnte.

Aber eigentlich geht es im Museum um Ortsgeschichte und um große Persönlichkkeiten, die Chvaly hervorgebracht hat. Dazu gehört unter anderem die Malerin und Graphikerin Ludmila Jiřincová. Den Tschechen noch bekannte dürfte der Trickfilmzeichner Zdeněk Smetana sein, der mit dazu beitrug, dass Tschechien in diesem Genre qualitativ so führend wurde. Dabei lernt man auch, das Smetana in den frühen 1960er Jahren Folgen der amerikanischen Kultserie Tom and Jerry in Prag gezeichnet hatte. Wer weiß heute noch, dass die amerikanischen Kapitalisten die Produktion ihren Serie aus Geldgründen outsourcten und die tschechoslowakischen Kommunisten – auch aus Geldgründen – diesen Job gerne übernahmen? Man lernt nie aus…. Im Museum von Schloss Chvaly kann man in einem kleinen Kino aber einen ur-tschechischen Trickfilm mit den von ihm geschaffenen Kobolden Křemílek und Vochomůrka (dt.: Fliegenpilz und Kasimir) bewundern.

Auch die Lokalgeschichte des Schlosses bietet Interessantes, wenn nicht gar Dramatisches, das didaktisch hübsch durch Comics-Wandtafeln präsentiert wird. Hier sieht man eine gruselige Mordgeschichte, die sich nach der oben erwähnten Enteignung des Ritter Jiří Vtelensk wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand 1618 abspielte. Einer der Justizräte, die die Prozesse gegen die Aufständischen leiteten, war ein gewisser Jan Daniel Kapr z Kaprštejn, der sich wie viele der Parteigänger der Habsburger hemmungslos am Besitz der Besiegten bereicherte. 1622 war er – nicht überraschend! – auf einmal zum Eigner von Schloss Chvaly geworden.

Lange konnte er die Früchte seiner Gier aber nicht genießen. Er behandelte seine Frau Anna, die ihn gegen ihren Willen heiraten musste, wohl recht schlecht. Zusammen mit ihrem eigentlichen Geliebten, dem Ritter Adam Zapský ze Zap, lauerte sie im November 1625 in einem nahegelegenen Wald dem bösen Ehemann auf, dessen Leben nun durch eine Kugel beendet wurde. Anna und Adam konnten ihr Liebesglück aber nicht lange genießen. Sie wurden schnell gefasst und zum Tode verurteilt. 1626 enthauptete der Scharfrichter Jan Mydlář , der schon 1621 die Hauptaufständischen hingerichtet hatte (wir berichteten hier), die beiden – erst sie, dann ihn. Diese schauerliche Geschichte (die eigentlich verfilmt werden könnte) wollte ich an dieser Stelle niemandem vorenthalten…

Ja, auch außerhalb des Zentrums kann Prag spannend sein. Ein Besuch von Schloss Chvaly bietet jedenfalls alles, was man sich für einen kleinen Wochenendausflug in der Umgebung Prags nur so wünschen kann, vor allem spannende Geschichten. (DD).

Rittersitz, renovierungsbedürftig

Über das nördlich und nahe Prags gelegene Dorf Chlumín und seine Barockkirche hatten wir im letzten Beitrag berichtet. Aber der Ort, der eigentlich ein Ausflugsort für die Prager sein könnte, wirkt wirtschaftlich recht abgehängt. So bleiben seine Sehenswürdigkeiten (die wirklich sehenswürdig sind) weitgehend unbeachtet. Das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für das in der Nähe befindliche Schloss Chlumín (zámek Chlumín). Wie die Kirche befindet es sich ebenfalls in einem recht bemitleidenswerten Zustand.

Das wurde schon 1310 erstmals als kleine Burg im gotischen Stil erwähnt und gehörte damals einer Prager Patrizierfamilie namens Velflovic. Noch im selben Jahrhundert begann eine Reihe von Besitzerwechseln – inklusive einer kurzen Besetzung durch Hussiten um 1421. Die sehr fruchtbare Gegend ließ das Anwesen für Grundbesitzer recht attraktiv erscheinen. Große Neuerungen brachte aber erst die Übernahme durch den Ritter Jetřich Kyšperští z Vřesovic, einem Sohn von Jakub Kyšperský z Vřesovic, der als tapferer Kämpfer gegen die Türken 1526 in der Schlacht bei Mohács fiel und es spätestens dadurch zur Berühmtheit gebracht hatte. Der Ritter verwandelte die mittelalterliche Burg in ein Schloss im Stil der Renaissance. Es folgten weitere Besitzerwechsel bis es dann zwischen den Jahren 1675 und 1726 der Familie der Freiherren Údrčtí z Údrče, die das Schloss um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert im Barockstil neu umgestaltete. Und diese neue Form hat es bis heute im Kern beibehalten.

