Die Spende des Ritters

Er war ein Mäzen, wie es sie im wirtschaftlich aufstrebenden Prag des späten 19. Jahrhunderts häufig gab, und die viel zu dem schönen Stadtbild beitrugen, das wir heute so bewundern: Eduard Ritter von Daubek. Er spendete 1894 der Stadt Smíchov (erst seit 1922 Teil Prags) die schöne Parkanlage des Felsengarten (Sady Na Skalce).

Sein Geschlecht, das erst 1879 in den Ritterstand erhoben wurde, besaß seit 1813 den benachbarten Park Santoška samt eines dazu passenden Landhauses als privates Anwesen. 1890 ließ er das heutige Areal des Felsengartens von dem damals international bekannten Landschaftsgärtner František Thomayer zu einer 2,2 Hektar großen Parkanlage umgestalten. Im Mittelalter und in der frühen Neuzeit hatte sich hier einer der vielen Weinberge der Stadt befunden; später betrieb man hier einen Steinbruch für den Quarzitabbau. Die pittoreske Felsszenerie, die dabei entstand, band Thomayer geschickt in die Gestaltung des Gartens ein, was am Ende dann dem Park seinen Namen gab. Als der Felsengarten 1894 fertiggestellt war, schenkte ihn Ritter von Daubek der Öffentlichkeit, die ihn seither gerne für die Zwecke der Naherholung nutzt.

Steil hinauf führt der Weg durch den schmalen, aber rund 300 Meter langen Park von der Straße Ostrovského unten zur Bieblova oben. Umgeben ist der Park von schönen bürgerlichen Wohnhäusern des 19. Jahrhunderts. Auf dem höchsten Punkt ließ Ritter Daubek einen zierlichen gusseisernen Pavillon aufbauen. Von hier aus kann man einen grandiosen Ausblick über Prag genießen.

Der Pavillon thront direkt über den steilen Felsenabhängen des ehemaligen Steinbruchs, vor dem sich wiederum ein Teich mit Inseln befindet. In der Felswand befindet sich auch der Eingang zu einer Grotte, die aber leider nicht für die Öffentlichkeit betretbar ist. Gerüchte besagen, dass sich unter dem Park hier auch noch einige alte Bunker befinden, aber das scheint eben doch nur ein Gerücht zu sein. Kein Gerücht, sondern Realität ist, dass tief unter dem Park und den Felsen der 2004 erbaute Mrázovka Tunnel hindurchführt, der die Last des Verkehrs von Smíchovs Innenstadt fernhält. Aber davon sieht man naturgemäß im Park nichts.

Neben dem Teich steht übrigens ein Obelisk, der dem guten Ritter von Daubek gewidmet ist (großes Bild oben), und dessen kleine Gedenktafel darauf erinnert, dass er der Stadt diesen Park gestiftet hat. Weiter unten, auf halber Höhe, steht ein anderes Denkmal, nämlich das Denkmal für die jungen Freiheitskämpfer (Pomník mladým bojovníkům za svobodu), das 1967 von der Bildhauerin Taťána Konstantinová angefertigt wurde. Er sollte den „anti-faschistischen“ Geist der Jugend wiederspiegeln, den es in kommunistischen Zeiten wachzuhalten galt. Das war damals zwar irgendwie arg systemkonform (was bei den Werken der Künsterin häufiger vorkam; siehe hier) und der Freiheitspathos hatte unter den Kommunisten gewiss etwas Verlogenes, aber auch nicht so schlimm, dass man das Denkmal nach 1989 abtragen wollte.

Um die Jahrtausendwende wurde der Park durch den Gartenarchitekten Jan Šteflíček gründlich renoviert. In dieser Zeit befand sich in der Nähe das Zentrum eines Hilfsvereins für Drogenabhängige Sananim. Dessen löbliches Anliegen führte eine zeitlang dazu, das der Park voller Drogensüchtiger war und andere Bürger ihn mieden. Inzwischen ist der Verein aber umgezogen.

Nach einer neuerlichen, von der Stadtteilregierung durchgeführten, Renovierung ist der familienfreundliche (Kinderspielplatz!) gestaltete Park ein kleines Naherholungsjuwel für die Bürger Smíchovs geworden. Das war es ja auch, was der alte Ritter gewollt hatte. (DD)

Sandstein und künstliche Höhlen

Prag liegt an einer geologischen Bruchzone. Hier beginnt im Süden der Böhmische Karst mit seinen erodierten Kalksteinfelsen, von Norden ragt noch der letzte Ausläufer jenes Sandsteingebirges hinein, das noch weiter nördlich mit der Sächsischen bzw. Böhmischen Schweiz seinen landschaftlichen Höhepunkt erreicht.

Schon alleine, weil sie direkt neben den großen Wohnbezirken Vysočany und Prosek (beide Prag 9) liegen, die sich beide auf einem steilen Abhang über dem Prager Tal befinden, sind die Sandsteinfelsen von Prosek (Prosecké skály) ein beliebter lokaler Ausflugsort. Aber der eigentliche Grund ist, dass es sich um ein landschaftliches Juwel mit viel Fels und viel Grün handelt. Und das Ganze ist gut erschlossen mit kleinen Wanderwegen und kleine Infotafeln (leider nur in Tschechisch, vermutlich, weil es abseits der normalen Touristenrouten liegt).

Die Beliebtheit bei den meist tschechischen Ausflüglern hat auch ihre Schattenseiten, denn eine Hauptattraktion musste deshalb geschlossen werden, nämlich die berühmten Höhlen von Prosek. Deren Gänge sind mehrere Hundert Meter lang. Möglicherweise gibt es sogar noch unerforschte Nebengänge, die verschüttet sind.

Nun gibt es im südlichen Karst viele natürliche Höhlen, die größte davon die Tropfsteinhöhle von Konĕprusy über die wir bereits hier berichteten. Aber im Sandstein kommen sie eher selten vor. Die Erklärung ist, dass die Höhlen hier künstlich sind. Seit dem 17. Jahrhundert wurde hier Sand abgebaut. Der erreichte Ende des 19. Jahrhunderts seinen Höhepunkt, ehe er in den 1920ern eingestellt wurde. Der Abbau aus Höhlen (im Prinzip Minen) hatte gegenüber dem Tagebau den Vorteil, dass er im kalten Winter besser betrieben werden konnte, weil drinnen die Temperatur immer gleichmäßig über dem Gefrierpunkt befindet.

Über die Höhlen gibt es viele Legenden, die aber tatsächlich auch nur Legenden sind. Die bekannteste ist die, dass es sich um einen gigantischen unterirdischen Pilgerpfad aus dem frühen Mittelalter handle, der die nahegelegene Wenzelskirche, die angeblich vom Heiligen Wenzel selbst geweiht worden sein soll, mit dem Ort Stará Boleslav verbindet, wo der heilige im Jahre 935 ermordet worden war. Dann wäre der Gang über 20 Kilometer lang. Das ist natürlich ebenso Unsinn, wie das Gerücht, in den Höhlen hätten 1968 Sowjetsoldaten heimlich die Leichen von Erschossenen nach der Niederschlagung des Prager Frühlings verscharrt.

Historische Realität ist allerdings, dass die Höhlen Jugendliche zum Feiern von Parties oder einfach nur Vandalen anlockten. Es war am Ende nicht mehr möglich, die Eingänge offen zu halten. Anfang des Jahrtausends wurde von der Regierung des Stadtteils ein Pflegeplan verabschiedet, der die Felsen und ihre Umgebung schützen sollte. Das half, denn heute sieht das Areal nicht mehr vermüllt aus. Dabei wurden die Eingänge zu den Höhlen, die tiefer hinein führen, zugemauert. Einen Eindruck von der Höhlenszenerie vermitteln nunmehr kleine Eingänge von maximal 3 Meter Tiefe.

Darüber freut sich die Fauna. Ab und zu sieht man einen zugemauerten Eingang mit einer kleinen Fensteröffnung. Das ist für die Fledermäuse, die nun die wieder gewonnene Einssamkeit und die Abwesenheit von Vandalen als paradiesisch empfinden. Es herrscht eine wilde Artenvielfalt, etwa repräsentiert durch die Kleine Hufeisennase (Rhinolophus hipposideros) oder das Große Mausohr (Myotis myotis) und viele mehr. Das ist schön!

Andererseits ist es legitim, die Höhlen auch als Touristenmagnet zu nutzen. Nur selten bekommt man so etwas schließlich so stadtnah geboten. Seit 2017 diskutiert die Stadtverwaltung eine Vorlage, ob man nicht doch wieder Abschnitte vorsichtig und im Einklang mit Naturschutzanliegen öffnen könne, dann aber nur mit geführten Touren für wirklich Interessierte. Das könnte, wenn es richtig gemacht wird, Prag als Ausflugsort eine spannende Komponente hinzufügen. (DD)

Wandern: Von Jinonice über Butovice zur Geologická

Eine aussichtsreiche Wanderung führt auf dem mit gelben Zeichen gut markierten Weg vom modernen Prag an der Metro-Station Jinonice über eine slawische Festung ins und über das romantische Prokoptal in die Geschichte und Geologie des Prager Karsts. Mit nur einer steilen Steigung mit 75 Meter Höhenunterschied und einer Länge von 5,5 km ist der aussichtsreiche Weg auch recht angenehm zu gehen.

Es beginnt an der mit vielen Neubauten umgebenen U-Bahnstation Jinonice und führt über die Radlická schnell in den Kern des alten Dorfes Butovice, wo sich ein Abstecher zur zuletzt im Spätbarock umgebauten Friedhofskirche des Heiligen Laurentius (Kostel svatého Vavřince) mit romanischen Wurzeln aus dem 11. Jahrhundert mit altem hölzernen Glockenturm und Friedhof lohnt.

An aufgelassenen Steinbrüchen entlang, an denen Schautafeln über die geologischen Formationen, Versteinerungen und Flora informieren, steigt man gemächlich auf zur Hochebene, auf der man noch ganz schwach die Wallanlage der Festung Butovice erkennen kann (siehe früherer Beitrag hier). Zu den übrigen Seiten fällt das Gelände so steil ab, dass man sich wundert, die Geräusche einer Eisenbahn zu hören, aber sie nicht zu sehen. Erst wenn man nahe heran tritt, sieht man das Prokop– bzw. Dalejskýtal mit seinen bizarren Felsformationen und Höhleneingängen. Hier wurde schon seit der Steinzeit gesiedelt.

Eine große Lehr- und Schautafel mit der Darstellung einer glutäugigen Slawin (kleines Bild rechts) informiert über die reichen archäologischen Funde in der slawischen Akropole der Burgwallanlage und ihres bis in die Kupferzeit zurückgehenden Vorgängerbaus.

Wandert man weiter, sieht man nach Osten in einiger Entfernung die supermoderne Architektur des fernen Stadtteils Pankrác, nach Süden die gerade im entstehen begriffenen Hochäuser, die sich an die Sídliště Barrandov anschließen. Und dazwischen ist eine riesige Magerrasenwiese, die sichtbar von Schafen gepflegt wird.

Hat man den Felssporn umrundet, beginnt der steile Abstieg an einer kleinen Quelle vorbei zur Bahnunterführung ins Prokoptal. Einige hundert Meter folgt man der geteerten Straße, den Bach mal linker, mal rechter Hand. Am ehemaligen Schwimmbad Klukovice, von dem man heute nichts mehr sieht und das durch einen riesigen Spiel- und Grillplatz in der beeindruckenden Felskulisse ersetzt worden ist (großes Bild oben), verlässt man den Bach und steigt langsam an einem verlassenen Gehöft vorbei, das aber wieder instand gesetzt wird, in den Vorort Klukovice herauf. An einem Restaurant, das in einem alten Gehöft untergebracht ist, biegt man rechts ab und geht es an Villen aus den 30-er Jahren vorbei. Der Weg führt in den Wald oberhalb des Prokoptales hart an der Grenze zur Wohnbebauung entlang, die man aber erst ganz zum Ende des Weges bemerkt. Die Wanderung endet an der modernen, architektonisch interessanten in Gelb gehaltenen Straßenbahnhaltestelle Geologická. (LSD)

Schwimmen in der Wilden Šárka – nichts für Warmduscher

Mitten im wildromantischen Tal der Divoká Šárka liegt ein schmuckes kleines Schwimmbad aus der Zeit der Ersten Republik unterhalb einer eindrucksvollen Felsenkulisse. Schon der Weg zum Badevergnügen ist ein Naturerlebnis, muss man doch von der Straßenbahn- bzw. Bushaltestelle an McDonalds vorbei (s. Beitrag hier) mindestens 10, eher 15 Minuten durch die tiefen Schluchten der wunderschöne Naturlandschaft entlang des plätschernden Baches auf einem breit geteerten Weg, der auch von Radfahrern genutzt werden kann, wandern bis man zum schlichten kleinen Freibad kommt.

An zwei Seiten begrenzt und geschützt vor zu neugierigen Blicken der Wanderer wird es durch eine Reihe von schmalen abschließbaren Kabinen, die man für den Aufenthalt oder sogar die ganze Saison mieten kann. Wer das nicht möchte, kann die Damen – oder Herrenumkleide benutzen, die, frisch lackiert und am Eingang mit Balkonblumen geschmückt, recht einladend wirkt. Ergänzt wird die Umrahmung von modernen Toilettenanlagen und zwei Imbissbüdchen mit Biergarten. Alles ist einstöckig, schlicht, funktional, sauber und liebevoll gepflegt.

Drinnen befinden sich zwei größere Becken von maximal 1,70 m Tiefe und ein kleines Schwimmbecken für Kinder. Die größeren Becken sind durch ein Mäuerchen getrennt und verschieden kalt – warm kann man hier wirklich nicht sagen, stammt das Wasser doch aus dem Bach. Immerhin warnt einen eine schön altmodische Temperaturanzeige vor dem Kälteschock.

Diese natürliche Quelle sorgt für die besondere Qualität des klaren und sauberen Wassers, das wohl nicht oder nur kaum gechlort ist. Kalte Freiduschen, ein Fußbecken, und eine Kinderrutsche runden das Bild ab. Alles ist einfach, praktisch, nicht luxuriös, aber sauber. Zum Wald hin erstrecken sich die Liegewiesen hangauf, durch die der Bach fließt. Wer sich sonst noch sportlich betätigen will, kann auf einem abgegrenzten Feld Beach-Volleyball spielen oder eine der Tischtennisplatten mieten. Kinder werden am Trampolin ihre Freude haben. Liegestühle und Sonnenschirme werden am Eingang vermietet.

Das Freibad wird heute noch von derselben Familie betrieben, die es in den 30er Jahren des letzten Jahrhunderts erbauen ließ. Das erklärt vielleicht auch die vielen liebevollen Details in der Ausstattung.

Von Groß-Amerika nach Mexiko

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Gleich hinter der Burg Karlstejn liegt Amerika. Und von dort sind es nur wenige Schritte nach Mexiko. Glauben Sie nicht? Dann sollten sie tausenden von tschechischen Ausflüglern und Wanderern an einem schönen Wochenende zu Mexikoeinem beliebten Ausflugsziel folgen. Gemeint sind die inzwischen aufgelassenen Kalksteinbrüche Velká Amerika (Groß-Amerika), Malá Amerika (Klein-Amerika) und Mexiko im Böhmischen Karst, die tiefe Einblicke und wundervolle Fotomotive bieten.  Der größte Steinbruch ist knapp 800m lang, 150 m breit und um die 70 m tief. Dabei geht es steil nach unten. Eine Brücke überquert malerisch einen  klaren, smaragdfarbenen Grundwassersee am Fuße der schroffen Abhänge. Diese malerische Kulisse immer wieder gerne als Drehort für viele Western und andere Filme genutzt. Unter anderem wurde die berühmte tschechische IMG_4828Westernparodie Limonádový Joe (1964) hier gedreht. Aber auch Mario Adorf durfte im tschechischen Grand Canyon herumballern (Die Goldsucher von Arkansas, 1964). Und kein Geringerer als Vin Diesel drehte hier 2008 Babylon A.D..

Die Gemarkung hieß übrigens schon vor den Filmen Amerika.  Ob das wegen der Art des Abbruchs der Steine oder nach einem Gehöft, das erstmals Mitte des 19. Jahrhunderts erwähnt wurde, geschah, ist unklar. Beide Erklärungen finden sich auf der offiziellen Seite der touristischen Region Karlstejn.

Aber um die Steinbrüche, die seit dem Ende des 19. Jahrhunderts bis ca. 1960 betrieben wurden, ranken sich nicht nur schauerliche Legenden , wie z.B. die von einem spukenden SS-Offizier namens Hans Hagen, sondern sie sind auch Zeugnis  trauriger jüngerer  Geschichte. In den 50er Jahren z.B. IMG_4800wurden im tiefsten Steinbruch, genannt Mexiko, politische Gefangene ausgebeutet. Ein Denkmal erinnert daran.

Die Steinbrüche sind durch unterirdische Tunnel miteinander verbunden. Die Seen und Tunnel  von Velká Amerika sind auf legalem Wege nicht zugänglich. Es gibt  allerdings die Möglichkeit andere Tunnel und Steinbrüche im Rahmen einer geführten Tour zu besichtigen, aber ausdrücklich nicht Velká Amerika, jedoch  z.B. Malá Amerika.  Überall warnen Schilder vor dem Abstieg und weisen darauf hin, dass das Baden und IMG_4821überhaupt Betreten der Anlage strengstens verboten sei. Aber um die Steinbrüche herum ist ein, auf einer Seite sogar gut gelb markierter Wanderweg mit Schautafeln  angelegt, von dem selbst Wanderer, die unter Höhenangst leiden, immer wieder wundervolle Ausblicke genießen können – sogar auf Burg Karlstejn (Bild rechts). Sie sollten allerdings nicht unter Agoraphobie leiden. An schönen Sonntagen kann es sein, dass man in den Massen von Ausflüglern schon mal den Anschluss an die eigene Gruppe verliert. Dann ist es auch schwer, auf den beiden (zu) kleinen Parkplätzen vor dem Dorf Mořina einen Platz zu kommen. Mit dem öffentlichen Nahverkehr kommt man von Prag  entweder mit dem nur selten fahrenden Bus nach Mořina oder mit dem Zug von Karlstejin aus hierhin. (LSD)

