Von der Kloster- zur Friedhofskirche

Oben auf dem Hügel über dem Stadtteil Zbraslav übersieht sie den Zusammenfluss von Berounka und Moldau: Die St. Gallus Kirche (kostel sv. Havla). Das war früher eine strategisch wichtige Position. Und deshalb gab es hier schon vorher möglicherweise eine keltische, auf jeden Fall aber seit dem 9. Jahrhundert eine slawische Festungsanlage mit Erdwällen, die heute kaum noch erkennbar sind.

Als sich unter Herzog Vladislav I. die Herrschaft des Geschlechts der Přemysliden. in Böhmen festigte, wich die Festung der kirchlichen Nutzung. Das Areal wurde 1115 dem von den Zisterziensern betriebenen Kloster Kladruby zugeschlagen und eine romanische Kirche darauf erbaut. Im 13. Jahrhundert wurde die Kirche erst dem Bischof von Prag unterstellt, dann dem neuen Zisterzienserkloster unten in Zbraslav, das damals noch nicht zu Prag gehörte.

Dass sie ursprünglich romanisch war, sieht man der Kirche kaum mehr an. Im 16. Jahrhundert wurde sie von einem Feuer beschädigt und teilweise im Renaissancestil repariert und erweitert. Um 1660 kam der große Umbau, der ihr im wesentlichen ihre heutige bauliche Gestalt gab – im Barockstil.

Heute ist der äußere Eindruck der Kirche zum großen Teil auch davon bestimmt, dass sie in einem weitläufigen und von Bäumen bewachsenen Friedhof hoch auf dem Berge steht. Bis 1785 war die Gallus-Kirche zugleich Kloster- und Gemeindekirche. In diesem Jahr löste Kaiser Joseph II. allerdings das Kloster auf und die Gemeinde fand darob ihr Gotteshaus unten im Ort in der St. Jakobskirche (Kostel svatého Jakuba). Und St. Gallus wurde zu einer Friedhofskirche, was sie bis zum heutigen Tage geblieben ist.

Der Friedhof ist schön gelegen und man findet sehr viele bemerkenswerte Grabsteine aus dem 19. Jahrhundert bei denen man das damalige Miteinander von deutschen und tschechischen Bewohnern noch erkennen kann.. Die älteren Gräber aus dem 18. jahrhundert wurden aufgelöst und die Gebeine in einem achteckigen Ossuarium (Beinhaus) in der Nähe der Apsis der Kirche deponiert. Man kann es sehr schön auf dem großen Photo oben erkennen.

Vom Friedhof kann man den Blick von der Höhe in die Ferne schweifen lassen. Dann erkennt man auch, warum der Ort dereinst in der Vorzeit als so strategisch wichtig angesehen wurde. Über dem gegenüber liegenden Ufer der Moldau sieht man den Berg mit der großen keltischen Festungsanlage Závist (siehe früheren Beitrag hier) erkennen, die ebenfalls half, den Zusammenfluss den Berounka und Moldau zu überwachen. Eine Wanderung in diesem südlichen Teil Prags gibt einem das Gefühl, tief in die Geschichte einzutauchen. (DD)

Die Keltenburg über dem Elbtal

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An den Abhängen der Keltenburg bilden sich die Aufwinde, die Gleitschirmflieger gerne nutzen um die schöne Aussicht zu genießen. Viel weiß man noch nicht über die Anlage – außer dass ihr Standort strategisch gut gewählt war. Die Landschaft des unteren IMG_1543Elbegebiets (einige 40 Kilometer östlich von Prag) bei Přerov nad Labem ist flach. Der Berg, auf dem sich die Wallanlage befindet, ragt fast wie ein Monolith aus der Landschaft (links). Der steile Fels bietet Verteidigungsmöglichkeiten und die weite Aussicht verhindert, dass sich der Feind unbemerkt nähern kann.

Für einen Ort dieser geringen Größe ist Přerov sowieso ein lohnendes Ziel – mit seinem Renaissanceschloss (früherer Beitrag hier), seinem Freilichtmuseum und einem Motorradmuseum. Hängt man noch einem kleinen Spaziergang über die Ortsgrenze dran, kann man seine Reise in die Vorgeschichte antreten. Schon im 19. Jahrhundert hatten Archäologen auf dem Berg einige Funde gemacht, die auf eine Besiedlung in der Früh- und Spätbronzezeit hindeuteten. Seinen großen Ausbau, so weiß man nun, erfuhr das Areal aber erst durch die hier ansiedelnden Kelten. Nach dem 1. Jahrhundert n. Chr. blieb der Ort wohl weitgehend unbesiedelt bis dann nach dem 6. Jahrhundert die slawische Besiedlung erfolgte – eines von vielen Beispielen dafür, dass die frühen IMG_1542Slawen alte Wallanlagen der Kelten wieder Instand setzten und ausbauten (siehe u.a. diesen früheren Beitrag).

Man kann die Anlage nur noch durch die Wellung des Erdreichs erkennen. Es gab offensichtlich zwei konzentrische Wälle, die man immer noch gut erkennen kann. Der äußere nutzte die (wegen ihrer kreidezeitlichen Fossile geologisch interessanten) Steil- und Felsabhänge (Bild rechts). Dies ist der höhere und wesentlich steilere Teil und er dürfte guten Schutz vor Eindringlingen geboten habe.

Weiter innen – dahinter also – wird die Hochfläche, auf der sich vermutlich eine Siedlung befand, von einem immer noch sichtbaren niedrigeren Wall umzogen. Er lässt sich zum Beispiel IMG_1541auf dem Bild links gut erkennen. Von der Ortschaft unten aus hat man, wenn man die Hochfläche erreicht hat, immerhin über 50 Meter Höhenunterschied bewältigt. Landwirtschaftliche Nutzung und ein kleiner ehemaliger Steinbruch haben die Anlage ein wenig beschädigt, so dass nicht überall Erdwellen über die Außengrenze Auskunft geben.

Immerhin führt einem das landwirtschaftlich IMG_1536bebaute und da Feld den Umfang der Anlage deutlich vor Augen. Mit rund 20 Hektar handelte es sich um eine ausgesprochen großangelegte Festungsanlage. Der Kern des Ganzen, die sogenannte Akropole (Kultzentrum) dürfte, so haben luftarchäologische Forschungen in den 90er Jahren ergeben, immerhin 7 Hektar groß gewesen sein. Ganz systematische Ausgrabungen hat es bisher leider noch nicht gegeben. Mit gutem Grund könnte man hier noch IMG_1539viele kleine Sensationen erwarten. Seit 2009 steht das ganze Gelände daher unter Denkmalschutz, damit inzwischen nichts abhanden kommt.

Aber auch ohne keltische Schatzfunde lohnt sich der Aufstieg auf dem recht bequemen Weg (vorbei an einer kleinen Infotafel). Blickt man über den Rand des Walls braucht man gar nicht ein Gleitschirmflieger zu sein, um die schöne Aussicht über die weitläufige und sanfte Elbtallandschaft bei Přerov zu genießen. (DD)

Alles über den Vyšehrad

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Der Vyšehrad – die große alte Festungsanlage im Süden der Stadt – ist der legendenumwobene Ursprungsort Prags. Aber auch jenseits aller Mythen kann der Ort auch auf eine lange zurückreichende Geschichte zurückblicken. Um sich über sie zu informieren, muss man im Areal erst einmal den unauffälligen Eingang zum sogenannten Gotischen Keller suchen. In dem Gewölbe befindet sich ein kleines, aber feines Museum. Einst Keller eines Palastgebäudes für Karl IV. aus dem 14. Jahrhundert, erfährt man heute hier Dank ausgewählter Ausstellungsstücke und gut gemachter Schautafeln (auch mit IMG_0961englischem Text!), was man erfahren will über den geschichtsträchtigen Ort.

Dessen Besiedlung haben Archäologen bis zur Spätsteinzeit zurückverfolgen können. Eine ganze Vitrine ist den Funden aus dieser Zeit gewidmet (Bild rechts) Kelten, frühe Slawen, die Romanik und die Gotik folgten. Man lernt viel über die Kirchengeschichte des Vyšehrad und der Peter-und-Paul-Kirche (siehe hier), über die Legenden und ihre nationalistische Mystifizierung der Anlage im 19. Jahrhundert. Eine wichtige Rolle spielt auch der neben der Kirche gelegene Nationalfriedhof, wobei in der Ausstellung – wie der IMG_0964romanische Sarg aus dem 11. Jahrhundert links zeigt – auch die frühe Begräbniskultur des Mittelalters berücksichtigt wird. Zugleich lernt man etwas über die archäologische Forschung auf dem Vyšehrad, der man die Fundstücke verdankt, die man in den Vitrinen des kleinen Museums bestaunen kann. Sie begann schon im 18. Jahrhundert und wurde im 20. Jahrhundert systematischer betrieben. Die letzte große Ausgrabung begann 1966. Und, last but not least: Auch die Geschichte des Ortsteils um die Festung herum wird einbezogen, sodass man auf kleinem Raum viel Information zum – wie noch bemerkt werden muss – kleinen Preis mitbekommt. (DD)

Gründungsmythen in Stuck

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Wer sich in die Sagenwelt der Tschechen vertiefen will, kann dies mit Hilfe von überall in den Souvenirläden wohlfeil angebotenen Büchern oder im Netz tun. Man kann aber auch in die Altstadt gehen und sich das Haus IMG_9495in der Havelská 31 (gegenüber dem Ständetheater) anschauen, um einen wunderschönen Blick auf die Gründungsmythen der Tschechen und Prags zu werfen. Da sich die zierlichen Stuckarbeiten auf Höhe der zweiten Etage befinden, werden sie wohl von den vorbeiströmenden Touristen meist übersehen. Das ist schade, denn sie haben auf jeden Fall Aufmerksamkeit verdient.

Das Haus wurde zwischen 1898 und 1904 von dem Architekten Josef Rydrych in feinstem Neorenaissancestil erbaut. Die beiden Reliefs und die Statue, um die es hier geht, wurden von dem Bildhauer Jindřich Říha gestaltet, dessen künstlerische Spuren man in Prag öfters findet.

IMG_0352Unter dem linken Relief befindet sich eine Inschrift mit den Worten „Die Ankunft der Tschechen im Řip“ (Přichod čechů na řip). Es geht um die Legende vom Gründer Böhmens, dem Urvater Tschech (Praotec Čech), der angeblich im 6. Jahrhundert sein bis dato rastlos umherwanderndes Volk mit der im Bild links dargestellten flammenden Rede auf dem Berg Řip (dt.: St. Georgsberg) im Norden von Prag dazu bewegte, in diesem unbewohnten, jedoch fruchtbaren Land zu siedeln. Das ist der Gründungsmythos Tschechiens (bzw. Böhmens, wie es historisch korrekt in diesem Zusammenhang eigentlich heißen müsste).

Das Relief rechts davon (großes Bild oben) ist betitelt: „Libušes Stimme zum Ruhm Prags“ IMG_0351(Libuše hlása slávu prahy). Der Legende nach hatte die Fürstentochter und Urmutter der ersten böhmischen Herrscherdynastie auf dem Vyšehrad (siehe frühere Beiträge hier und hier) eine Vision zu Prag und der großartigen Zukunft dieser wundervollen Stadt. Bei der Verkündung der Vision in klassischer Seherinnenpose sieht man sie abgebildet. Eine hammermäßige Superstadt werde Prag dereinst, weissagte sie bei der Gelegenheit – möglicherweise mit etwas anderer Wortwahl. Recht hatte sie! Das wiederum ist der Gründungsmythos Prags.

Durch die beiden Reliefs (von denen sich das Bildnis mit Libuše auch noch durch vergoldete Einfassungen auszeichnet) hat man schon seine erste Lektion in Sachen IMG_0349tschechischen Geschichtsbewusstseins gelernt. Was erwartet man mehr von einem bisschen Stuck?

Ja, und dann ist da noch die Statue, die in einer Nische auf der Ecke des Gebäudes auf gleicher Höhe steht. Eine Beschriftung gibt es dazu nicht. Die mittelalterlich anmutende Rüstung und die bauliche Verbindung zu den beiden Reliefs legen eigentlich den Verdacht nahe, dass es sich hier auch um eine Sagengestalt Böhmens handelt, etwa  Libušes Ehemann Přemysl, dem legendären Begründer der ersten böhmischen Herrscherdynastie. Darauf hatte ich zuerst getippt. Aber nein! Es handelt sich um die biblische Gestalt des  Goliat. Warum Goliat? Ganz einfach, das zuvor an diesem Ort befindliche Gebäude aus dem 17. Jahrhundert war mit einer gemalten Goliatfigur versehen gewesen. Deshalb hieß es im Volksmund auch „U Goliáše“ (Beim Goliat) – ein Name, den man aus Gründen der Traditionspflege erhalten und künstlerisch verewigen wollte. Deshalb tut Goliat jetzt eben ein wenig so, als ob er ein alter legendärer Tscheche sei. (DD)

 

Wanderungen in der Umgebung von Prag: (II) Vom gotischen Gasthof zum höchsten Fernsehturm Mitteleuropas. Von Měchenice über Trnová, Jilovíste und Kazín nach Černošice

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Schon die Busfahrt zum Ausgangsort ist eine kleine Sight-Seeing-Tour, wenn man den Smíchovské nadrazi und das Gewirr von Autobahnen und Schnellstraßen erst einmal hinter sich gelassen hat. Obwohl der kühne Schwung der Autobahnbrücken und Schleifen auch seine eigene Ästhetik hat, wenn man für so etwas schwärmt. Dafür entschädigt aber alleine schon der Anblick von Schloss und Kloster, wenn man sich Zbraslav nähert. Bis Měchenice fährt der Bus auf der Straße direkt am Ufer der Moldau entlang vorbei an malerischen Felsen und Steinbrüchen. Das hübsche Dorf Měchenice „klebt“ direkt unter den Moldauabhängen. Von Bus- und Bahnhaltestelle geht es der blauen Markierung folgend durch den Wald den Abhang hinauf zu einer Hochebene, auf IMG_8921der rechts freie Felder den Blick endlos schweifen lassen, links säumen noch einige Wochenendhäuschen den Weg. In der Ferne erblickt man schon Trnová mit einem großen Reiterhof und der  ursprünglich gotischen Kirche. Biegt man von der Obstbaumallee rechts der Markierung folgend ab, kann man vom neogotischen Schloss, das heute ein Hotel beherbergt, nur wenig erkennen, dafür einige der Außenanlagen und eine große  Pumpe. Wenig später kommt ein alter Gasthof, Kretscham, mit angeblich gotischem Kellergewölbe, aber sichtlich barockem Äußeren,  frisch renoviert, aber leider zum Zeitpunkt unserer Wanderung geschlossen.  Durch den Wald geht es dann noch mit der grünen Markierung ziemlich steil herab zu U nádraže, dort erfolgt auf dem  Grün markierten Weg der Aufstieg nach Jilovíste (das hier bereits beschrieben wurde). Nach Durchquerung des Ortes unter der Schnellstraße hindurch der gelben Markierung folgen IMG_8947und geradeaus zum Fernsehturm Cukrak (s. Wanderung I). Dann immer bergab diagonal durch den Wald bis zu den Ausläufern der Wochenendhäuschen von Kazín. Der Ort mit seinem markanten Felsen soll nach der  Tochter  Kazí des sagenhaften Urvaters und zweiten böhmischen Herrschers Krok  und damit Schwester der Dynastiegründerin Libuše  benannt worden sein. Tatsächlich fanden sich hier auch wieder archäologisch nachgewiesene Überreste neolithischer, bronzezeitlicher bis frühmittelalterlicher Besiedlungen in der Wallanlage Hummenská.  Auf dem Felsen Kazin sind nur hochmittelalterliche Spuren nachzuweisen. Eine Weile geht es zwischen Waldrand und Häuschen entlang bis zum Ufer der Berounka hinab. Dort, an einer Badewiese mit Fähranlegestelle bietet sich IMG_8961ein besonders schöner Blick auf den Fluss und den malerischen Felsen. Lady Edith schreckte hier bei dem Versuch, auch zu baden (großes Bild) eine sich sonnende Schlange auf. Der gelb markierte Weg folgt dem Ufer, vorbei an der schönen Auenlandschaft, die durch viele kleine Hütten unterbrochen wird, bis zur Fußgängerbrücke zum linken Ufer der Berounka,  zum Bahnhof nach Černošice, das eine eigenständige Stadt ist und nicht wie Kazín und Dolní Černošice Stadtteile von Prag. Dieser relativ große Bahnhof ist erstaunlich gepflegt. Kein Wunder, sahen wir doch eine Bahnangestellte, die persönlich den Schrubber vor ihrem leider schon geschlossenen Bahnschalter schwang. Zurück ging es mit der S 7 (s. Beitrag I) nach Prag.

Länge ca. 9 km. Wald-, Feldwege und auch einige kleine Straßen. Relativ viele An- und Abstiege (LSD)

Wo schon der Hl. Wenzel unterrichtet wurde – Budeč

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In Budeč bei Zakolany steht mit der Rotunda sv. Petra a Paula das älteste noch genutzte Steingebäude der Tschechischen Republik. Heute dient sie als Friedhofskirche. In der Peter und Paulskirche  soll laut der Christianslegende der Heilige Wenzel unterrichtet worden sein. Gut möglich, war Budeč doch eines der Hauptbesitztümer der IMG_8876Premyslidendynastie. Noch heute sind im Gelände deutlich die Spuren der frühmittelalterlichen Wallanlage zu erkennen. Auch der Grundriss der Marienkirchen ist durch Grundrissrekonstruktion (kleines Bild links)  kenntlich gemacht worden, so kann heute  jeder die Wiese mit Apsis besichtigen. Noch vor der Mitte des 11. Jahrhunderts wurde die Burg aufgegeben, 100 Jahre später dann auch die Siedlung, nur Friedhof und Kirche blieben „in Betrieb“.  Auf dem kleinen Friedhof findet IMG_8870man unter anderem das Grab des Philosophen, Arztes und Pädagogen Karel Slavoj Amerling der  neben normalen Schulen auch eine  für Kinder mit dem Förderbedarf bei der geistigen Entwicklung gründete – der ersten dieser Art in der österreichischen Monarchie.

Seit dem 20. Jahrhundert werden Wallfahrten zur Kirche unternommen zum Fest der Namenspatrone und des Heiligen Wenzels.

IMG_8873Stoff für Romane dürfte der Fund eines Massengrabs im Burggelände hergeben. In dem nicht eindeutig zu datierenden Grab fanden sich die Überreste von 33 bis 50 überwiegend jungen Männern, die gewaltsam zu Tode gekommen sein müssen.

Die Geschichte von Budeč ist aber noch viel älter, wie Funde aus der Bronzezeit zeigen. Schon damals muss das günstige Gelände als Befestigung genutzt worden sein. Verwaltet wird das Denkmal durch das Sládeckovo Vlastivedné Muzeum  in Kladno.

Heute besticht der geschichtsträchtige Ort vor allem durch seine landschaftlich reizvolle Lage. (LSD)

Goldrausch in der Keltensiedlung

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Rund 30 Kilometer westlich von Prag, hoch über dem wunderschönen Fluss Berounka thront auf einem großen Schieferberg eine der bedeutendsten keltischen Siedlungsanlagen Tschechiens. Das Oppidum in Stradonice gehört zu den größten ihrer Art. In idyllischer Landschaft gelegen, lädt sie heute zum Wandern ein.

IMG_8048Begonnen hatten die Kelten mit ihrem Bau um das Jahr 120 vor Christi und sie siedelten dort bis um 30 nach Christi als sie Opfer der einfallenden germanischen Markomannen wurden. Lange blieb der Ort vergessen, landwirtschaftliche Nutzung veränderte das Erscheinungbild. Erst ein zufälliger Münzfund erweckte 1845 das Interesse unter Forschern.

Spektakulärere Funde in den 1870er Jahren führten dann zu einem Goldrausch, der von Archäologen wohl noch immer als Katastrophe größten Ausmaßes gesehen wird. Illegale Raubgräber strömten 1877 in Scharen auf das Gelände. Sie siedelten sich dort regelrecht an und steckten Claims ab wie die Goldgräber in Kalifornien. Mit Gewehren in der Hand bewachten sie ihre Claims Tag und Nacht. Bis zu 300 von ihnen sollen sich zur Zeit des Höhepunkt des „Goldrausches“ auf dem Berg getummelt haben. Die Raubgräber hinterließen eine Spur der Verwüstung. Wertvolle Funde wurden in alle Welt verhökert. Immerhin gelang es zahlreichen Museen – nicht nur in Prag, sondern auch in Wien, Berlin, Dresden und sogar im fernen Mainz – durch Erwerb der „schwarzen“ Ware viele Funde wieder einigermaßen zusammenzuführen und zu katalogisieren. Aber fachgerechte Ausgrabung sieht eben anders aus, zumal die Raubgräber (die später zum Teil ihr Repertoire durch Fälschungen erweiterten) keine moralischen Skrupel kannten. So wurden archäologisch bedeutsame Gräberfelder gefleddert und die Knochen an Leimfabriken verkauft. Schließlich setzte die Obrigkeit dem Treiben ein Ende. Der Verlust für die Forschung war zu diesem Zeitpunkt aber bereits enorm.

IMG_80511903 und dann wieder 1981 setzten seriöse Ausgrabungen ein, die immer noch reichhaltig fündig wurden. Heute führt ein von schönen Ausblicken auf die Landschaft geprägter archäologischer Lehrpfad durch das Gelände. Wirklich viele Anzeichen der ursprünglichen keltischen Besiedlung sieht man nicht, was zum Teil gewollt ist, da man nicht schon wieder Grabräuber anlocken will. Trotzdem lässt sich an vielen Stellen die Wallanlage zur Befestigung (kleines Bild rechts) immer noch gut erkennen. IMG_8046Dadurch bekommt man einen Eindruck von der recht beeindruckenden Größe des Areals.

Gut sichtbar ist auch noch das östliche Eingangstor des Oppidum (links), durch das heute noch der Wanderweg führt.

Aber besonders schön in die Landschaft fügt sich auch die sogenannte Akropole, d.h. der höchstgelegene Teil der Burgfestung, der zugleich auch Heiligtum war. Auf der Akropole in Stradonice hat man in neuerer Zeit ein Kreuz aufgestellt (siehe großes Bild oben). Wollte man die Geister der alten keltischen Gottheiten damit bannen?

IMG_8055Wer übrigens mehr über die Kelten wissen will, die dort dereinst siedelten, möge die auf dem Nachbarhügel gelegene Burg von Nižbor besuchen. Das nach schrecklichster Vernachlässigung in den Zeiten des Kommunismus arg heruntergekommene Gebäude ist heute wieder gut in Schuss und beherbergt ein Informationszentrum der keltischen Kultur. Hier erfährt man viel über die keltischen Siedlungsgebiete in Tschechien und über das Alltagsleben der damaligen Bewohner Stradonices. Ab und an gibt es im Ort und auf der Burg regelrechte Keltenfeste mit lokalen Kelten-Rock-Bands und allem, was dazu gehört. Auf sein altes keltisches Erbe ist man hier stolz! (DD)

Nicht weit von Prag: Die Höhle von Konĕprusy

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Keine 40 Kilometer westlich vom Stadtzentrum findet sich ein besondere Touristenattraktion, die vor allem tschechische Ausflügler anzieht: Die Tropfsteinhöhle IMG_7480von Konĕprusy. Sie liegt mitten im böhmischen Karst – eine karge, aber reizvolle Landschaft, die ihrerseits schon einen Besuch wert ist.

Über 3 Kilometer über drei Stockwerke zieht sich das Höhlensystem, das größtenteils während einer einer kundigen, wenngleich in Tschechisch gehaltenen Führung (ein hinreichend informatives Informationsblatt in Deutsch oder Englisch gibt es kostengünstig auszuleihen) für Besucher zu besichtigen ist.

Drinnen sieht man alles, was man von einer guten Tropfsteinhöhle erwartet – pittoreske Stalagtiten- und Stalagmitenformationen, ein unterirdischer See und vieles mehr. Für uns moderne Menschen wurde die Höhle erst in den 1950er Jahren IMG_7506entdeckt und sorgfältig erforscht (die einzelnen Kammern in der Höhle, sind nach den Forschern benannt). Bekannt war sie dem Menschen früherer Zeit aber schon. Neben etlichen Tierknochen (Höhlenbären etc.) hat man auch menschliche Knochen und Überreste aus der Altsteinzeit gefunden. