Kleines Dorf mit viel Geschichte

Dass man in der Nähe des Flusslaufs der Berounka rund 20 Kilometer südwestlich von Prag schöne Ausflüge durch die Natur machen kann, wurde an dieser schon öfters bemerkt (etwa hier). Zu erwähnen sind dabei aber auch die hübschen alten Dörfer, durch die man dabei wandern kann. Die winzige, aber um so malerische Ortschaft Koda mit ihren idyllischen Teichen ist eines von vielen Beispielen.

Das Dorf liegt inmitten des Nationalen Naturschutzgebiets von Koda (Národní přírodní rezervace Koda), das nach dem Ort benannt ist. Wir befinden uns hier in einem der artenreichsten und schönsten Teile des Böhmischen Karsts ( Český kras). Und es handelt sich um ein sehr kleines Dorf mit dennoch erstaunlich viel Geschichte.

Die Ortschaft selbst – ursprünglich wohl ein Holzfällerdorf – wurde 1429 erstmals erwähnt. Der Name ist möglicherweise keltischen Ursprungs. Aber die Siedlungsgeschichte ist viel älter als es mittelalterliche Chroniken erahnen lassen. Oberhalb des Dörfchens kann man heute etwas abseits des großen (blau markierten) Wanderweges die Höhle von Koda (Kodská jeskyně) finden.

Die kann man einfach so betreten. Es wurde dafür gesorgt, dass der hintere Teil, der mehrere hunderte Meter weit reicht, nicht mehr durch einen sehr engen Durchschlupf erreichbar ist. So wird Schaden abgewendet und es ist der Sicherheit der Wanderer gedient. Der nunmehr als einziges sichtbare Eingangsbereich mit seinen glatten und geraden Wänden vermittelt aber ein Verständnis dafür, warum das hier so ein beliebter Siedlungsort war. Die an einem steilen Abhang im Walde befindliche Höhle wirkt fast wie ein gemauertes Gebäude.

1923 begannen hier mehrjährige Ausgrabungen, die bis in der 1930er Jahre andauerten und bei denen die Archäologen durch ihre Forschungen herausfanden, dass die Höhle von der Jungsteinzeit (ca 5000 v.Chr.) an über die Bronzezeit und die keltische Ära bis hin zum Mittelalter eigentlich ständig bewohnt gewesen war.

Jedenfalls war die Ausbeute der Archäologen an Keramikresten, Tierknochen (darunter Reste eines erlegten Mammuts), Werkzeugen enorm und gab viel Auskunft über einen besonders alten Siedlungsraum im alten Böhmen.

Weiter unten beim Orteingang erwartet uns eine andere und neuere geschichtliche Erinnerung – eine die uns gemahnt, dass die Tschechen im 20. Jahrhundert zwei totalitäre Schreckensregime erdulden mussten. Die kleine Gedenktafel erinnert an den örtlichen Wildhüter Bohumil Žíhla, der am 27. Mai 1945 (19 Tage nach der deutschen Kapitulation) von betrunkenen Rotarmisten getötet wurde, als er seine Familie gegen selbige verteidigen wollte. Das war ein erstes Zeichen dafür, dass der Wechsel von der Naziherrschaft zur Sowjetbesetzung für die meisten Bürger des Landes alles andere als eine echte Befreiung war. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Burg auf dem Felsen – unbezwingbar

Die Aussicht auf die Fluss- und Felslandschaft ist von hier aus einfach fabelhaft. Das dürfte aber nicht der Grund gewesen sein, warum hier schon früh Menschen siedelten und eine kleine Burganlage bauten. In 40 Meter Höhe und von drei Seiten von schroffen Felswänden umgeben, war die Burg Kazín (Hrad Kazín) oberhalb des kleinen Ortsteils Lipence ein geradezu uneinnehmbares Refugium in gefährlichen Zeiten.

Spärliche archäologische Funde belegen, dass hier schon in der Steinzeit und vor allem in der Hallsteinkultur (frühe Eisenzeit) Menschen siedelten. Wandert man heute von Prag aus südwestlich die Berounka entlang, sieht man schon von weitem aus, wie die flache Flusslandschaft plötzlich in eine Berglandschaft übergehen. Und die wird immer pittoresker.

