Kleines Schloss mit allem Drum und Dran

Je weiter man sich aus dem Zentrum Prags entfernt und in die ländlicheren Vororte kommt, um so mehr stößt man auf reizende kleine Landsitze und Schlösser. Schloss Dolní Počernice in dem gleichnamigen kleinen und noch sehr dörflichen Ortsteil ist ein Beispiel dafür.

Das Schlossgelände ist direkt an einem malerischen Stau- und Fischsee des kleinen Flüsschens Rokytka gelegen, das den Schlosspark angenehm mit Wasser speist. Von der Burg liest man das erste Mal in einer Chronik von 1401, wo von einer Vergrößerung die Rede ist. Die Burg selbst ist also schon älter, wohl aus dem frühen 13. Jahrhundert, was auch archäologische Forschungen neueren Datums bestätigten. Die Eigentümer – meist Kleinadlige und reiche Bürger aus Prag – wechselten häufig.

Dann, im Jahre 1562 gelangte die Burg in den Besitz des gerade gegen die Türken siegreichen Königs Ferdinand I., der sie aber umgehend glan einen Bürger namens Matěj Hůlek verkaufte, der zugleich auch geadelt wurde und nun Matěj Hůlek z Počernic hieß. Der baute erst einmal kräftig um. Der ganze östliche und mittlere Teil des Gebäudes wurde im Stil der Renaissance erneuert. Und so sieht der größte Teil des Gebäudes, dass sich nun von einer befestigten Burg in ein gut bewohnbares Schloss verwandelt hatte, heute noch vom Außenbild her aus.

Wieder gab es Besitzerwechsel. Die Angehörigen des Landadels wehrten sich meist gegen den Absolutismus und die religiöse Intoleranz der Habsburger im 17. Jahrhundert, was 1618 zum berühmten Böhmischen Ständeaufstand und dem Dreissigjährigen Krieg führte. Nach der Niederlage der Böhmen wurde das Eigentum der Verlierer enteignete, wodurch in den Reihen der Sieger bald enorm reiche Kriegsprofiteure befanden. Einer von ihnen, Jan Kapr z Kaprštejna (ein Richter, der sich selbst mit seinen Urteilen bereicherte) übernahm 1621 das und andere Schlösser der Umgebung. Da er neben der Neigung zur Raubjustiz auch noch seine Frau misshandelte, wurde er 1625 von ihr und ihrem Liebhaber umgebracht, worüber wir hier berichteten.

Es folgten nochmals Besitzerwechsel, bis 1664 die Familie der Grafen von Colloredo-Wallsee Schloss und Grund erwarben. Sie bauten den westlichen Teil ganz schick im Stil des Barock um, womit es im Grunde die heutige Gestalt bekam (siehe großes Bild oben). In der Zeit wurde auch der Garten verschönert (Gewächshäuser). Allerdings zog die Familie Colloredo-Wallsee 1769 wieder aus. Die nächsten bedeutenden Besitzer – nach einigen erneuten Wechseln – war dann 1856 die ungarische Familie der Freiherren Dercsényi de Dercsény, die bis 1923 blieben, als die Stadt das Gebäude übernahm. Die modernisierten in den Jahen 1856 bis 1866 das Gebäude unter der Leitung des Architekten Jan Bělský. Insbesondere fügten sie die große klassizistische Orangerie (kleines Bild oberhalb rechts), die heute (nach baulichen Modernisierungen) einen Kindergarten beherbergt.

Die Kirche Mariä Himmelfahrt (kostel Nanebevzetí Panny Marie) von Dolní Počernice ist heute die katholische Gemeindekirche, aber eigentlich ist sie sichtbar ein Teil der Burganlage. Sie war um das Jahr 1200, als sie im romanischen Stil erbaut wurde, wohl die Privatkirche des Schlossherren. Sie wurde mehrfach umgebaut, erst im gotischen Stil, dann nach 1562 mit Renaissancefenstern versehen. Forschungen haben ergeben, dass der Kirchturm im Mittelalter ein Teil der Verteidigungsanlage der Burg war. Im 18. Jahrhundert gab es eine vorsichtige Barockisierung, von der die Statue des Heiligen Laurentius vor dem Turm noch Zeugnis gibt.

Um 1890 vergrößerte man sie noch ein wenig durch den Bau eines Oratoriums und baute sie in einem dem Original frei nachempfunden neo-romanischen Stil um. Bei Renovierungsarbeiten fand man 2004 eine Sensation, nämlich originale romanische Wandgemälde aus der ersten Hälfte des 13. Jahrhunderts, also der Urspungszeit von Burg und Kirche. Sie wurden 2010 bis 2014 von dem Maler und Restaurator Miroslav Koželuh wieder instandgesetzt. Die alten Bilder der Romanik passen irgendwie gut zu der Neoromanik, die das Gebäude seit 1890 optisch bestimmt.

Und wenn man schon einmal das schöne Schlossareal inspiziert, sollte man sich auch das am Fischteich gelegene Gebäude der ehemaligen Mühle anschauen, das 1862 unter der Familie Dercsényi de Dercsény erbaut wurde. Es ist ganz im Stile der englischen Neogotik gehalten. Die Mühle wurde stets verpachtet. 1953 wurde die letzte Pächterfamilie, Görner, von den Kommunisten vertrieben, die das Ganze in eine landwirtschaftlichen Staatsbetrieb verwandelten. Der Kommunismus ist gottlob passé. Heute befindet sich hier ein italienisches Restaurant. Das ist nicht der einzige kulininarische Erlebnisort hier. Aber über die Brauerei berichten wir später. (DD)

Geballtes Wissen und schöne Bücher

Sie ist die große Sensation innerhalb des bereits sensationellen Klosters Strahov: Die Bibliothek! Man träumt davon, hier einmal abends aus Versehen eingeschlossen zu werden, um nach Herzenlust in alten Büchern und Handschriften zu schmökern. Aber das darf man leider nicht…

Nun gehören Bücher und Klöster irgendwie zusammen, sind doch Klöster als Orte des kontemplativen Lebens und theologischer Gelehrsamkeit gedacht. Folglich verfügten die Mönche schon im Jahr 1143, als die Prämonstratenser das Kloster Strahov gründeten, über eine kleine Bibliothek mit Handschriften. Aber erst unter Abt Jan Lohelius, der zwischen 1586 und 1622 das Kloster leitete, wurde ein eigenes Bibliotheksgebäude im Stil der Renaisance erbaut. Allerdings nicht am heutigen Standort, sondern dort, wo heute die Küche und das Refektorium für die Mönche betrieben wird.

Der als bedeutender philosophischer und theologischer Schriftsteller bekannte bekannte Abt Hieronymus Hirnhaim errichtete dann in den jahren 1670 bis 1674 eine größere Bibliothek dort, wo sich der heutige Theologische Saal der Bibliothek befindet. Dieses Gebäude, das unter der architektonischen Leitung von Giovanni Domenico Orsi de Orsini erbaut wurde, wurde dann von dem böhmischen Freskomaler Franz Siard von Nossek in den Jahren von 1723 bis 1727 mit schönen, in Stuck eingefassten Decken-Fresken ausgeschmückt. Die Bibliothek wuchs unter dessen, so dass hier am Ende nur der theologische Teil der Gesamtsammlung (plus einiger alter Globen und Enzyklopädien) im darob so benannten Theologischen Saal (großes Bild oben) ausgestellt wurde.

Das Wachstum der Bibliothek, das zur Notwendigkeit der Errichtung eines zusätzlichen und größeren Büchersaals führte, hatte eine für die katholische Kirche eher unerfreuliche Ursache. Durch die Kirchenreformen von Kaiser Joseph II. kam es zu vielen Klosterauflösungen und Säkularisierungen. Das betraf auch das mährische Kloster Prämonstratenserkloster in Louka bei Znojmo, das 1782 aufgelöst und danach zuerst in eine Tabakfabrik, dann in eine Militärakademie verwandelt wurde. Der damalige Abt von Strahov, Wenzel Josef Mayer, beschloss, wenigstens die Bibliothek zu retten. Er ließ die Bücher und die dazu gehörenden prachtvollen Möbel (Regale etc.), die ein Werk des Holzschnitzers und Schreiners Johann Lahofer waren, ins Kloster Strahov bringen. Um beides unterzubringen, ließ er von 1783 bis 1785 den großen zweistöckigen Philosophischen Saal (kleines Bild oberhalb links) für die nicht-theologischen Bücher errichten.

Der neue Saal gehört zu dem Schönsten, was die Biblithekenbaukunst der Zeit hervorgebracht hat. Der Architekt Ignaz Palliardi verwandelte dazu den ehemaligen Getreidespeicher des Klosters, der sich sehr nahe des Theologischen Saals befand, in einen großen Lesesaal, der ganze 32 Meter lang, 10 Meter breit und 14 Meter hoch ist. Um die obersten Bücherregale zu erreichen, muss man eine Galerie emporsteigen. Palliardi passte das Gebäude somit an die vorgegebenen Maße der aus Nußbaumholz geschnitzten Möbel Lahofers an. Alles erstrahlte nun in feinsten Barockstil.

Über allem stehen die riesigen Deckenfresken des Malers Franz Anton Maulbertsch – eine Allegorie „Der Weg der Menschheit zur Weisheit“. Es war dem Deckenfresko nachempfunden, das der Künstler zuvor für das Kloster Louka angefertigt hatte. Das Gemälde passte zum Fortschrittsglauben der Aufklärung im 18. Jahrhundert. Abt Mayer verstand sich wohl persönlich mit dem Kaiser gut, weshalb der Transfer der Bibliothek von Louka nach Strahov problemlos verlief (normalerweise wurden bei so etwas die Bücher versteigert und in alle Welt verstreut). Beide – Kaiser und Abt – waren sehr aufgeklärte Menschen. Deshalb repräsentierte der neue Philosophische Saal den damals neuesten Stand der Wissenschaft.

Das bezog sich nicht nur auf die Bücher. Es gab auch eine wissenschaftliche Objektsammlung, die die Bücher durch Anschuungsmaterial ergänzte. Einiges kann der Besucher davon heute noch sehen und bestaunen. In Vorraum des Philosophischen Saals gibt es Vitrinen – oder, um den zeitgenössischen Ausdruck zu verwenden: Kabinette – mit exotischen Muscheln und getrockneten pazifischen Fischen, die dem damaligen Betrachter wie Weltwunder vorgekommen müssen sein. Auch hier war man auf demStand der damaligen Wissenschaft.

Aber das Kernthema sind dann doch die Bücher. In dem Verbindungsgang zwischen Philosophischem und Theologischem Saal stehen heute Vitrinen, in denen der Besucher einige der wertvollsten Präziosen genauer anschauen kann, die die Bibliothek über die Jahre gesammelt hat. Das älteste Buch ist das Strahov Evangeliar aus dem Jahre 860, das aus dem karolingischen Frankreich seinen Weg hierher fand. Ein besonders schönes Buch ist das hier abgebildete Alte Testament aus dem Jahr 1416 – eines der ältesten Exemplar in tschechischer Sprache überhaupt.

Man würde so etwas gerne mal in den Händen halten, was sich natürlich aus Gründen der Sicherheit und Konservierung verbietet…. Über 200.000 Bücher (wie das rechts abgebildete Buch aus dem Jahr 1489 mit einer Grafik der Heiligen Katharina), 3000 handschriftliche Manuskripte und 1500 wertvolle Erstausgaben von gedruckten Bücher verzeichnet die Bibliothek in ihrer sichtbaren Sammlung in den Lesesälen und im Depot – ein Ort geballten Wissens und schöner Bücher. (DD)

Kloster, von Rheinländern gegründet

Es gehört sicher in die oberen Ränge der Hitparade der größten Touristenattraktionen in Prag: Das Kloster Strahov (Strahovský klášter), das nahe der Burg über der Kleinseite thront.

Im Jahre 1143 erbaut, haben wir es mit dem ersten Kloster der Prämonstratenser zu tun, die sich von hier aus den in Böhmen ausbreiteten. Die ersten Mönche waren aus der Eifel, genauer: aus Kloster Steinfeld, importiert und der erste Abt, ein gewisser Gero, kam aus Köln. Das freut den Rheinländer, wenn er es vernimmt. Unterstützt wurde die Errichtung vom böhmischen Herzog Vladislav II. , was wohl erklärt, warum die Klosteranlage direkt an die Burg grenzt, in der er damals residierte und regierte – anscheinend nahe der Wachhäuser der Burg. Es heißt nämlich, dass sich der Name Strahov von dem alten tschechischen Wort „strahovati“ ableitet, was soviel wie „Wache halten“ bedeutet.

Die Mönche bauten ihre Wirtschafts-. und Wohngebäude und natürlich eine Kirche, und zwar im damals modernen romanischen Stil. Bei der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzeti Panny Marie), die dann im Jahr 1148 geweiht wurde, handelte es sich um ein dreischiffiges Gebäude. Im Jahr 1258 verursachte ein Feuer größere Schäden, worauf König Otakar II. einen zügigen Wiederaufbau veranlasste, der dann allerdings im Stil der Frühgotik erfolgte. Ein Querschiff und zwei Seitenkapellen wurden hinzugefügt.

Von da an spielte das Kloster alle wesentlichen Stilepochen durch und wurde dabei immer größer. Abt Jan Lohelius, der zwischen 1586 und 1622 das Kloster leitete, modernisierte insbesondere die Fassade der Kirche im Stil der Renaissance und fügte noch die großartige Bibliothek hinzu, die am Ende das Kloster so berühmt machen sollte, dass wir hierzu einen gesonderten Beitrag präsentieren. Während und nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde das Kloster ein gelehrtes Zentrum der Gegenreformation.

Dem entsprach auch, dass Ende des 17. Jahrhunderts eine großzügige Umgestaltung im Stil des Barocks erfolgte. Insbesondere der Architekt und Maler Jean-Baptiste Mathey (siehe auch den früheren Beitrag hier) zeichnete sich für die Umgestaltung des gesamten Areals verantwortlich. Dabei ragt vor allem der um einen quadratischen Hof gebaute Wirtschafts- und Wohnbereich mit seinem schönen Toreingang heraus. Die Klosterkirche wurde dabei in den Jahren 1742 bis 1758 nach den Entwürfen des Architekten Anselmo Lurago (über den wir u.a. hier und hier berichteten) barockisiert.

