Felsen und Fossilien

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Ein familiengerechter Wochenendspaziergang in schöner Natur gefällig? Und das noch innerhalb Prags? Von dem schönen dörflichen Ortsteil Řeporyje durch das Dalejsky-Tal (Dalejské udoli) hinein in das bei Einheimischen sehr beliebte Prokop-Tal geht die Tour. Sie ist voll Spaß und Entspannung für Erwachsene, Kinder und Hunde.

IdyllischIMG_4754 schlängelt durch die schöne Waldlandschaft der Bach, der – wie das kleine Photo links zeigt – auch dem Hund die Erfrischung verschafft, die er sich durch das Wandern an einem heißen Sonnentag redlich erarbeitet hat.

Aber das wirklich Atemberaubende ist die Geologie der am Rande des Weges. Wilde Felsen und ehemalige Steinbrüche zeigen, wie sich hier einst im Paläozoikum aus dem Meer ein kleines Gebirge formierte – siehe kleines Bild rechts. IMG_4761

Dass man sich einem Steinbruch nähert, hört man schon am Schreien der Kinder, die unheimlichen Spaß am Sammeln von Fossilien haben, und mit kleinen Hämmerchen Steine aufschlagen.

Man braucht sich nur einige Minuten umschauen, um etwas zu finden. Das große Photo oben zeigt die eigene Ausbeute für die es keiner großen Sucherei bedurfte. Oben links: Ein geriffelter Stil einer Seelilie. Oben rechts: Teilstück eines Belemiten (Tintenfisch mit länglicher Schale). Unten links: Kleine (von mir nicht näher identifizierte) Muschel. Unten rechts: Das ist die Spezialität des Ortes, die auf den schon recht lokal klingenden Namen „Dayia bohemica“ hört, eine Brachiopodenart, die hier erstmals gefunden und wissenschaftlich beschrieben wurde. Darüber lernt man viel auf den Tafeln des Lehrpfades, der die ganze Sache abrundet. (DD)

Ne Besuch im Zoo …

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Ne Besuch im Zoo, dat esu so schön, wissen wir nicht zuletzt durch das kölsche Liedgut. Aber auch ein Besuch im Prager Zoo überzeugt einen davon. Der wurde 2015 zum schönsten und besten Zoo Europas gekürt.

Es ist ein relativ neuer Zoo. Erst 1931 wurde er gegründet. Entsprechend modern war er von vornherein ausgestattet. Nach dem Ende des Kommunismus setzte in den 90er Jahren und zu Beginn des Jahrtausends eine neuerliche Modernisierungswelle ein. Dazu gehörten unter anderem das Pavillon „Indonesischer Dschungel“ (2004) oder der Kinderzoo (2005) oder das Raubkatzenhaus (2012) und vieles, vieles andere.

Dabei knüpft der Zoo gleichzeit an ältere Traditionen an. In den Zoos des 19. Jahrhunderts wurden die Tiergehege oft im „kolonialen“ oder „exotischen“ Stil gebaut, wozu die manchmal offen rassistische Völkerschauen (sogenannte „Eingeborene“ aus Kolonien führten in Freigehegen ihren Lebenstil vor) passten. Als Gegenreaktion baute man in den Zoos in der zweiten Hälfte des 20. Jahrhunderts „wertfreie“, aber lieblose Betonanlagen.

IMG_4173Dass der Prager Zoo nun seit einigen Jahren wieder Gebäude eingeführt hat, die an die menschliche Kultur der Herkunftsländer vieler Tiere erinnert, ist allerdings kein Rückfall in schlimme Zeiten – und es sieht vor allem schöner aus als die Betonwüsten der vorigen Jahrzehnte.

Vielmehr dienen dienen Gebäude dazu, die Tierwelt in die kulturelle Perspektive einzubeziehen. Man lernt etwa in den indischen Tempelgebäuden (kleines Bild links) lernt viel über die Rolle des Elefanten in der Arbeitswelt, aber auch in Mythologie und Religion Indien. Das ist alles sehr ansprechend und lehrreich gemacht. IMG_4160

Diese kulturelle Sensibilität überträgt sich auch auf die Behandlung der Tiere. Nur noch wenige enge Käfige finden sich. Dafür haben einige der Freigehege so große Ausmaße, dass man die Tiere in der Ferne kaum noch erkennen kann (rechts das Straußengehege, in dem es im März allerdings tatsächlich keine Tiere zu sehen gibt).