Eine neue Blüte entstand als 1726 Anna Maria Franziska Großherzogin von Toskana von der Toskana das Schloß, Dorf und Umgebung kaufte. Die anderen Sehenswürdigkeit Chlumíns – Kirche, Dorfplatz, Mariensäule – umrahmten Dank ihre Bautätigkeit nun das Schloß und es sah so aus, als ob sie in Chlumín den Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden gewinnen wollte – nur, dass es den damals noch nicht gab. Es muss halt noch ein wenig aufpoliert und renoviert werden, aber das Ensemble, das sie hinterließ, ist eigentlich sensationell. Die Großherzogin hatte keine direkten Erben und irgendwann wechselte das Schloss wieder den Besitzer. Ihr Wappen prangt jedoch weiterhin auf der Barockfassade des Gebäudes (Bild unterhalb links).

Die neuen Eigentümer, die Grafenfamilie von Chotek wollten das Schloss nicht mehr als Schloss nutzen, sondern richteten hier eine Schule und ein Pfarramt für die Kirche nebenan ein. Ein Feuer richtete 1859 großen Schaden an, der aber zügig wieder behoben wurde. Nach 1945 wurde das Ganze verstaatlicht und es wurde hier ein staatlicher Muster-Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. Das hörte in den 1980er Jahren auf, als man das Schloss renovierte. Seither wurde aber wenig zu seinem Erhalt getan. Genutzt wird es heute als für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Aufbewahrungsort für nicht ausgestellte Sammlungsobjekte des Kunstgewerbemuseums (wir berichteten über das Museum hier) in Prag.

Das erhält irgendwie mehr schlecht als recht das eigentliche Schloss, obwohl auch hier der Putz von den Fassaden bröckelt. Das eigentliche Opfer sind die ebenfalls historisch wertvollen Wirtschaftsgebäude. Schloss Chlumín wird gerade durch diese Gebäude zu dem, was es in archetypischer Weise repräsentiert: das klassische Rittergut. Und so gleicht die unmittelbare Umgebung, die schon mit improvisierten Zäunen gesichert wird, einer wahren Ruinenlandschaft. Man könnte heulen. Hoffentlich finden sich bald die Mittel, um Chlumín und sein Schloss wieder so schön auferstehen zu lassen, wie es in den Zeiten der Großherzogin war. (DD)

Burg in schöner Bachlandschaft

Inmitten eines idyllischen Dörfchens am nordöstlichen Rand Prags liegt Burg Jenštejn. Der 22 Meter hohe Turm ragt hoch über den kleinen alten Häuschen des Ortes und der sie umgebenden Bach- und Teichlandschaft. Kurz: Das ideale Ziel für einen Wochenendausflug.

Das Dorf mit samt einer kleinen Wasserburg wurde Anfang des 14. Jahrhunderts durch Jenčik z Janovic (das „z“ ist im Tschechischen gleichbedeutend mit dem deutschen Wort „von“) angelegt, dem Sproß einer im 13. Jahrhundert erstmals in Chroniken erwähnten Adelsfamilie. Die erste urkundliche Erwähnung der Burg datiert aus dem Jahr 1368. In diesem Jahr ging sie nämlich in den Besitz eines gewissen Pavel z Vlašim über, der sich fortan recht vornehm Paulus de Jenczenstein nannte. Er baute die Burg in der Form aus, wie wir sie heute kennen. Pavel vererbte 1379 die Burg und die Herrschaft an seinen Sohn Jan z Jenštejna (Johann von Jenstein).

Der war der wohl bedeutendste Besitzer der Burg. Zunächst Bischof von Meißen, brachte er es 1379 zum Amt des Kanzlers von König Wenzel IV.. Da er gleichzeit Bischof von Prag wurde, geriet er als eifriger Kirchenreformer in die religiösen/politischen Streitereien, die später zu den Hussitenkriegen führen sollten. In vielen Schriften prangerte er die damalige Verweltlichung der Kirche an.. Er war vielleicht ein wenig radikal. 1384 verlor er daher das Amt des Kanzlers. Fortan kämpfte er gleichermaßen für die Rechte der Kirche gegenüber dem König. Als der König seinen Generalvikar, den späteren Märtyrerheiligen Nepomuk, hinrichten ließ floh er nach Rom. 1396 – vier Jahre vor seinem Tod – musste er auch den Bischofstitel aufgeben.