Überbordenden Barock sieht man auch im Innenraum. Alleine die Decke ist atemberaubend. Der Bildhauer Ignaz Palliardi unterteilte die Decke in 40 mit Stuckkartuschen umrahmte Felder, die dann von den Malern Ignaz Raab und Josef Kramolín mit himmlischen Szenen aus dem Leben der Muttergottes Maria ausgefüllt wurden. Das Ganze unterstreicht den auf Höhe abzielenden Effekt des gotischen Vorbaus, desen Grundstruktur ja erhalten blieb.

Der Hauptaltar ist das Werk des böhmischen Bildhauers Ignaz Franz Platzer und ist verziert mit einem Altarbild des Malers  Johann Christoph Lischka. Bemerkenswert ist auch die barocke Kanel, die fast wie der Mittelpunkt des Raums erscheint. Leider ist die Kirche außerhalb der Gottesdienste fast immer geschlossen. Viele der skulpturalen Ausschmückungen kann man also normalerweise nicht besichtigen, sondern nur vom Vorraum den Blick durch ein Gitter genießen. Ebenso auch die Grabmäler und die Reliquien, darunter die des Heiligen Norbert, des Ordensgründers der Prämonstratenser, die hier sein 1626 ruhen.

Verlässt man die Kirche, gibt es auf dem Areal viel zu sehen. Schon am Eingang kann man das große barocke Tor mit der von dem Bildhauer Johann Anton Quittainer geschaffenen Statue des Heiligen Norbert oben auf (Bild links) bewundern. Direkt dahinter sieht man die ehemlaige (heute desekretierte und zur Galerie umgebaute) Kirche des Heiligen Rochus, über die wir noch berichten. Wer dann schon Rast und Erfrischung benötigt, kann in die Klášterní pivovar Strahov (Klosterbrauerei Strahov), die wir schon hier behandelten. Dann gibt es noch Bibliothek, Gemäldegalerie und Souvenirladen. Wo einst Mönche aus dem fernen Rheinland sich erstmals, ist heute eine Sehenswürdigkeit entstanden, für die man sich Zeit nehmen sollte. (DD)

Christliche Bescheidenheit

Direkt neben dem Palais Černín und der barocken Pracht des Prager Loreto nimmt sich diese Kirche ausgesprochen unauffällig und bescheiden aus. Das war auch urspünglich so gewollt. Die am Rande der Burgstadt (Hradčany) in der Černínská 98/3 befindliche Kirche der Maria der Engelsgleichen (Kostel Panny Marie Andělské) steht schon in ihrer Gestaltung für die Tugenden christlicher Bescheidenheit und Armut.

Einfacher Turm und gerade schlichte Wände zeichnen die

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Kirche aus, die in den Jahren 1600 bis 1602 erbaut waren Auftraggeber war der Orden der Kapuziner, der erst drei Jahre zuvor, 1599, vom Prager Erzbischof Zbyněk Berka z Dubé a Lipé ins Land gerufen worden war. Und die Kapuziner waren ein Bettelorden, dessen Mönche in Buße und Armut oft von Almosen lebten. Bettelorden waren in der Kirche oft umstritten und es soll kein Zufall gewesen sein, dass sie sich etwas außerhalb der weltlichen Metropole ansiedelten – noch bevor ringsum Palais erbaut wurden. 1663 wurde der Bau ein wenig durch die Umfassung eines zweiten Hofes erweitert, was aber den bescheidnene Grundcharakter nicht veränderte.

Eher überraschend wurde das Kloster während der Josephinischen Kirchenreformen um 1784 nicht säkularisiert, obwohl gerade Bettelorden in den Augen Josephs II. als unproduktiv galten. In Böhmen und Mähren fielen immerhin 29 Klöster den Reformen zum Opfer. Hier in Prag wurde nur die Zahl der Mönche von 70 auf 38 reduziert. Schlimmeres widerfuhr den Mönchen erst 1944 als die SS das Kloster beschlagnahmte und dort ein kleines Gefängnis für als widerständig eingestufte Deutsche und Deserteure einrichtete. Die Mönche bekamen ihr Eigentum 1946 zwar wieder zurück, aber nur um 1950 wieder enteignet zu werden, diesmal von den Kommunisten. Erst als die gottlob ebenfalls von der Bühne abtraten, wurde das kleine Kloster den Kapuzinern, die auch das Prager Loreto verwalten, wieder zurückerstattet.

Immer noch etwas abgeschlossen von der Welt wirkt die Kirche. Immerhin kann man tagsüber meist durch ein Gitter in den Innenraum schauen, der durchaus eine gewisse barocke Pracht entwickelt, die aber nicht aus der Gründungszeit um 1600 stammt. Vor allem der Hauptaltar mit dem Gemälde des italienischen Malers Paolo Piazza aus dem Jahr 1735 ist sehenswert. Es zeigt Heiligen Franziskus (dessen Idealen sich die Kapuziner verpflichtet fühlen), dem Jesus, Maria und einige Engel erscheinen. Berühmt ist die Kirche auch für ihre Krippe aus dem 18. Jahrhundert, die man in der Adventszeit bwundert kann. Darübert wird noch gesondert berichtet.

Ein Stück Gartenbaugeschichte

Er ist einer der schönsten Barockgärten Prag, der Černín Garten (Černínská zahrada). Seine Geschichte ist eng verwoben mit der des Palais Czernin (Černínský palác, wir berichteten darüber), dem heutigen Außenministerium, zu dem er gehört.

Palais und Garten sind in gewisser Weise ein Gesamtkunstwerk, nicht zuletzt, weil die Architekten des einen auch den anderen stets mitgestalteten. Schaut man von einem der oberen Stockwerke des (normalerweise für die Öffentlichkeit geschlossenen) Palais auf den Garten hinab, erkennt man die symmetrische und formale Struktur des Barockgartens am besten, den Hermann Jakob Graf Czernin von Chudenitz im Jahre 1683 in Auftrag gab. Ausgeführt wurden die Anlage von Palais und Garten von dem Tessiner Architekten Francesco Caratti und zusätzlich kurz darauf von seinem Landsmann Domenico Rossi.

In einer weiteren Bauphase des Palais kam dann der böhmische Architekt Franz Maxmilián Kaňka zum Zuge, der in den Jahren 1718 bis 1722 den Garten mit einem gegenüber des Palais gelegenen Lustschloss optisch abschloss. Das spätbarocke Gebäude ist heute nur von außen zu besichtigen und dient ab und an als Tagungsraum für das Außenministerium. Der dadurch irgendwie erst vervollständigte Garten wurde allerdings während des Siebenjährigen Krieges 1757 von den Truppen Preußens, die Prag eingeschlossen hatten, durch Artilleriebeschuss arg verwüstet.

Als er danach wieder aufgebaut wurde, waren formale Barockgärten mit Pflanzen in Reih‘ und Glied völlig aus der Mode gekommen. Der Englsiche Landschaftsgarten, der der Natur nachempfunden sein solle, war en vogue. Eine entsprechende Umgestaltung erfuhr der Garten Anfang des 19. Jahrhunderts. Auch sie überlebte nur recht und schlecht die Zeitläufe, denn inzwischen musste die Grafenfamilie Czernin Palais und Garten aus finanziellen Gründen aufgeben und so wurde das Areal von 1851 an das Militär verkauft und somit ein Kasernengelände. Teile des Gartens wurden zerstört und durch militärische Nutzgebäude (Pferdeställe etc.) ersetzt.

Mit dem Beschluss von 1928, den Komplex zum Außenministerium der Tschechoslowakei zu machen, musste eine gründliche Neugestaltung erfolgen. Der Palais wurde, um ihn für seine neue Funktion tauglich zu machen, von dem kubistischen Architekten Pavel Janák umgebaut, der vor allem bei der Wiederherstellung des Garten noch seinen Kollegen Otto Fierlinger hinzuzog. Dabei wurde der Garten sogar noch ein Stück erweitert, was es ermöglichte, den beiden Stilepochen der Gartenbaukunst – dem Barock und dem Landschaftsgarten – gleichermaßen zu ihrem recht zu verhelfen.

Dass der Garten (wie auch der Palais) unter der Kommunistenherrschaft vernachlässigt und den Verfall ausgeliefert wurde, dürfte nicht wirklich überraschen. Und so war es auch…

Im Jahre 1989 endete die kommunistische Barbarei gottlob. Von 1994 bis 1997 wurde nun der Garten von den Architekten Zdeněk Kuna und Jaroslav Zdražil in Zusammenarbeit mit der Garteningenieurin Vítězslava Ondřejová wieder auf Vordermann gebracht. Die heutigen Besucher wissen es ihnen zu danken.

Und so sieht man wieder vor den Seitenfassade des Palais hin zum Lustschlösschen einen authentischen formalen Barockgarten, was historisch und künstlerisch stimmig ist. Dadurch endet die Hauptachse des durch Brunnen in ihrer Symmetrie optisch verstärkten Gartens genau unter der riesigen Herkules-Statue des Barockbildhauers Ignaz Franz Platzer, die sich in einem Torbogen auf dem ersten Stock in der Fassades des Palais befindet. Mit 1,72 Hektar ist der Garten eigentlich nicht riesig dimensioniert, aber dadurch wirkt er schon optisch recht kolossal!

Westlich davon – in dem später hinzugekommenen Areal – befindet sich der Teil, der an den Englischen Garten des 19. Jahrhunderts erinnert. Der beeindruckende alte Baumbestand erweckt ein wenig den Eindruck eines echten kleinen Waldes. Ein wenig wird der Garten so zu einer kleinen Lektion zur Geschichte der Gartenbaukunst. Im Sommer lässt es sich auf den Parkbänken im Englischen Garten schön im kühlen Schatten rasten und ausruhen. Obwohl dem Außenministerium gehörend, ist der gesamte Garten übrigens in den Sommermonaten (Juli-Oktober) kostenlos der Öffentlichkeit zugänglich.

Und noch ein kleines Schmuckstück hat uns das Ende des Kommunismus und der europäischen Teilung des Kalten Krieges erbracht. Am Rande des Englischen Gartens steht ein kleiner Grenzstein aus dem Jahre 1766. Der Markstein (mit einem böhmischen Löwen darauf!) markierte dereinst die böhmisch-bayerische Grenze. Nachdem der Eiserne Vorhang 1989 gefallen war, und die Menschen wieder die Grenzen frei und friedlich überqueren konnten, bekam in der neue Außenminister und frühere Dissident Jiří Dienstbier am 16. Oktober 1990 von deutscher Seite geschenkt. Seitdem steht er hier in Prag – als Symbol grenzüberschreitender Freiheit. (DD)

Toleranz für den Turm

Das Besondere an dieser Kirche ist ihr Turm. Eigentlich hätte es den da nicht geben dürfen. Dass es ihn gibt, verdankt man einer Ausnahmeregelung. Aber weshalb sollte eine Kirche wie die St. Michaelskirche in der Neustadt keinen Turm haben dürfen?

Nun, nach der Niederlage des Ständeaufstandes bei der Schlacht am Weißen Berg im Jahre 1620 und dem Sieg der katholischen Habsburger war es mit der Glaubensfreiheit in Böhmen erst einmal für lange Zeit vorbei. Allen nicht-katholischen Bekenntnissen wurden grundsätzlich öffentliche Gottesdienste und der Bau und Betrieb von Kirchen untersagt. Die Lage besserte sich erst 1781 ein wenig, als Kaiser Joseph II., ein aufgeklärter Monarch, der sich oft mit der Kirche anlegte, sein berühmtes Toleranzpatent erließ. Aber er musste vorsichtig sein, um nicht die katholische Kirche allzu sehr gegen sich aufzubringen.

Die Toleranz war daher eng begrenzt. Protestantische Gläubige durften sich zwar wieder zum Gottesdienst versammeln und Gotteshäuser einrichten, aber nur so diskret, dass kein pedantischer Katholik daran Anstoß nehmen konnte. Die Gotteshäuser mussten klein sein und durften von außen auf keinen Fall wie eine echte Kirche aussehen. Also bloß keine bunt beglasten Kirchenfenster und schon gar keine Türme! Ein evangelisches Gotteshaus musste idealtypisch wie ein normales Wohnhaus aussehen. Ein Beispiel, das man in Prag findet, haben wir schon hier vorgestellt.

Zurück zur ursprünglich natürlich katholischen St.-Michaelskirche (Kostel svatého Michala v Jirchářích) in der V jirchářích 152/14 in Prag 1. Deren Ursprünge liegen im 12. Jahrhundert. Als Pfarrkirche sollte die einschiffige romanische Kirche dienen. Mitte des 14. Jahrhunderts wurde sie um einen gotischen CHor erweiter und Ende des 14./Anfang des 15. Jahrhunderts kamen zwei Seitenschiffe hinzu. 1511 verfeinerte man den Bau noch einmal um ein spätgotisches Kreuzrippengewölbe. Der große Turm ist neueren Datums, denn er wurde erst 1717, nunmehr im Barockstil, errichtet. Auch im Innenraum gab es eine vorsichtige Barockisierung, insbesondere durch den um 1770 eingefügten Hauptaltar mit seinem Jesus Christus zeigenden Altarbild.

1787 war erst einmal Schluss für die Kirche. Im Zuge seiner Kirchenreformen ließ der aufklärerisch gesinnte Kaiser Joseph II. viele Klöster, aber auch etliche Gemeindekirchen schließen und säkularisieren – so auch St. Michael. Sie wurde kurzerhand in einen Lagerraum verwandelt. Das blieb gottlob nur ein kurzes Zwischenspiel, so dass sich der Schaden, der dadurch dem Bauwerk zugefügt wurde, in Grenzen hielt. 1790 kaufte ein evangelischer Kaufmann namens Franz Kehrn die „Lagerhalle“ und schenkte sie der neu gegründeten „Protestantischen deutschen Civil-Gemeinde“, wie die Gemeinde der deutschsprachigen evangelischen Bürger Prag damals hieß. Die deutschen Proetstanten durften bis dato seit 1784 das Bethaus, d.h. die Toleranzkirche, der tschechischsprachigen Protestanten, in der Tischlergasse (heute: Truhlářská 1113/8) in der Neustadt mit benutzen. Das konnte aber nur ein Provisorium sein. Also freute man sich über das Geschenk Kehrns sehr.

Die Kirche wurde instand gesetzt und 1791 unter ihrem Pfarrer Johann Friedrich Christoph Götschel geweiht. Nun war das Gebäude als „Lagerhalle“ theoretisch ja ideal für die Einrichtung einer vorgeschrieben bescheidenen Toleranzkirche. Aber real war sie nun einmal ein Kirchengebäude mit allem Drum und Dran – Turm und Kirchenfenster. Durch zähe Verhandlungen, die möglicherweise an den bekannten Instinkt der josephinischen Regierung appellierte, von den kirchlichen Institutionen Sparsamkeit zu verlangen, erreichte man die Ausnahmeregelung, dass weder der Turm abgerissen, noch die Fenster herausgebrochen werden mussten. Und so kam es, dass die Gemeinde der Michaelskirche zu den wenigen evangelischen Gemeinden gehörte, die eine richtige Kirche besaßen. Die kaiserlichen Behörden hatten Toleranz für den Turm walten lassen.

Der deutschsprachigen Gemeinde gehörte die Kirche auch immer noch, als durch das von Kaiser Franz Josef beschlossene Staatsgrundgesetz 1861 die letzten Relikte der Intoleranz fielen und die Glaubensgemeinschaften im Habsburgerreich vor dem Gesetz frei und gleichberechtigt wurden. Jetzt hätte es keienr Ausnahmegenehmigung bedurft, um einen Kirchturm zu besitzen.

Die Gemeinde pflegte unterdessen ihre Kirche gut. 1817 renovierte man sie und baute eine Kanzel im damals populären klassizistischen Stil ein. Eine Renovierung des Gebäudes erfolgte noch einmal 1832.

1882 wurde die Kirche noch einmal renoviert. Dem Zeitgeist entsprechend ging man zurück zu den Wurzeln. Viele barocke Bestandteile, die im 18. Jahrhundert hinzugefügt worden waren, wurden zurückgebaut und die Kirche weitgehend re-gotisiert. 1904 wurden neue Glasfenster eingesetzt. Auch sie sind im historistischen Stil gestaltet. Betont wird zudem, dass es sich um eine deutsch-lutheranische Gemeinde handelt, die hier ihre Kirche betreibt. Die Gestalt Martin Luthers thront sichtbar über dem Altar in einem Seitenfenster.

Und dann ist da noch etwas, worauf die gemeide in den Zeiten der Ersten Republik nach derm Ersten Weltkrieg recht stolz war. Albert Schweitzer, der große Theologe, Nobelpreisträger, Entwicklungshelfer (Stichwort: Urwaldkrankenhaus Lambarene) und Schriftsteller war bekanntlich auch ein bedeutender Musikwissenschaftler, Pianist und Organist. Die Gemeinde St. Michael hatte Schweitzer eingeladen und so gab er im Sommer 1923 und im Sommer 1928 je ein Konzert auf der im 19. jahrhundert hier aufgestellten Orgel. Eine Gedenktafel dazu wurde im Jahre 1993 direkt neben dem Eingang angebracht.

Mit der Vertreibung der Deutschen aus der Tschechoslowakei nach 1945 endet auch die Geschichte der deutschen lutheranischen Gemeinde hier. Die heutige Deutschsprachige Evangelische Gemeinde, die weniger aus Nachfahren der damaligen Gemeindemitglieder, denn aus Ex-Pats aus Deutschland und Österreich besteht, hat seit 1994 ihren Sitz nicht mer hier, sondern in der Kirche Sankt Martin in der Mauer (wir berichteten hier). In St. Michael gibt es nunmehr Gottesdienste für die Mitglieder der tschechischen, der slowakischen und der englischsprachigen lutheranischen Gemeinden – von denen vielleicht nicht viele finden, dass ein Turm an einer Kirche etwas Besonderes sein könnte. (DD).

Gutshaus zum Einkehren

Eingerahmt von modernen Hochhäusern und vielbefahrenen Straßen, bietet sich das Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) in der Radimova 2393/12 in Břevnov (Prag 6) als eine wahre Ruheoase an. Der idyllische kleine Bach Brusnice wird vor dem Gebäude zu einem Teich mit üppig bebaumter Insel aufgestaut. Am Hang daneben liegt ein kleiner Park. Das ist schon schön.

Dazu lädt im und vor dem Gutshaus heute ein Restaurant mit Sommergarten zum Verweilen ein. Es gibt gepflegte Küche und ebensolche Getränke. Auch in diesem übrigens sehr hundefreundlichen Areal kann man es sich richtig gut gehen lassen. Touristen sieht man in diesem versteckten Ort fast nie, sondern nur Einheimische.

Der kleine Park mit dem Gutshaus ist das, was von den dortigen Ländereien übrig ist, die um 1628 Maria Eusebia von Sternberg hier erwarb. Um das nun entstehende Landhaus im feinen barocken Stil wurde ein großer Weinberg angelegt. Das Haus behielt seinen Zweck als Weingut noch bis ins 19. Jahrhundert, wovon man leider heute nichts mehr sieht. Der Sohn und Erbe der Maria Eusebia, Bernard Borsita von Martinitz, ließ 1665 nur wenige Meter bachabwärts die Kapelle Unserer Lieben Frau Maria von Altöttingen (Kaple Panny Marie Altöttinské) bauen, über die wir bereits hier berichteten. Dann verschenkte er das ganze Anwesen an den Theatinerorden, der es bis zu den Kirchenreformen Kaiser Josephs II. im Jahre 1783, die mit der Säkularisation des Besitzes endeten.

Die Zeit unter den Theatinermönchen war aber ebenfalls eine des Aufschwungs. So wurde das Gutshaus im Jahre 1760 noch um eine Orangerie ergänzt. Das oberhalb des Gutes befindliche Gebäude ist im klassizistischen Stil gehalten. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau mit einer Rotunde im Zentrum. Die Orangerie gehört heute nicht mehr zum Parkareal, weshalb man ihn nur von außen durch einen Zaun besichtigen kann. Dafür wurde extra eine kleine Stufenempore im Park aufgebaut.

Nach der Säkularisierung wechselte das Anwesen immer wieder die Besitzer. Es kam zu Aufteilungen des landes in kleine Parzellen. Gebäude verfielen (etwa die Kapelle) oder wurden zweckentfremdet. Der Orangerie fügte die Umwandlung in ein Wohngebäude im Jahre immerhin keine tiefer gehenden Schäden zu. Das Gutshaus wurde 1878 in eine Fabrik für gewachste Leinwände transformiert, die leider drei Jahre später durch ein Feuer arg verwüstet wurde. Nacheinander wurde es in ein Ausflugslokal und ein Wohnhaus umgewandelt. Ein geplanter Abriss konnte gerade noch durch den Denkmalschutzverein Klub Za starou Prahu (Verein für das Alte Prag) verhindert werden. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurde es ein Heim von deren Jugendorganisation Pioniere. Da nutzte auch nicht mehr, dass das Gutshaus 1963 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Schaden war da.

Dieser Bericht (Achtung: Mit Bild für starke Nerven!) zeigt, wie es hier einige Jahre nach dem Ende des Kommunismus aussah. Es musste etwas getan werden. 2010 hat die Gemeinde die Ärmel hochgekrempelt und das Gutshaus gründlich renoviert. Es ist nun schon ein kleines Schmuckstück und ein willkommenes Ziel für örtliche Ausflügler.

Man kann es sich im dann im Restaurant gemütlich machen oder im Park umherschlendern, wo noch ein kleiner Kulturgenuss wartet, nämlich die Statuen der antiken Göttin Ceres (Bild links) und des Gottes Hermes. Sie wurden in den Jahren 1936/36 von dem bekannten Bildhauer Vojtěch Sucharda, dem Bruder des ungleich bekannteren Bildhauers Stanislav Sucharda (wir berichteten u.a. hier und hier), geschaffen, und kamen 1997 als Spende des Sucharda-Museums der nordböhmischen Stadt Nová Paka hierher. Alles das macht die Kajezánka zu einem sehenswerten Geheimtipp. (DD)

Barocke Schatzkammer

Unter den Baudenkmälern des Barocks in Prag ragt dieses als besonders wuchtig und prachtvoll heraus – was angesichts der der großen Konkurrenz etwas heißt. Die Rede ist vom Loreto in der Burgstadt (Hradčany) am Loretánské náměstí 100/7 (Loretoplatz).

Das Loreto und die dazu gehörige kolossale Wallfahrtskirche wurden in den Jahren 1626 bis 1631 im Auftrag und mit den Spenden der Hochadligen Benigna Katharina Gräfin von Lobkowicz von dem böhmischen Architekten aus italienischer Familie Giovanni Batista Orsi erbaut. Im Jahr der Fertigstellung wurde sie von Kardinal Ernst Adalbert von Harrach, dem damaligen Prager Erzbischof, feierlich eingeweiht. In den Zeiten des Glaubenskrieges – es tobte der Dreissigjährige Krieg zu dieser Zeit – sollte damit auch ein gegenreformatorisches Zeichen gesetzt werden.

Der Name Loreto leitet sich Die Basilika vom Heiligen Haus (Santuario Basilica Pontificia della Santa Casa di Loreto) in der italienischen Stadt Loreto. Der Legende nach soll nach einigen Umwegen hierhin das Haus der Gottesmutter Maria aus Nazareth geflogen sein, als 1291 das Heilige Land wieder von muslimischen Truppen erobert wurde. Um das nun durch ein Wunder nach Italien gelangte Haus würdig zu zelebrieren, wurde eine Wallfahrtskirche drumherum erbaut. Im 14. Jahrhundert begannen Wallfahrten zum diesem Ort, die im 16. Jahrhundert von den Jesuiten so gefördert wurden, dass an vielen Orten Nachbildungen des Heiligen Hauses entstanden, die unzählige Pilger anzogen.

Gräfin Lobkowicz hatte eine derartige Nachbildung der Loreto in der mährischen Stadt Mikulov gesehen und wollte so etwas auch in Prag sehen. Das von ihr gestiftete Gebäude wurde dem Orden der Kapuziner übergeben, der es hegte und pflegte und zu einem populären Wallfahrtsort machte. Der Ansturm (heute sind es sicher mehr Touristen als Pilger) war und ist gerechtfertigt. Der Andrang und das damit verbundene Spendenaufkommen ermöglichten die Erweiterung. In den bereits prachtvollen Kreuzgang (Bild oberhalb links), der um das Mariengebäude führte, wurden von 1710 bis 1717 durch den Architekten Christoph Dientzenhofer etliche prachtvolle Kapellen hinzugefügt.

Im Jahr 1721 baute dann Christoph Dientzenhofer zusammen mit seinem ebenso berühmten Sohn Kilian Ignaz Dientzenhofer die große Westfassade des Wallfahrtsorts auf, die heute dem Besucher von der Straße aus als erstes ins Auge sticht. Sie integrierte den früher erbauetn Glockenturm, dessen 1694 aus 30 Glocken angefertigtes Uhrwerk stündlich die Melodie Tausendmal stets wollen wir dich grüßen, dich, o reinste Mutter Jesu Christ spielt. Die reiche skulpturale Ausstattung der Fassade stammt von dem Hofbildhauer Johann Friedrich Kohl.

Die Kapelle hinter dem Haus wurde wiederum 1734 bis 37 von Johann Georg Eichbauer zu einer veritablen Wallfahrtskirche ausgebaut. Etliche bekannte Künstler der Zeit wirkten bei der Innengestaltung mit – vor allem der Bildhauer Matthias Schönherr, der unter anderem den Haputaltar und die überbordend ausgeschmückte Kanzel schuf. Das Altarbild zeigt die Anbetung des Jesuskindes in Nachempfindung eines Frührenaissancegemäldes des italienischen Malers Filippo Lippi. Die ganz dem Prunk der Gegenreformation verpflichtete Wallfahrtskirche wäre schon ohne den restlichen Loreto-Komplex einen eigenen Besuch wert.

Zurück zum eigentlichen Kern, dem Heiligen Haus. Das folgt ganz eng dem „Original“ in Loreto. Dort wurde das bescheidene Domizil der Maria, das seine Flugreise hinter sich hatte, in den Zeiten der Renaissance durch den Architekten Donato Bramante völlig um- und überbaut. man sieht keine Bescheidenheit, sondern dekorative Skulturen und architektonische Elemente im Stil der Hochrenaissance. Eine Überprüfung, ob darunter tatsächlich ein antikes Gebäude aus der Zeit Mariens steckt, ist nicht mehr so einfach möglich… Wie dem auch sei, das Prager Loreto folgt dem Renaissance-Vorbild in Italien recht detailgetreu. Überall befinden sich auf den Fassaden Darstellungen aus dem Leben der Maria (hier die Anbetung durch die Hirten) und einige Szenen aus Heiligenviten.

Und innen ist es ähnlich. Hier darf eine Nachahmung der in der Original-Loreto befindlichen Schwarzen Madonna nicht fehlen. In der Originalkapelle in Italien befand sich zunächst eine Ikone mit dem wahren Anlitz der Maria. Aber die verwitterte durch den rauch von Kerzen und Lampen immer mehr, sodass sie im späten 16. Jahrhundert durch eine Holzstatue ersetzt wurde. Und in dieser – ja eigentlich nicht-original Form – sehen wir sie als Kopie im Prager Loreto.

Zu beiden Seiten des Heiligen Hause befinden sich im Innenhof noch zwei bemerkenswerte Brunnen. Geschaffen wurden sie von dem Bildhauer Johann Michael Brüderle in den Jahren 1739 bis 1740. Nach dem Tod des Bildhauers im Jahre 1740, setzte sein Kollege Richard Prachner die Umsetzung des Entwurf fort. Einer der Brunnen zeigt – thematisch passend! – eine Darstellung Mariä Himmelfahrt. Der zweite Brunnen präsentiert die Auferstehung Christi. Die Verwendung des Sargs , dem Christus gerade entstiegen ist, als Brunnen ist eine künstlerisch geniale Idee…

Neben dem Marienhaus und der sie umgebenden architektur sind auch noch zwei Ausstellungen oder Museen bemerkenswert, die sich im ersten Stock befinden. Das eine ist die Schatzkammer. Die Wallfahrtsstätte hat in ihrer Blütezeit von reichen Pilgern, die damit Buße tun wollten, unzählige Schätze erhalten. Die Sammlung goldener und silberner Sakralgegenstände ist enorm und ihre Besichtigung nimmt schon eine gewisse Zeit in Anspruch. Aber zumindest einen muss man gesehen haben – nämlich die berühmte Prager Sonne. Dabei handelt es sich um eine 1699 angefertige große Monstranz, die aus massivem Gold (mit kleinen Silberornamenten) besteht. Ganze 6.222 Diamanten wurden darin verarbeitet – wahrhaft rekordverdächtig!

Und dann ist da noch eine Sensation, die man erst 2011 entdeckte, und die erst seit 2012 eine eigene Ausstellung eingerichtet bekam. Der Fund der alten Krypta unter der Kirche kam überraschend. Noch überraschender war, dass sie künstlerisch äußerst wertvolle Wandmalereien enthielt, die die ganze Gruft der Kapuziner umrahmten. Die 1664 entstandenen Bidler, deren Maler unbekannt blieb (möglicherweise ein Mönch), erinnern an Totentanzdarstellung und Gemälde über die Sterblichkeit der Menschen aus der Zeit des flämischen und niederländischen Barocks (etwa bei Rembrandt).

Leider wären die Bilder gefährdet, wenn man viele Besucher in die Krypta ließe. Sie bleibt für die Öffentlichkeit geschlossen. Man hat sich damit geholfen, dass nun originalgroße Kopien der düsteren Bilder auf Wandtafeln in einem Raum im ersten Stock so aufgestellt wurden, dass es der Gruft nachempfunden wirkt. Das ist gruselig und beeindruckend zugleich und somit ein besonderes Highlight des des an Highlights so reichen Loreto-Komplexes, der so viele Wunder beinhaltet, dass ein Besuch mit Sicherheit nicht ausreicht, um das ganze umfassend würdigen zu können. (DD)

Schloss mit Mordgeschichte

In den Außenbezirken Prag gibt es eine schier unendliche Zahl von kleinen Burg- und Schlossanlagen. Sie liegen fast samt und sonders außerhalb der großen Touristenströme, die meist nur den Hradčany (Burgbezirk) oberhalb der Kleinseite erreichen. Für die Einheimischen sind sie aber beliebte Ausflugsziele – allen voran Schloss Chvaly (Chvalský zámek) im heutigen Stadtteil Horní Počernice (Prag 20)

Eigentlich handelt es sich sogar um einen alten und sehr pittoresken Ortskern, dessen Zentrum die Burg bildet. Der Ort Chvaly existiert wohl schon seit dem 11. Jahrhundert. Eine Urkunde aus der Zeit des böhmischen Herzogs Soběslav I. weist es 1130 als Kirchenbesitz des Kapitels Vyšehrad aus. Die Burg gibt es aber erst seit der zweiten Hälfte des 14. Jahrhunderts, was man ersten schriftlichen Erwähnungen in Chroniken von 1428 entnehmen konnte. Die Burg gehörte nacheinander verschiedenen adligen Bürgern Prags. Vom Unglück verfolgt war Ritter Jiří Vtelenský z Vtelno, der Burg und Gut 1615 erwarb, weil er sich an dem Ständeaustand 1618 beteiligt hatte, der sich gegen die absolutistischen Bestrebungen und die Abschaffung religiöser Toleranz durch die Habsburger wendete. Nach der Niederlage des Aufstands 1620 wurde sein Besitz konfisziert.

Einige Eigentümerwechsel weiter, im Jahre 1652, fiel der Besitz in die Hände der Jesuiten, die wiederum nach einem Brand die im Kern noch recht finster mittelalterliche Burg in ein modernes Barockschloss umwandelten – so wie wir es im Großen und Ganzen heute noch sehen können. Zudem bauten sie als integralen Bestandteil des Schlosses eine Kapelle an, die der Heiligen Anna gewidmet war. Der Jesuitenorden wurde 1773 von Papst Clemens XIV. aufgelöst und so kam das Schloss in den Besitz eines gemeinnützigen Studienfonds, der hier bis 1848 residierte. In dieser Zeit (genauer: 1793/94) wurde die Kapelle umgebaut und vergrößert. Sie diente nun unter dem Namen Kirche der Heiligen Ludmilla als reine Gemeindekirche und gehört heute der Katholischen Kirchengemeinde des Ortes. 1825 wurde sie nochmals im neoromanischen Stil umgebaut, der heute ihren äußeren Eindruck prägt.

Was das Schloss anging, so gab es abermals eine Folge von Besitzerwechseln, die dem Gebäude nicht gut bekamen. In der 2. Hälfte des 19. Jahrhunderts wurde gar der südliche Flügel des Schlosses abgerissen. Die Substanz war in Gefahr. 1918 wurde deshalb das Schloss samt unmittelbarer Umgebung in Staatseigentum der neu gegründeten Tschechoslowakei überführt und vermietet. Der Verfall wurde dadurch allenfalls verlangsamt. Aber auch das endete 1951 mit dem Kommunismus. Das Ganze wurde nun in enen landwirtschaftlichen Staatsbetrieb überführt, was am Ende zur völligen Verwahrlosung und Zweckentfremdung führte. Gottlob verschwand der Kommunismus 1989 und man konnte sich endlich richtige Gedanken über eine angemessene Nutzung machen.

Seit 1993 befindet sich das Schloss nunmehr im Besitz der Stadt Prag bzw. seit einiger Zeit im Besitz des Stadtteils Horní Počernice. Nun plante man, das Schloss zu renovieren und einem Zwecks zuzführen, der seinem kulturellen und historischen Rang entsprach. Bis 2008 dauerten die Arbeiten, die zum Teil aus EU-Mittel finanziert wurden. Sie bezoegn die ganze Umgebung mit ein, denn das ummauerte Areal umfasst noch etliche barocke Wirtschaftsgebäude des Schlosses und einen um eine große Dorfplatzanlage gelegenen Ortskern mit alter Bausubstanz. Die Entwickler sahen hier das Potential für ein großes gehobenen Freizeit- und Kulturzentrum.

In einem der Wirtschaftsgebäude (kleines Bild links) befindet sich jetzt eine Kunstgalerie mit interessanten Wechsel-Ausstellungen. Auf dem Platz gibt es moderne Skulpturen, aber auch einen Kinderspielplatz. Mehrere Restaurants in historischen Gebäuden säumen den Dorfplatz. Alles ist in blitzblankem Zustand. Alles ist herrlich für Familienausflüge geeignet.

Das gilt auch für das Schloss selbst. Das enthält neben dem barocken Hochzeitssaal auch ein kleines Museum, das spielrisch und didaktisch stark auf Kinder als Publikum ausgerichtet ist, was aber keinesfalls Erwachsene abschrecken sollte. Dort kann man auch noch ein wenig zur Baugeschichte sehehn. Im ersten Augenblick denkt man im Keller, hier hätte sich damals ein Kerker befunden. Richtig düster, kalt und eng sieht es in dem finsteren Verließ aus. Stimmt aber nicht. Im Schloss gab es nie ein Gefängnis und in Wirklichkeit handelt es sich um eine Kühlkammer, wo man (der Kühlschrank war ja noch nicht erfunden) in der frühen Neuzeit im Winter gesammeltes Eis über den Sommer aufbewahren konnte.

Aber eigentlich geht es im Museum um Ortsgeschichte und um große Persönlichkkeiten, die Chvaly hervorgebracht hat. Dazu gehört unter anderem die Malerin und Graphikerin Ludmila Jiřincová. Den Tschechen noch bekannte dürfte der Trickfilmzeichner Zdeněk Smetana sein, der mit dazu beitrug, dass Tschechien in diesem Genre qualitativ so führend wurde. Dabei lernt man auch, das Smetana in den frühen 1960er Jahren Folgen der amerikanischen Kultserie Tom and Jerry in Prag gezeichnet hatte. Wer weiß heute noch, dass die amerikanischen Kapitalisten die Produktion ihren Serie aus Geldgründen outsourcten und die tschechoslowakischen Kommunisten – auch aus Geldgründen – diesen Job gerne übernahmen? Man lernt nie aus…. Im Museum von Schloss Chvaly kann man in einem kleinen Kino aber einen ur-tschechischen Trickfilm mit den von ihm geschaffenen Kobolden Křemílek und Vochomůrka (dt.: Fliegenpilz und Kasimir) bewundern.

Auch die Lokalgeschichte des Schlosses bietet Interessantes, wenn nicht gar Dramatisches, das didaktisch hübsch durch Comics-Wandtafeln präsentiert wird. Hier sieht man eine gruselige Mordgeschichte, die sich nach der oben erwähnten Enteignung des Ritter Jiří Vtelensk wegen seiner Beteiligung am Ständeaufstand 1618 abspielte. Einer der Justizräte, die die Prozesse gegen die Aufständischen leiteten, war ein gewisser Jan Daniel Kapr z Kaprštejn, der sich wie viele der Parteigänger der Habsburger hemmungslos am Besitz der Besiegten bereicherte. 1622 war er – nicht überraschend! – auf einmal zum Eigner von Schloss Chvaly geworden.

Lange konnte er die Früchte seiner Gier aber nicht genießen. Er behandelte seine Frau Anna, die ihn gegen ihren Willen heiraten musste, wohl recht schlecht. Zusammen mit ihrem eigentlichen Geliebten, dem Ritter Adam Zapský ze Zap, lauerte sie im November 1625 in einem nahegelegenen Wald dem bösen Ehemann auf, dessen Leben nun durch eine Kugel beendet wurde. Anna und Adam konnten ihr Liebesglück aber nicht lange genießen. Sie wurden schnell gefasst und zum Tode verurteilt. 1626 enthauptete der Scharfrichter Jan Mydlář , der schon 1621 die Hauptaufständischen hingerichtet hatte (wir berichteten hier), die beiden – erst sie, dann ihn. Diese schauerliche Geschichte (die eigentlich verfilmt werden könnte) wollte ich an dieser Stelle niemandem vorenthalten…

Ja, auch außerhalb des Zentrums kann Prag spannend sein. Ein Besuch von Schloss Chvaly bietet jedenfalls alles, was man sich für einen kleinen Wochenendausflug in der Umgebung Prags nur so wünschen kann, vor allem spannende Geschichten. (DD).

Rittersitz, renovierungsbedürftig

Über das nördlich und nahe Prags gelegene Dorf Chlumín und seine Barockkirche hatten wir im letzten Beitrag berichtet. Aber der Ort, der eigentlich ein Ausflugsort für die Prager sein könnte, wirkt wirtschaftlich recht abgehängt. So bleiben seine Sehenswürdigkeiten (die wirklich sehenswürdig sind) weitgehend unbeachtet. Das gilt nicht nur für die Kirche, sondern auch für das in der Nähe befindliche Schloss Chlumín (zámek Chlumín). Wie die Kirche befindet es sich ebenfalls in einem recht bemitleidenswerten Zustand.

Das wurde schon 1310 erstmals als kleine Burg im gotischen Stil erwähnt und gehörte damals einer Prager Patrizierfamilie namens Velflovic. Noch im selben Jahrhundert begann eine Reihe von Besitzerwechseln – inklusive einer kurzen Besetzung durch Hussiten um 1421. Die sehr fruchtbare Gegend ließ das Anwesen für Grundbesitzer recht attraktiv erscheinen. Große Neuerungen brachte aber erst die Übernahme durch den Ritter Jetřich Kyšperští z Vřesovic, einem Sohn von Jakub Kyšperský z Vřesovic, der als tapferer Kämpfer gegen die Türken 1526 in der Schlacht bei Mohács fiel und es spätestens dadurch zur Berühmtheit gebracht hatte. Der Ritter verwandelte die mittelalterliche Burg in ein Schloss im Stil der Renaissance. Es folgten weitere Besitzerwechsel bis es dann zwischen den Jahren 1675 und 1726 der Familie der Freiherren Údrčtí z Údrče, die das Schloss um die Wende vom 17. zum 18. Jahrhundert im Barockstil neu umgestaltete. Und diese neue Form hat es bis heute im Kern beibehalten.

Eine neue Blüte entstand als 1726 Anna Maria Franziska Großherzogin von Toskana von der Toskana das Schloß, Dorf und Umgebung kaufte. Die anderen Sehenswürdigkeit Chlumíns – Kirche, Dorfplatz, Mariensäule – umrahmten Dank ihre Bautätigkeit nun das Schloß und es sah so aus, als ob sie in Chlumín den Wettbewerb Unser Dorf soll schöner werden gewinnen wollte – nur, dass es den damals noch nicht gab. Es muss halt noch ein wenig aufpoliert und renoviert werden, aber das Ensemble, das sie hinterließ, ist eigentlich sensationell. Die Großherzogin hatte keine direkten Erben und irgendwann wechselte das Schloss wieder den Besitzer. Ihr Wappen prangt jedoch weiterhin auf der Barockfassade des Gebäudes (Bild unterhalb links).

Die neuen Eigentümer, die Grafenfamilie von Chotek wollten das Schloss nicht mehr als Schloss nutzen, sondern richteten hier eine Schule und ein Pfarramt für die Kirche nebenan ein. Ein Feuer richtete 1859 großen Schaden an, der aber zügig wieder behoben wurde. Nach 1945 wurde das Ganze verstaatlicht und es wurde hier ein staatlicher Muster-Landwirtschaftsbetrieb aufgebaut. Das hörte in den 1980er Jahren auf, als man das Schloss renovierte. Seither wurde aber wenig zu seinem Erhalt getan. Genutzt wird es heute als für die Öffentlichkeit nicht zugänglicher Aufbewahrungsort für nicht ausgestellte Sammlungsobjekte des Kunstgewerbemuseums (wir berichteten über das Museum hier) in Prag.

Das erhält irgendwie mehr schlecht als recht das eigentliche Schloss, obwohl auch hier der Putz von den Fassaden bröckelt. Das eigentliche Opfer sind die ebenfalls historisch wertvollen Wirtschaftsgebäude. Schloss Chlumín wird gerade durch diese Gebäude zu dem, was es in archetypischer Weise repräsentiert: das klassische Rittergut. Und so gleicht die unmittelbare Umgebung, die schon mit improvisierten Zäunen gesichert wird, einer wahren Ruinenlandschaft. Man könnte heulen. Hoffentlich finden sich bald die Mittel, um Chlumín und sein Schloss wieder so schön auferstehen zu lassen, wie es in den Zeiten der Großherzogin war. (DD)