Wanderwege I Vom kubistischen Friedhof über einen steinzeitlichen Steinbruch zum Barockschloss Troja

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Eingang des Friedhofs Dablice

Der Wanderweg startet an der Endhaltestelle der Straßenbahnhaltestelle Sídliště Ďáblice (im Moment Linie 10, aber die Bezeichnungen ändern sich immer wieder) direkt vor dem  kubistischen Friedhof Ďáblice (s. hier).  Dann geht es, der grünen Markierung folgend, durch den Ďáblický háj über den Ládvi,  einen Wald auf Felsen, die den Ursprung aus Meeressedimenten deutlich erkennen lassen,  aus dessem aufgelassenen Steinbrüchen z.B. der Menhir von Dolní Chabry  (s.hier) stammt.  Von hier kann man den ca. 1 km entfernten Ort auch sehen. Wenn man will, kann man noch einen Abstecher zum Gipfel zu einer kleinen Sternwarte machen.

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Steinbruch

Nach einer kurzen „Durststrecke“ durch ein Gewerbegebiet geht es zum Čimický háj, wo eine mehrere Jahrhunderte alte Eiche zu bestaunen ist. Der etwas längere Straßenabschnitt  dahinter, entlang einer Plattensiedlung, lohnt sich, wird man doch mit der Möglichkeit belohnt, durch die Velka Skalka  zu wandern.

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300 Jahre alte Eiche

Die unter Naturschutz stehenden Felsen bieten einen wunderschönen Ausblick auf Prag.  Man sieht wirklich alles: Das „zweithässlichste Gebäude der Welt“, die Bürotürme von Pankrac, den Hradschin   und Vieles mehr. Über einen schönen Aussichtspunkt überhalb Trojas, von dem aus man das ganze Moldaupanorama mit atemberaubenden Aussichten auf die barocke Gartenanlage   des Schlosses Troja (s. hier)  und die Weinberge des Botanischen Gartens bewundern kann, steigt man über Treppen und  durch ruhige Straßen der Villengegend zu den Schlossmauern herab. Dort kann man den Bus  nehmen oder weiter zum Zoo, Botanischen Garten oder  über die Moldau zum Baumgarten wandern. (LSD)

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Schloss Troja mit Botanischem Garten und Weinbergen

Das Wandern ist der Tschechen Lust

Die Tschechen wandern gerne. Das fällt spätestens dem deutschen Wanderurlauber  im Bayerischen Wald auf. Auf der deutschen Seite stille Einsamkeit, aber spätestens auf der

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Wegmarkierung

anderen Seite der Grenze in Tschechien wird man von Heerscharen fröhlicher Wanderer mit Kinderwagen regelrecht überrannt. Diese Wanderlust wird anscheinend dadurch gefördert, dass es auch in einer Millionenstadt wie Prag unzählige Naturschönheiten, Sehenswürdigkeiten und Naturschutzgebiete gibt, die bestens mit hervorragend markierten Wanderwegen erschlossen werden, die vorbildlich an das Netz des öffentlichen Nahverkehrs angebunden sind.

Sehr beliebt sind auch Lehrpfade, in denen man alles über Flora, Fauna, Geologie und Historie des entsprechenden Ortes auf liebevoll gestalteten Schautafeln  erfährt. Aber auch technische Denkmäler werden ausgiebig gewürdigt.

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Schautafel zu den archäologischen Befunden zur Belagerung der Wenzelsburg durch die Hussiten

Einige dieser Wege, die in der Regel die angenehme Länge eines Nachmittagsspazierganges zwischen 6 bis 10 km nicht überschreiten, sich aber beliebig zu Ganztagestouren kombinieren lassen, wollen wir hier in loser Folge vorstellen.

Uns erstaunt immer wieder, wie man am Rande eine Plattenbausiedlung  Bus, Metro oder Straßenbahn verlässt und sich schon nach wenigen Schritten in einem ruhigen Wald, einem idyllischen Bachtal oder zwischen wild romantischen Felsen wieder findet. Steigt man dann nach oben, kann man über weite Felder wunderbare Aussichten auf Prag genießen.

Die Wege sind stets hervorragend farbig markiert, immer wieder finden sich Wegweiser zur nächsten Haltestelle. Eigentlich kann man sich gar nicht verlaufen, aber es ist dennoch hilfreich, sich die touristische oder ggf. auch historische Karte von Mapy.cz. mit allen Wanderwegen und Sehenswürdigkeiten auszudrucken, bzw. auf dem Handy mitzunehmen. (LSD)

Felsen und Fossilien

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Ein familiengerechter Wochenendspaziergang in schöner Natur gefällig? Und das noch innerhalb Prags? Von dem schönen dörflichen Ortsteil Řeporyje durch das Dalejsky-Tal (Dalejské udoli) hinein in das bei Einheimischen sehr beliebte Prokop-Tal geht die Tour. Sie ist voll Spaß und Entspannung für Erwachsene, Kinder und Hunde.

IdyllischIMG_4754 schlängelt durch die schöne Waldlandschaft der Bach, der – wie das kleine Photo links zeigt – auch dem Hund die Erfrischung verschafft, die er sich durch das Wandern an einem heißen Sonnentag redlich erarbeitet hat.

Aber das wirklich Atemberaubende ist die Geologie der am Rande des Weges. Wilde Felsen und ehemalige Steinbrüche zeigen, wie sich hier einst im Paläozoikum aus dem Meer ein kleines Gebirge formierte – siehe kleines Bild rechts. IMG_4761

Dass man sich einem Steinbruch nähert, hört man schon am Schreien der Kinder, die unheimlichen Spaß am Sammeln von Fossilien haben, und mit kleinen Hämmerchen Steine aufschlagen.

Man braucht sich nur einige Minuten umschauen, um etwas zu finden. Das große Photo oben zeigt die eigene Ausbeute für die es keiner großen Sucherei bedurfte. Oben links: Ein geriffelter Stil einer Seelilie. Oben rechts: Teilstück eines Belemiten (Tintenfisch mit länglicher Schale). Unten links: Kleine (von mir nicht näher identifizierte) Muschel. Unten rechts: Das ist die Spezialität des Ortes, die auf den schon recht lokal klingenden Namen „Dayia bohemica“ hört, eine Brachiopodenart, die hier erstmals gefunden und wissenschaftlich beschrieben wurde. Darüber lernt man viel auf den Tafeln des Lehrpfades, der die ganze Sache abrundet. (DD)