In den Sandstein gemeißelt

IMG_7901Keine halbe Stunde Autofahrt nördlich von Prag – also gerade richtig für einen Tagesausflug – liegt die kleine Stadt Liběchov. Der Ort zeichnet sich durch einen einstmals prachtvollen, jetzt aber heruntergekommenen Kern aus. Das gleiche gilt für das Schloss, das beim großen Hochwasser 2002 schwer beschädigt wurde. Einem früheren Schlossherren, Anton Veith, verdankt man aber eine ganz besondere Attraktion in der schönen Umgebung des Ortes, nämlich herrliche Sandsteinskulpturen. Veith war Förderer der Künste, darunter nicht zuletzt die Bildhauerei. Und so konnte man sich denn auch auf seinen Ländereien und im Wald als Bildhauer so richtig kreativ austoben.

Die Geologie des Ortes war dabei äußerst hilfreich. Während in und um Prag noch recht bröckeliges Schiefergestein die Felslandschaften prägt, beginnt bei Liběchov jenes Sandsteingebirge, das sich dann nördlich in die Sächsische Schweiz fortsetzt. Die IMG_7879Sandstein-Felsen, die manchmal fast unmotiviert im Wald liegen, eignen sich ungemein für bildhauerische Bearbeitung.

Einige der vielen Highlights, die man auf dem angenehm begehbaren blau-weiß markierten Wanderweg sehen kann, seine hier gezeigt. Da ist zunächst einmal die von Václav Levý ermeißelte Magdalenenkapelle (Kaple sv. Máří Magdalény). Levý war ein Autodidakten als Bildhauer,IMG_7877 brachte es aber später zu hohen akademschen Ehren. Er war unter anderem der Lehrer von Josef Myslbek, dem bedeutendsten tschechischen Bildhauers des Historismus und Schöpfers der Reiterstatue auf dem Wenzelsplatz.

Von 1840 bis 1845 dauerte die Arbeit des von Veith geförderten Künstlers an der Kapelle. Sie wurde nämlich aus einem einzigen Stück Sandstein herausgeschnitten und innen mit feinen Ornamenten versehen. Das beeindruckt den Betrachter schon, wenn er davorsteht.

IMG_7883Wenig entfernt sieht man die Felsrelief der „Harfenistin“ mit seltsamen Gesichtern und einigen Sitznischen und Räumen, die in den Stein gehämmert wurden. Kurz darauf kommt die ebenfalls von Levý entworfene „Schlange“, die sich mächtig, aber elegant um den Fels schlängelt.IMG_7886

Weiter östlich auf der anderen Seite des Tals finden sich die beiden beeindruckendsten Felsskulpturen. Als erstes sieht man die riesigen Teufelsköpfe (Čertovy hlavy). Sie wurden 1841 bis 1846 ebenfalls von Levý gestaltet, der damit seinen untrüglichen Sinn für die dunklen Seiten der Kunst der (Schauer-) Romantik IMG_7897bewies. Die unheimlichen und über 10 Meter hohen Köpfe (links), die ebenfalls aus einen Stück gehauen wurden, überschauen die schöne Landschaft über dem kleinen Ort Malý Hubenov, ganz nahe bei Liběchov.

Dann steigt man den Berg hinab – wieder Richtung Liběchov. Dort kommt das künstlerische Highlight der örtlichen Sandsteinromantik. Die von Levý in den späten 1840ern entworfene „Klácelka“ (benannt nach dem nationalliberalen Schriftsteller und Philosophen František Matouš Klácel) ist eine Grotte mitten im dunklen Wald, die mit allerlei mythischen Tiersymbolen ausgestattet ist. Im Mittelpunkt stehen aber zwei große Reliefs mit Ritterfiguren. Sie stellen die hussitischen Heerführer und IMG_7903Nationalhelden Jan Žižka und Andreas Prokop aus dem 15. Jahrhundert dar (großes Bild oben). Die Steinmetzarbeit ist hier wesentlich feiner und detailreicher ausgeführt als bei den umliegenden Skulpturen. Die Grotte mit ihrer düsteren Ausstrahlung und ihrem nationalen Pathos hat ihrerseits Künstler inspiriert und ist Gegenstand etlicher romantischer Gemälde.