Dabei wird die reale Natur des Geländes geschickt einbezogen. Davon profitieren vor allem auch die Bergbewohner unter den Tieren, wie Bergziegen und Gemsen. Die riesigen Felsen IMG_4190über der Moldau sind ein geeigneterer Lebensraum als die kleinen Kunstfelsen, die man sonst in Zoos sieht (siehe großes Bild oben).

Zudem ist der Zoo nicht nur Zoo, sondern auch echtes Naturschutzgebiet für frei lebende Tiere. Auf dem Gebiet des Zoos am Moldauufer gibt es freilebende  (nicht giftige!) Populationen seltener Schlangen.

Zudem gibt es eine tolle Auswahl von Restaurants, eine Seilbahn, Touristenzüge und vieles mehr, das den Besuch noch unterhaltsamer macht. IMG_4203Mir hat besonders der würdevolle Schuhschnabel gefallen (links).

Unsere Lady Edith (Hunde sind glücklicherweise erlaubt!) hingegen hatte es der freche kleine Humboldt-Pinguin angetan, der mit ihr heftig durch die Glasscheibe des Beckens kommunizierte. Beide schienen sich heftig zu amüsieren. Und das Publikum quittierte das minutenlange aufgeregte Spiel mit Lachen. (DD)

Hinterlassenschaftsbewältigung

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Dass Prag eine Hundestadt ist, wurde an diesem Orte schon mehrfach festgestellt (etwa hier). Das ist zwar schön, aber auch schöne Dinge können ja unerwünschte Nebenwirkungen haben. Wie steht es denn mit den „Hinterlassenschaften“ der lieben Vierbeiner? Bei der schieren Menge an Hunden in Prag könnte das schnell zu einem geradezu anrüchigen Problem werden. Dass man auch in Prag ab und an beim Gehen darauf achten sollte, wohin man tritt, ist klar. Aber tatsächlich ist das Problem keineswegs so schlimm wie man annehmen könnte oder wie man es selbst von Städten kennt, die eine geringere Canidenpopulation haben.

img_3002Das liegt daran, dass die öffentliche Verwaltung ihre Prager (und deren Hundeliebe) kennt und vorsorgt. Fast an jeder Ecke und vor allem in den Grünanlagen finden sich kleine Ständer, in denen in Massen ein probates Hilfsmittel kostenlos verfügbar ist.

Das große Bild oben zeigt es: Es handelt sich um kleine (angemessen reißfeste) Papiertüten, in denen ein kleines Pappschäufelchen steckt. Oft befindet sich der kleine Behälter dafür gleich bei einem der in hinreichender Zahl vorhandenen Papierkörbe, in die man nach vollendeter Tat alles verschwinden lassen kann (Bild rechts).

Das ganze funktioniert so: Ist man reaktionsschnell genug, zieht man das Schäufelchen schnell aus der Tüte und schiebt es dem Hund, der ja sein Geschäft meist durch die Krümmung seines Rückens zeitgerecht ankündigt, unter die entsprechende Körperöffnung – und zwar bevor irgendetwas den Boden erreicht (kleines Bild unten links).

img_2999Das volle Schäufelchen wird in das Tütchen gesteckt, das Tütchen zugefaltet und in den nächsten Papierkorb entsorgt. Das ist sozusagen der Königsweg der Entsorgung.

Reagiert man nicht schnell genug oder muss man – weil man vergessen hat, sich eines einzustecken – sich noch ein Tütchen holen, lässt sich das Schäufelchen auch dank seiner praktisch vorgestanzten Faltung sowohl als Greifhilfe als auch als Schaufel zum Aufheben verwenden. Man kann es nicht anders sagen: Das ist technisch durchdacht!