Schon bald sieht man steile Felsen in die Höhe ragen. Und diese Felsen (Bild rechts), die von einer Seite auch noch durch den Fluss gesichert waren, boten eine strategische Position, von der aus man das Areal gut beobachten konnte.

Das Ganze war wie geschaffen für eine geradezu uneinnehmbare Festungsanlage.

Die kann man, wenn man von hinten sich dem Felsen nähert, immer noch gut erkennen. Sie war offensichtlich in zwei Teile gegliedert. Zunächst geht man durch die als Landschaftserhebungen noch erkennbaren Reste der Wallgrabenanlage zur Vorburg (Bild links). Es handelte sich also eindeutig nicht um eine mit Steinmauern befestigte Burg, sondern um eine wahrcheinlich mit Holzpalisaden versehene Erdwallanlage.

Man geht weiter un die Landzunge zum Felsen verengt sich. Dort ist die zweite Wallgrabenanlage, die zur inneren Burg führt (Bild rechts). Das entspricht dem typischen Aufbau der meisten hiesigen Wallburgen. Dann ist man auf dem kleinen eingeebneten Hochplateau über dem Felsen. Solche oder ähnliche Burgen gab es schon in frühslawischer Zeit seit dem 6. Jahrhundert. Genau das bewog wohl im Jahre 1868 den örtlichen Gastwirt (damals wie heute lud der schöne Fluss hier viele Ausflügler ein), den malerischen Felsen mit seiner Burganlage Kazín zu nennen. Kazi oder Kazín war in der alten böhmischen Sagenwelt die heilkundige Schwester von Libuše, der Begründerin der Herrschaft der Přemysliden-Dynastie.

Damit hatte man den Ort mit einem populären Nationalmythos verbunden, was die Besucherzahl bis heute steigerte. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass der Ort auch nur das Geringste mit der Sage zu tun hat. Die Befestigung mit Wall und Graben dürfte wesentlich späteren Datums sein. Die Archäologen sind sich noch nicht ganz sicher und forschen noch. Frühere Grabungen und Bebauung am Rande haben die Beweislage schwieriger gemacht. Aber auf jeden Fall die Idee des Gastwirts aus touristischer Sicht eine hervorragnde. Der Ort ist für Ausflügler, Angler, Schwimmer, Schlauchbootfahrer ein Paradies und die Aussicht ist umwerfend. Felsen beschützen die Burg oben nicht mehr vor anrückenden Feinden, sondern vor Kletterern. Die sollten sich nicht hinauf wagen. Mit gutem Grund hat die Gemeinde das Klettern verboten, denn der Felsen ist nicht nur senkrecht steil, sondern aus bröckelig und es gab schon Tote. Aber auch ohne den Adrenalinkick des Kletterns ist das Ganze einen Besuch wert. (DD)

Baumveteran

Dieser Baum kann auf ein langes Stück Geschichte zurückblicken. Seit Urzeiten steht er im Čimický háj (wörtl.: Tschimitzer Hain) am Rande des nordöstlichen Stadtteils Čimice (dt.:Tschimitz) in Prag 8.

Der Hain ist ein kleines Naherholungsparadies für die Prager, die dort gerne spazierengehen (eine frühere Empfehlung findet sich hier). Er ist gut mit Rast- und Spielmöglichkeiten (für die Kinder) ausgestattet; die Wege sind komfortabel; kleine Teiche verschönern die Idylle.

Früher, als er noch Teil eines Gutsbesitzes in Bohnice war, bestand der Hain hauptsächlich aus Eichen und Buchen. Ende des 19. und zu Beginn des 20. Jahrhunderts wurde er als öffentlicher Wald neu aufgeforstet. Lärchen und Linden dominieren nun das Erscheinungsbild. Aber es gibt einen wackeren Baumveteranen aus der alten Zeit, auf den die Forstverwaltung und die Einheimischen sehr stolz sind. Die alte große Sommereiche (großes Bild oben) zählt bereits mehr als 300 Lebensjahre. Sie ist mit Abstand der älteste Baum weit und breit.