Nachdem Burg und Dorf im 15. Jahrhundert noch mehrmals den Besitzer wechselten, wurde im Jahr 1560 ein gewisser Jan Dobřichovský z Dobřichova letzte Besitzer der Herrschaft von Jenštejn. Nach seinem Tode im Jahr 1583 fiel sie an die königliche Finanzverwaltung Böhmens und wurde zwei Jahre später in die Herrschaft  Brandýs. Dadurch verlor die Burg an Bedeutung. Chroniken erwähnen, dass sie 1597 schon leer und recht verfallen war. 1640 verwüsteten im Zuge des Dreissigjährigen Krieges Burg und Dorf. Das Dorf wurde wieder aufgebaut; die Burg blieb die pittoreske Ruine, die wir heute sehen.

Im 20. Jahrhundert nahm man sich ihrer wieder gnädig an. Renovierungen stabiliserten das Gebäude – allen voran eine Restaurierung im Jahre 1977, die dazu führte, dass die Burg wieder öffentlich zugänglich wurde. Seither ist sie ein beliebtes Ziel für Wanderer und Radfahrer, die die Burg und die umliegende Landschaft bewundern wollen. Die Burg und das Dorf liegen in einem waldigen Gebiet um den Vinoř-Bach (Vinořský potok), der sich von hier aus Prag kommend Richtung Elbe bewegt und von vielen kleinen Teichen gesäumt ist, wie man auch dem großen Bild oben sehen kann. (DD)

,

Kreuzherrenschloss im Nordosten

Das Schloss Ďáblice (zámek Ďáblice) an der U Parkánu 25/1 im nordöstlichen Prager Stadtteil Ďáblice wurde 1235 erstmals urkundlich erwähnt als der von der böhmischen Nationalheiligen Agnes gegründete Ritterorden der Kreuzherren mit dem roten Stern es von Konstanze von Ungarn, der Witwe des böhmischen Königs Otakar I., erwarb.

Der Orden, der seine Besitzungen in der Gegend 1254 noch einmal vergrößerte, nutzte es hauptsächlich für die Landwirtschaft für die Versorgung der von ihm betriebenen Prager Klöster. Während der Hussitenkriege fiel das Schloss kurz an die Hussiten, wurde aber schon bald restituiert. Der gotische Originalbau brannte 1526 bei einem Feuer ab und wurde danach im Renaissancestil wieder aufgebaut. Dieser neue Bau fiel 1731 ebenfalls den Flammen zum Opfer und der 1755 vollendete Wiederaufbau erfolgte diesmal im Stil des Barock, der das Äußere heute weitgehend bestimmt.

Das Schloss in der Mitte des alten Dorfkerns des andernorts von Plattenbeton dominierten Stadtteils Ďáblice ist ein L-förmiges Gebäude. Die Vorderfront gesteht aus dem zweiflügeligen Barockschloss, dessen Zentrum die Schlosskapelle der heiligen Dreifaltigkeit und des Heiligen Wenzel (Zámecká kaple Největejší Trojice a sv. Václava) bildet. Die ist vor allem durch seine Deckengemälde bemerkenswert, die von dem Maler Jan Ezechiel Vodňanský angefertigt wurden. Leider ist das Gebäude heute nicht der Öffentlichkeit zugängig, so dass man das nicht sehen kann.

Etwas entschädigen tut das Äußere dann schon. Die schmucke Barockfassade ist von einem kleinen Zwiebelturm geschmückt, auf dessen Spitze sich das für den Orden typische rote Kreuz mit seinen acht Spitzen und das namensgebende sechseckige Kreuz befinden.

Auf dem Giebel befindet sich wiederum eine Dreiergruppe von barocken Statuen. Es handelt sich um den Heiligen Wenzel, der von zwei Engeln umgeben ist. Vermutlich sind sie ein Werk des königlichen Hofbildhauers Ignaz Franz Platzer (siehe auch früheren Beitrag hier), aber ganz gesichert scheint das jedoch nicht zu sein.

Rechtwinklig dazu positioniert befindet sich ein großes Wirtschaftsgebäude, das im 19. Jahrhundert ein wenig überarbeitet und stilistisch an die frühere Renaissancephase des Schlosses anknüpft. Das Schloss gehört übrigens nicht mehr dem Kreuzritterorden, sondern wurde 1948 der Prager Verwaltung unterstellt, die es teilweise noch so nutzt wie die Kreuzherren, nämlich landwirtschaftlich. Die Kapelle fungiert wiederum als Gemeindekirche. (DD)