Vieles blieb hier unerwähnt oder wurde aus Zeitmangel von uns gar nicht aufgesucht, etwa die Sphinx, die Zufluchtshöhlen aus dem Dreißigjährigen Krieg und so weiter. Aber die kann man ja besichtigen, wenn man das nächste Mal in Liběchov ist. Ist ja nicht weit weg… (DD)

Nicht weit von Prag: Die Höhle von Konĕprusy

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Keine 40 Kilometer westlich vom Stadtzentrum findet sich ein besondere Touristenattraktion, die vor allem tschechische Ausflügler anzieht: Die Tropfsteinhöhle IMG_7480von Konĕprusy. Sie liegt mitten im böhmischen Karst – eine karge, aber reizvolle Landschaft, die ihrerseits schon einen Besuch wert ist.

Über 3 Kilometer über drei Stockwerke zieht sich das Höhlensystem, das größtenteils während einer einer kundigen, wenngleich in Tschechisch gehaltenen Führung (ein hinreichend informatives Informationsblatt in Deutsch oder Englisch gibt es kostengünstig auszuleihen) für Besucher zu besichtigen ist.

Drinnen sieht man alles, was man von einer guten Tropfsteinhöhle erwartet – pittoreske Stalagtiten- und Stalagmitenformationen, ein unterirdischer See und vieles mehr. Für uns moderne Menschen wurde die Höhle erst in den 1950er Jahren IMG_7506entdeckt und sorgfältig erforscht (die einzelnen Kammern in der Höhle, sind nach den Forschern benannt). Bekannt war sie dem Menschen früherer Zeit aber schon. Neben etlichen Tierknochen (Höhlenbären etc.) hat man auch menschliche Knochen und Überreste aus der Altsteinzeit gefunden. Repliken der Knochen werden bei der Führung gezeigt. Im späten 15. Jahrhundert befand sich eine Geldfälscherwerkstatt in der Höhle. Die Fälscher stiegen von oben in ein Loch tief in die Höhle hinein. Das winzige Loch kann man am Rande des Weges außerhalb entdecken. Es ist aber sorgfältig vergittert, weil die Gefahr IMG_7568eines tiefen Absturzes droht. Die Fälscher riskierten so einiges für ihren Profit. Irgendwie haben die Archäologen auch entdeckt, dass sich unter den Fälschern eine Fälscherin befand. Bei der Nachstellung der Szenerie mit lebensgroßen Puppen am Ende der Tour ist sie – im Sinne des modernen Gleichstellungsgedankens – besonders hervorgehoben (Bild rechts). Nachdem es aus unbekannten Gründen mit der Fälscherei irgendwann zu Ende ging, geriet die Höhle wieder für etliche Jahrhudnerte in Vergessenheit.

Die Führung dauert ungefähr eine Stunde. Wenn man schon einmal da ist, sollte man wenigstens ein wenig die nähere Umgebung erwandern. Ein riesiger Kalksteinbruch liegt gegenüber und befindet sich in einem harten Wettbewerb in Sachen Imposanz mit den natürlichen Felsformationen in der Nähe. Eine keltische Burganlage und schöne Felsbrücken reichern das Ganze an, so dass man es am Ende mit einem zwar bequemen, aber doch abenteuerlichen Spaziergang zu tun hat. (DD)

Wanderwege II Von der Werkbund-Mustersiedlung Baba in das Tal der unteren Šarka

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Jede Menge Naturdenkmale und eine Ausstellungssiedlung  kann man sehen, wenn man dem rot markierten Wanderwege von der Bushaltestelle U Mateje im Stadtteil Dejvice folgt.  Bevor man  die 1932 eröffnete Werkbund-Mustersiedlung Sidliste Baba  besichtigt, mit großartigen Ausblicken auf die Moldau, die darunterliegende Kläranlage und die IMG_5095gegenüberliegende Plattenbausiedlung, die in ihrer Buntheit aber gar nicht so schlimm aussieht, sollte man noch einen kleinen Abstecher zur barocken Kirche mit gotischem Ursprung Sv. Mateje (links) machen. Hat man die Moldauseite der Siedlung passiert, kommt man zu einer rätselhaften Ruine direkt auf einem Felsen oberhalb der Moldau. Egal, ob es sich um die Ruine eines Sommerhauses oder künstliche Gartenarchitektur IMG_4258handelt, vom Letohradek na Babe (kleines Bild rechts) hat man eine herrliche Aussicht auf ganz Prag und die gegenüberliegende Keltenfestung Zamka (s.hier). Im weiten Bogen wendet man sich nun von der Moldau ab und folgt durch den Wald dem Höhenrücken, links erahnt man die untere oder ruhige Sarka , rechts blitzen gelegentlich die Häuser der Sidliste Baba durch den Wald. Nach gut einem Kilometer geht es sehr steil ins idyllische Tal der  Sarka und von dort aus sofort wieder steil hoch hinauf nach Lysolaje. Hier verlassen wir die rote Markierung und folgen der blauen Markierung ins Dorf, das mit originellen Sandsteinplastiken geschmückt ist und mit  einem liebevoll ausgeschildert Lehrpfad auf seinen Sehenswürdigkeiten und Geschichte IMG_4247aufmerksam macht. Auf jeden Fall sollte man einen Abstecher ins Housle-Tal unternehmen. Allein der Sandsteinbruch ist den kleinen Umweg wert. Selbstverständlich fanden sich auch hier Funde der Aunitzer Kultur (s. hier). Von da geht es, die Hauptstraße nach Horomerice querend, über freies Feld, das eine wundervolle Aussicht über die Umgebung, wie z.B. das Jagdschloss Stern (s. hier) bietet. Dann rechts und wieder rechts, dem Waldrand entlang an einem Reiterhof vorbei und durch den Wald  erfolgt der Abstieg ins Tal der Sarka. Unterwegs bieten sich immer wieder schöne  Aussichten auf Sv. Matej. Im idyllischen Sarka-Tal kann man entweder den Bus  bei Na Mlynku nehmen oder in einem recht steilen Aufstieg einem hübschen Sträßchen folgend die Rundwanderung bei  der Bushaltestelle U Mateje beenden.  (LSD)

Der Barrandov-Felsen: Ein Geologisches Lehrbuch

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Ein zwei Kilometer langer Wander-, Fahrrad- und Skaterweg führt auf noch relativ zentralem  Prager Stadtgebiet von Malá Chuchle nach Hlubočepy am linken Moldauufer an einem Felsabsturz mit beeindruckenden geologischen Profil entlang. All die Schichtungen und Faltungen des Sedimentgesteins   illustrieren sehr anschaulich, was in  Millionen von Jahren hier mit unserer Erde an Verschiebungen und Veränderungen vor sich gegangen ist. In diesem Falle ein Aufschluss aus dem Paläozoikum, Devon und Silur. Trilobiten wurden im Kalkgestein  auch gefunden.

IMG_4579Ihren Namen haben die Felsen, der darüber liegende Stadtteil und die dortigen Filmstudios nach Joachim Barrande erhalten. Der französische Ingenieur und Prinzenerzieher lebte nach der Absetzung der Bourbonen 1848 in Prag und entdeckte bei Arbeiten für die benachbarte Pferderennbahn und Bahnstrecke nicht nur Trilobiten, sondern bildete sich selbst zu einem angesehenen Geologen und Paläontologen weiter. Ihm zu Ehren bekam das Prager Becken oder auch mittelböhmische Kalksteinplateau den Namen Barrandium.

Und einen der schönsten Aufschlüsse kann man über zwei Kilometer lang mit Hilfe von Lehrtafen erschließen, indem man zwischen Felsen und Schnellstraße auf einer verkehrsberuhigten, gepflasterten Straße geht oder Fahrrad fährt. Der Anblick ist so faszinierend, dass man die hässlichen Werbetafeln und das Verkehrsrauschen bald vergisst. Zumal man am Ende der Felsen schnell an der Straßenbahnhaltestelle Hlubopecy ist, die von vielen Linien bedient wird.  (LSD)

Urlaubstagebuch: Vor und auf dem Riesengebirge

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Ja, wir müssen es zugeben: Viele Einträge der letzten Zeit in Ahojausprag erschienen nicht in Echtzeit. Wir waren nämlich fast den ganzen Mai auf Urlaub und hatten ordentlich vorgearbeitet, so dass der Blog auch regelmäßig mit neuen Beiträgen aus Prag bestückt wurde.

Um Tschechien auch außerhalb Prags ein wenig kennenzulernen, haben wir uns vom 4. Bis zum 26. Mai im Vorland des Riesengebirges (Krkonoše) in einer Ferienwohnung einquartiert und sind losgewandert. Hier das kleine Urlaubstagebuch:

   4. Mai: Hostinné

Ankunft nach gar nicht langer Fahrt am frühen Nachmittag: Die kleine Stadt Hostinné  (früher Arnau) ist die ideale Basisstation für Ausflüge aller Art ins Riesengebirge. Schon der Blick aus IMG_5363dem Fenster der von uns für die nächste Zeit angemieteten Ferienwohnung (links) ist entzückend für das Herz. Die Innenstadt ist geprägt von einem in der Renaissance angelegten Platz, der das sonst leicht überinflationiert verwendete Wort beeindruckend voll verdient hat. Das Häuserensemble, das den quadratischen Platz umschließt, ist noch von jedem schädlichen Modernismus verschont und tadellos in Schuss.

Der Platz wird dabei von einer schlüssig gestalteten Arkade umgeben, die dafür sorgt, dass man vor Hitze und Kälte und auch vor Regen gleichermaßen geschützt ist, wenn man die Geschäfte dort erreichen will. Das ist angesichts des unstetigen Wetters in und um das Riesengebirge ein großer Vorteil. Deshalb haben auch andere Städte der Region – etwa Trutnov – diese Idee übernommen. Aber nirgends sieht das Ergebnis so schön aus einem Guss aus wie hier.

Das Highlight ist das Rathaus mit seinem Uhrenturm, an dem zwei Riesenfiguren (einer mit schlesischem und einer mit böhmischen Wappen) Wache halten. Sollen sie den Roland darstellen? Die Stadt hatte sich ja im Mittelalter der Hanse angeschlossen. Aber IMG_5487Roland ist nur einer und nicht zwei… Oder zwei mythische Riesen à la Rübezahl? Oder die Kombination aus beidem? Die Antwort lässt sich hier nicht leicht herausfinden.

Das Häuserensemble umkreist zudem auch eine Pestsäule aus dem Jahr 1678. Vor der Pest hatte man in den Zeiten des Barocks so viel Angst, dass man mit solchen von Heiligen umgebenen Mariensäulen versuchte, sich davor zu schützen. Ob es half, sei dahingestellt. Immerhin erhöht der Anblick die Schönheit des Platzes noch einmal.

IMG_5364Und was gibt es sonst noch zu sehen? Das kann man sich erwandern. Rund um die Stadt gibt es gut ausgezeichnete Wanderwege, die einem die schöne Landschaft vor Augen führen, in die die Stadt eingebettet ist.

IMG_5373Und dann ist da natürlich die 1280 erbaute gotische Dreifaltigkeitskirche (Kostel Nejsvětějši Trojice) am Rande der Innenstadt sollte man sich ansehen. Im Laufe ihrer Geschichte wurde sie mehrfach umgestaltet (vor allem in der Barockzeit), aber 1877 wieder geschmackvoll regotisiert.

Sie ist von einer Mauer umgeben, die einen kleinen Kirchhof mit schönen Grabsteinen umschließt.

Von den weiteren Sehenwürdigkeiten, die Hostinné zu bieten hat, sei später die Rede.

   5. Mai: Auf den Žalý

Zur Einstimmung ging es mit dem Auto nach Benecko, einem Ort für Skitourismus, der zu dieser Jahreszeit daher nicht überlaufen, aber nicht minder schön ist. Von dort hat man schon eine erste Übersicht über die wunderschöne Landschaft des Riesengebirges.

Die wird natürlich besser, je höher man von Benecko aus hochsteigt. Oben über dem Ort auf 1019 Meter Höhe ist es dann am besten. IMG_5402Um das Ganze zu toppen, hat man 1892 auf dem Gipfel des Přední Žalý auch noch einen Aussichtsturm gebaut. Von dem aus hat man (wenn das Wetter mitspielt) eine fast unendlich anmutende Aussicht. IMG_5397Wenn einen das kombinierte Berg- und Turmsteigen richtig hungrig gemacht hat, kann man sich in der gleich neben dem Turm befindlichen Hütte bewirten lassen. Im Mai war sie aber noch nicht geöffnet.

IMG_5408Über den Bergkamm kann man dann auf bequem angelegten Wegen und unter Genuss weiterer schöner Aussichten eine ca. 10 Kilometer lange Route wieder im Dorf beenden.

Auf dem Wege erfreute sich Lady Edith über die kleinen winzigen verbliebenen Schneeflecken in einigen sehr schattigen Ecken. Ja, die kalte Jahreszeit ist vorüber, dachten wir. Das war eine Täuschung, wie wir … Weiterlesen