Zu ihrer Sicherheit ist die Eiche umzäunt, sodass sie ihren ungebrochenen Lebenswillen ungestört zeigen kann. Innen ist sie weitgehend hohl und Bienen und ein Waldkauz haben sich drinnen eingenistet. Nur oben in den Wipfeln gibt es noch lebende Zweige. Von ihnen aus können nun die Jahrhunderte an Baumleben auf die Besucher – meist einheimische Familien (die Tschechen sind ein Volk von Wanderern) – hinabschauen. (DD)

Libušes Burg

Prag und Umgebung sind ein Paradies für Archäologen. Die Siedlungsgeschichte reicht weit zurück und immer wieder finden sich kaum mehr sichtbare Spuren dieser langen Vergangenheit im Landschaftsbild. So auch bei der Burg Děvín (hrad Děvín) im Naturschutzgebiet in der Nähe des Stadtteils Hlubočepy (Prag 5).

Schon in der Steinzeit siedelten hier Menschen, was nicht überrascht, wenn man die Lage des Ortes kennt: Hoch über der Moldau an einer Talverengung und geeignet zur Überwachung der Wasserwege. An solchen Orten bauten später gerne die Kelten Festungsanlagen (Wallburgen), die dann im 6. und 7. Jahrhundert oft wieder von den einwandernden Slawen genutzt wurden. Hier auf Děvín gab es wohl keine keltische Besiedlung und die Wälle, die man heute noch erkennen kann, sind daher erst von den Slawen gebaut worden.

Legenden verbinden den Ort mit der Sage vom Mägdekrieg. Demnach wurde die Burg von der Seherin Libuše erbaut. Die war sauer, weil sie aufgrund ihrer Talente Stammesfürstin hätte werden können, aber von den chauvinistischen Männern abgelehnt wurde, weil sie ja „nur“ Frau war. Stattdessen wurde der Mann, den sie erwählte, Herrscher der Böhmen. Und der hieß Přemysl und wurde somit der Begründer des späteren böhmischen Königsgeschlechts der Přemysliden.

Der Unmut der Frauen brach sich später dann Bahn in dem Mägdekrieg, bei dem die Frauen, die nun in den alten Chroniken mit den antiken Amazonen verglichen wurden versuchten, die Macht der Männer zu brechen. Das gelang nach anfänglichen Kriegserfolgen nicht und die Eroberung der Burg Děvín, die das Hauptzentrum des Aufstands gewesen sein soll, setzte dem Aufbegehren der Frauen ein Ende.

Möglicherweise erfolgte die Zuschreibung der alten Burganlage zu der überlieferten Sage, in der eine Burg dieses Namens erwähnt wird, erst in der frühen Neuzeit. Jedenfalls zeigen die Orts- und Flurnamen der Umgebung immer noch davon. Der schönste Aussichtspunkt vom Norden der Berghöhe hinunter in Flusstal und zur Stadt heißt nach einem der (männlichen) Helden der Sage, Ctirad (siehe früheren Beitrag hier). Etwas darunter liegt auf dem Hügel daneben (kleines Bild links) die Ortschaft Dívčí hrady, zu Deutsch: Mädchenburg – ganz klar auch eine Anspielung auf die Sage.

Aber das sind alles Legenden. Historisch wichtig und greifbar wird das Areal erst mit dem Bau einer richtigen steinernen Burg im Jahre 1338 durch Stefan von Tetin (Štěpán z Tetína), der unter König Johann aus dem Hause Luxemburg zahlreiche hohe Ämter innehatte. Dessen Nachfahren gerieten irgendwann in finanzielle Schwierigkeit und verkauften die Anlage an das nahegelegene Kartäuserkloster von Smíchov. Die Kartäuser waren wiederum während der Hussitenkriege den Hussiten ein Dorn im Auge, die dann 1419 die Burg überrannten. Als Kaiser Sigismund im nächsten Jahr die Burg zurückeroberte, blieb nichts brauchbares mehr übrig.