Die Bereitstellung dieser Tütchen kosten den Stadtteilverwaltungen sicherlich einiges Geld. Dafür muss man für die Strassenreinigung weniger aufbringen. Und ein wenig finanziert sich das Ganze auch durch die Werbung, die bisweilen außen auf die Tüten gedruckt wird. Und für die öffentliche Moral ist es sowieso besser, wenn man sich ein wenig selbst betätigen muss anstatt die Sache komplett der Straßenreinigung zu überlassen. (DD)

Hundestadt und „Sittenverfall“

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Nirgendwo gibt es auf die Bevölkerung umgerechnet so viele Hunde wie in Tschechien. Das Land liebt die treuen Vierbeiner wie kaum ein anderes. Auch Prag ist deshalb eine wahre Hundestadt. Nirgendwo sonst wurden Hunde so liebevoll durch Literaten gewürdigt – Karel Čapeks amüsantes Buch über seinen jungen Foxterrier Dašenka oder Jaroslav Hašeks berühmter „Soldat Švejk“, der ja von Haus aus nicht Soldat, sondern Hundehändler ist, seien stellvertretend hier genannt.

Hat man selbst einen Hund und geht mit ihm durch die Stadt „Gassi“ merkt man es gleich. In allen Parks und Grünanlagen gibt es Hundeauslaufgebiete, wo Hunde ohne Leinenzwang miteinander toben können. Laufen sie dann mal in eine Kindergruppe hinein oder über ein Picknick hinweg, hört man höchsten amüsiertes Lachen – und nicht das etwa in Berlin übliche „Tun Sie Ihren Hund da weg“ oder „Ich rufe gleich die Polizei!“ Ob ihrer Freiheit sind die Hunde auch meist so entspannt, dass nie etwas passiert. Hunde werden auf der Straße von wildfremden Menschen geknuddelt. Manchmal gibt es sogar einfach ein Leckerli.

Soviel Hundeliebe hat auch ihre Nebenwirkungen. Bei den Hunden kann die damit verbundene Erwartungshaltung zu einem gewissen Sittenverfall führen. Unbekannte Menschen werden mit treuem oder leicht aufsässigem Blick schnell einmal angebettelt. Schließlich klappt das ja oft mit dem Leckerli. Das ist schon ein wenig peinlich für den Hundebesitzer.

Hier sieht man zum Beispiel Miniature Bullterrier „Ace“ (hinten), der gerade von seinem Frauchen ein Leckerli bekommt. Lady Edith (vorne) hat sich gleich einfach mal dazugesetzt und sich Hoffnungen gemacht. Ziemlich frech, wie wir fanden … (DD)

Kekse an der Hungermauer

Angesichts solcher Törtchen muss in Prag nun wirklich keiner mehr Hunger leiden. Und die sind nur Massenware aus einem Supermarkt. Sie vermitteln einen Eindruck davon, was einen in in einer echten, guten Konditorei hier erwartet.

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Leckere Konditoreiwaren aus dem Supermarkt

Früher war das aber ganz anders, da gab es keinen  Hypermarket Albert in jedem Einkaufszentrum, sondern man musste zu besonderen Maßnahmen greifen. Deshalb habe Kaiser Karl IV. (1316-1378) die sogenannte Hungermauer bauen lassen, so will es der Volksmund. Als eine Art  Arbeitsbeschaffungs-maßnahme…

Heute erstreckt sich ein beachtlich langes Stück dieser Verteidigungs-anlage  aus dem 14. Jahrhundert weit sichtbar von Újezd bis zum Kloster Strahov über den Gipfel des Petřin-Berges hinweg. Die Mauer trennt sehr dekorativ den Kinský Park vom Laurenziberg und seinen schönen Gartenanlagen.

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An der Hungermauer

Von dort hat man atemberaubende Blicke über  Prag, Vyšehrad, Neustadt, Kleinseite und Hradčany (Hradschin). Von hier wirkt auch das riesige monumen- tale Reiterstandbild Jan Žižkas auf dem Veitsberg wie ein winziges Schleichpferd.

Den schönsten Ausblick auf den Hradschin genießt man aber  von der Terrasse des Ausflugslokals Nebozízek, wo Lady Edith von einem freundlichen Kellner großzügig mit leckeren Keksen gefüttert wurde. So beugt man auch heute noch hier an der Hungermauer dem Hunger vor. (LSD)