Die Stätte war fortan unbesiedelt. Nominell gehörte sie nun zur Ortschaft Zlíchov, die direkt unter der Burg liegt. Im Jahre 1513 kam man auf die Idee, die letzten Reste der Burg als Zieltestgebiet für neu angeschaffte Kanonen und Mörser zu nutzen. Das war’s dann…

Und so kommt es, dass man heute keine sichtbaren Reste des Mauerwerks der mittelalterlichen Burg mehr sieht. Im Erdreich sieht man jedoch Spuren von Wallaufschüttungen, die meist auf die slawische „Urburg“ hinweisen, die eine größere Fläche abdeckte als die Burg des 14. Jahrhunderts. Man kann auch erkennen, wie geschickt die natürlichen Felsabhänge in die Festung einbezogen wurden. (DD)

Das Tropenhaus

Die eigentliche Attraktion des neuen Botanischen Gartens (früherer Beitrag hier) in Prag liegt einige Meter außerhalb des Geländes und man muss auch ein wenig Extra-Eintrittsgeld zahlen: Die Fata Morgana! Es handelt sich um eine riesige Gewächshausanlage mit rund 1750 Quadratmeter Fläche.

Sie ist schlangenförmig an einen Hang neben dem botanischen Garten gebaut worden, was besonders vom Hügel darüber beeindruckend aussieht. Den Entwurf dazu hatte 1999 der Architekt Zdeněk Deyl gemacht. 2004 wurde die Fata Morgana eröffnet, nachdem es noch einige Querelen darüber gab, dass die Stadt Änderungen am Entwurf durchgeführt hatte, mit denen Deyl nicht einverstanden war. Was immer die den Intentionen des Architekten widersprechenden Änderungen waren, der Besucher bemerkt es heute nicht, sondern sieht eine schöne und originelle Anlage.

Und die Besucher kommen in Scharen. Oft stehen lange Schlangen vor dem Eingang und manchmal wird der Einlass wegen Überfüllungsgefahr kurz geschlossen. Ein reiches und gutes Angebot an Getränke-, Eis- und Speisetheken erleichtert einem allerdings draußen das Warten. Man hat hier eben an alles gedacht….

Drinnen befinden sich in verschiedenen Räumen verschiedene Tropen- und Halbwüstengewächshäuser aus verschiedenen Klimazonen und Regionen von Südafrika über Australien und Ozeanien hin zu Südostasien und noch vieles mehr. Manchmal ist man über den plötzlichen Klimawechsel zwischen den drei Räumen geradezu überrascht.

Eine besondere Attraktion ist der Tunnelweg, der vom Eingangsbereich in den nächsten Raum führt. Der erlaubt die Sicht der tropischen Pflanzenwelt „von unten“. Er ist nämlich den Wurzel in allen ihren verästelten oder knollenförmigen Ausformungen gewidmet – zum Teil im Original, zum Teil als Modell. Zudem enthält der unterirdische Durchgang auch noch Aquarien mit Tropenfischen.

Neben der permanenten Tropenflora-Ausstellung gibt es in der Fata Morgana auch ab und an Sonderausstellungen, die dekorativ in die Anlage eingebaut werden. Als wir das letzte Mal drinnen waren (Frühjahr 2019), standen die traditionellen Publikumslieblinge im Mittelpunkt, die Orchideen in all ihren Farben und Formen. Dafür gab es keinen eigenen Ausstellungsraum. Die Orchideen wurden überall im Gebäude auf bunt-schillernd geflochtenen kreisförmigen Scheiben präsentiert, was sie dann von der permanenten Ausstellung abhob – eine geschickte Lösung, die den Anspruch der Fata Morgana unterstreicht, zur Avantgarde unter den Gewächshäusern der Welt zu gehören. (DD)

Iwans Höhle in den Felsen

Es handelt sich um eine kolossale, geradezu atemberaubende Aussicht. Wenn man oben vom Gipfelkreuz hinunter auf die alte Abtei und den kleinen Wallfahrtsort schaut, dann leuchtet der Name St. Johann unter dem Felsen (Svatý Jan pod Skalou) unmittelbar ein.

Die Felsen, die die Kirche und das etwa 20 Kilometer südwestlich von Prag gelegene Dorf überragen, sind in der Tat beeindruckend. Betritt man unten die Kirche selbst, kommt der Gedanke schnell auf, dass man sie auch Johannes im, statt unter dem Felsen hätte nennen können. Das Gebäude führt nämlich tief in eine – als Kapelle verwendete – Höhle in den Felsen hinein.

Die Höhle ist nämlich der Grund, weshalb hier überhaupt eine Wallfahrtskirche erbaut wurde. In ihr soll der Heilige Iwan, ein frommer Eremit aus dem 9. Jahrhundert, dem dort Johannes der Täufer (daher der Kirchenname) erschienen war, seinem Einsiedlerdasein nachgegangen sein.

Zum ersten Male in den Chroniken erwähnt werden Kirche und gleichnamiger Ort 1037. Damals schenkte Herzog Břetislav I. von Böhmen den Besitz an die Benediktiner aus dem Kloster Ostrov. 1517 wurde das Ganze zu einer eigenständigen Abtei.

Ab dem 17. Jahrhundert erfolgte im Zuge der Gegenreformation der immer prachtvollere Ausbau des Klosters, das durch die Schönheit der Felslandschaft noch prachtvoller wirkte. 1657–1661 barockisierte der italienische Architekt Carlo Lurago die Kirche, die dann 1710 von Christoph Dientzenhofer noch einmal erweitert wurde. Das quadratische Klostergebäude selbst wurde 1726–1731 durch Kilian Ignaz Dientzenhofer errichtet.

Mit der kirchlichen Prachtentfaltung war es aber 1785 zu Ende, als Kaiser Joseph II. das Kloster im Zuge seiner Reformen enteignete und säkularisierte. Es wurde zwischendurch als Industrieanlage (Papierfabrik, Spinnerei) zweckentfrendet, dann zu Anfang des 20. Jahrhundert als Kuranlage. 1914 geriet es wieder in kirchlichen Besitz. Das blieb so bis 1949, als die Kommunisten zuerst ein Zwangsarbeitslager, dann ein Gefängnis und zuletzt eine Polizeischule daraus machten. 1994 kehrte das Gebäude in den Schoß der Kirche zurück. Dadurch wurde es, was es bis heute ist: Eine Wallfahrtskirche zu Ehren des Heiligen Iwan.

Die überwältigt nicht nur von außen, weil sie auf zwei Seiten von hohen und malerischen Felsen umgeben ist, sondern auch von innen. Im Hauptschiff kann man feinsten Barock bewundern, wobei neben 1695 entstandenen dem riesigen Altarbild über die Begegnung des Heiligen Iwan mit Johannes dem Täufer des Malers Johann Georg Heinsch vor allem die von Waldgetier umgebende Holzskulptur des Heiligen auf einem Podest mitten im Raum auffällt.

Aber die Hauptattraktion ist jedoch zweifellos die Höhlenlandschaft, die man betritt, nachdem man das Hauptschiff durchquert hat. Hier ist auch das (später in Barock gestaltete) Grab des Heiligen zu finden – obwohl sich Wissenschaftler nicht so recht sicher sind, ob er dort überhaupt liegt. Nach draußen fließt eine Quelle, aus der er getrunken haben soll, weshalb sich unzählige Pilger dort in Flaschen einen Vorrat für alle Fälle anlegen und mit nach Hause nehmen.

Das Dorf mit der Kirche liegt inmitten eines Naturschutzgebiets, das sich für herrliche Wanderungen eignet. Nur rund 20 Kilometer südöstlich des Prager Stadtzentrums gelegen, ist es ein überaus beliebter Ort für Wochenendausflüge. An einem sonnigen Sonntag kann es manchmal nur so von Touristen wimmeln. Aber auch das sollte einen nicht vom Besuch dieses wundervollen Ortes abhalten. (DD)

Schwimmen in der Wilden Šárka – nichts für Warmduscher

Mitten im wildromantischen Tal der Divoká Šárka liegt ein schmuckes kleines Schwimmbad aus der Zeit der Ersten Republik unterhalb einer eindrucksvollen Felsenkulisse. Schon der Weg zum Badevergnügen ist ein Naturerlebnis, muss man doch von der Straßenbahn- bzw. Bushaltestelle an McDonalds vorbei (s. Beitrag hier) mindestens 10, eher 15 Minuten durch die tiefen Schluchten der wunderschöne Naturlandschaft entlang des plätschernden Baches auf einem breit geteerten Weg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann, wandern bis man zum schlichten kleinen Freibad kommt.

An zwei Seiten begrenzt und geschützt vor zu neugierigen Blicken der Wanderer wird es durch eine Reihe von schmalen abschließbaren Kabinen, die man für den Aufenthalt oder sogar die ganze Saison mieten kann. Wer das nicht möchte, kann die Damen – oder Herrenumkleide benutzen, die, frisch lackiert und am Eingang mit Balkonblumen geschmückt, recht einladend wirkt. Ergänzt wird die Umrahmung von modernen Toilettenanlagen und zwei Imbissbüdchen mit Biergarten. Alles ist einstöckig, schlicht, funktional, sauber und liebevoll gepflegt.

Drinnen befinden sich zwei größere Becken von maximal 1,70 m Tiefe und ein kleines Schwimmbecken für Kinder. Die größeren Becken sind durch ein Mäuerchen getrennt und verschieden kalt – warm kann man hier wirklich nicht sagen, stammt das Wasser doch aus dem Bach. Immerhin warnt einen eine schön altmodische Temperaturanzeige vor dem Kälteschock.

Diese natürliche Quelle sorgt für die besondere Qualität des klaren und sauberen Wassers, das wohl nicht oder nur kaum gechlort ist. Kalte Freiduschen, ein Fußbecken, und eine Kinderrutsche runden das Bild ab. Alles ist einfach, praktisch, nicht luxuriös, aber sauber. Zum Wald hin erstrecken sich die Liegewiesen hangauf, durch die der Bach fließt. Wer sich sonst noch sportlich betätigen will, kann auf einem abgegrenzten Feld Beach-Volleyball spielen oder eine der Tischtennisplatten mieten. Kinder werden am Trampolin ihre Freude haben. Liegestühle und Sonnenschirme werden am Eingang vermietet.

Das Freibad wird heute noch von derselben Familie betrieben, die es in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauen ließ. Das erklärt vielleicht auch die vielen liebevollen Details in der Ausstattung.

Die Berounka: Wandern von Srbsko nach Karlstejn

IMG_3785

Die idyllische Berounka bietet Gelegenheiten en masse für schöne Wochenendausflüge IMG_3788in die Umgebung von Prag (siehe auch hier und hier). Von Pilsen her aus dem Westen kommend, erstreckt sich ihr Lauf über fast 139 Kilometer, von insbesondere die letzten Dutzende von Kilometern vor ihrer Einmündung in die Moldau südlich von Prag Dank der Karstlandschaft (links) von atemberaubender landschaftlicher Schönheit ist. Zuletzt hatten wir die schöne Strecke entlang des Flusses von Beroun nach Srbsko (vorbei am „Matterhorn“). Man kann die Strecke auch um kaum etwas mehr als 1 1/2 Stunden verlängern, um bis nach Karlsteijn  zu gelangen, wo seit dem 14. Jahrhundert hoch über dem Ort die berühmteste königliche Burg des Landes thront (Beitrag hier).

IMG_3784Man verlässt das (leicht mit der Regionalbahn erreichbare) schöne Örtchen Srbsko (Bild links) und wandert am rechten Ufer entlang. Dort wird der bisher breit ausgebaute Wanderweg nach einer Weile zu einem eher kleinen Trampelpfad. Anscheinend nehmen die meisten Radfahrer und Wanderern von hier ab den asphaltierten und auch von Autos frequentierten Weg auf der anderen Uferseite. Das hat den Vorteil, dass man hier nun einen sehr einsamen und stillen Weg fast ungestört entlanggehen kann – vorbei an einer von den typischen kantigen IMG_3787Felsformationen des Böhmischen Krsts unterbrochenen Auen- und Felslandschaft.

Auch die Fauna scheint die Ruhe zu genießen. Mehrfach konnten wir auf dem Flussabschnitt Reiher (Bild links) beobachten, die ungestört im Wasser standen und wohl auf Fischbeute warteten. Nicht umsonst gehört auch dieser Teil des Flusses schon seit langem zu dem großen Naturschutzgebiet des Böhmischen Karst.

Vorbei an schönen Felsen schlängelt sich der Fluss zwei langezogene Kurven hin nach Karlstejn, dessen im Mittelalter angelegte Weinberge man schon von weitem sieht. Zwischendurch sieht man Rest von alten Brücken und IMG_3783durch das Tal schlängelt sich die Eisenbahnlinie, die nach (oder von) Prag führt. Der Fluß ist in der Regel seicht, der Weg eben und für unsere Lady Edith boten sich immer wieder Gelegenheiten, ein kleines Bad zu nehmen. Ein sehr erfrischender Spaziergang!

Am Ende kommt man in Karlstejn an, wo man entweder die Chance nutzt, die Burg und das kleine Dorf darunter zu besichtigen (oder dort einzukehren) oder vom kleinen Bahnhof aus wieder nach Prag zurückzukehren. (DD)

Von Groß-Amerika nach Mexiko

IMG_4810

Gleich hinter der Burg Karlstejn liegt Amerika. Und von dort sind es nur wenige Schritte nach Mexiko. Glauben Sie nicht? Dann sollten sie tausenden von tschechischen Ausflüglern und Wanderern an einem schönen Wochenende zu Mexikoeinem beliebten Ausflugsziel folgen. Gemeint sind die inzwischen aufgelassenen Kalksteinbrüche Velká Amerika (Groß-Amerika), Malá Amerika (Klein-Amerika) und Mexiko im Böhmischen Karst, die tiefe Einblicke und wundervolle Fotomotive bieten.  Der größte Steinbruch ist knapp 800m lang, 150 m breit und um die 70 m tief. Dabei geht es steil nach unten. Eine Brücke überquert malerisch einen  klaren, smaragdfarbenen Grundwassersee am Fuße der schroffen Abhänge. Diese malerische Kulisse immer wieder gerne als Drehort für viele Western und andere Filme genutzt. Unter anderem die berühmte tschechische IMG_4828Westernparodie Limonádový Joe (1964) wurde hier gedreht. Aber auch Mario Adorf durfte im tschechischen Grand Canyon herumballern (Die Goldsucher von Arkansas, 1964). Und kein Geringerer als Vin Diesel drehte hier 2008 Babylon A.D..

Die Gemarkung hieß übrigens schon vor den Filmen Amerika.  Wegen der Art des Abbruchs der Steine oder nach einem Gehöft, das erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt wurde ist unklar. Beide Erklärungen finden sich auf der offiziellen Seite der touristischen Region Karlstejn.

Aber um die Steinbrüche, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 betrieben wurden, ranken sich nicht nur schauerliche Legenden , wie z.B. die von einem spukenden SS-Offizier namens Hans Hagen, sondern sie sind auch Zeugnis  trauriger jüngerer  Geschichte. In den 50er Jahren z.B. IMG_4800wurden im tiefsten Steinbruch, genannt Mexiko, politische Gefangene ausgebeutet. Ein Denkmal erinnert daran.

Die Steinbrüche sind durch unterirdische Tunnel miteinander verbunden. Die Seen und Tunnel  von Velká Amerika sind auf legalem Wege nicht zugänglich. Es gibt  allerdings die Möglichkeit andere Tunnel und Steinbrüche im Rahmen einer geführten Tour zu besichtigen, aber ausdrücklich nicht Velká Amerika, jedoch  z.B. Malá Amerika.  Überall warnen Schilder vor dem Abstieg und weisen darauf hin, dass das Baden und IMG_4821überhaupt Betreten der Anlage strengstens verboten sei. Aber um die Steinbrüche herum ist ein, auf einer Seite sogar gut gelb markierter Wanderweg mit Schautafeln  angelegt, von dem selbst Wanderer, die unter Höhenangst leiden, immer wieder wundervolle Ausblicke genießen können – sogar auf Burg Karlstejn (Bild rechts). Sie sollten allerdings nicht unter Agoraphobie leiden. An schönen Sonntagen kann es sein, dass man in den Massen von Ausflüglern schon mal den Anschluss an die eigene Gruppe verliert. Dann ist es auch schwer, auf den beiden (zu) kleinen Parkplätzen vor dem Dorf Mořina einen Platz zu kommen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kommt man von Prag  entweder mit dem nur selten fahrenden Bus nach Mořina oder mit dem Zug von Karlstejin aus gewandert. (LSD)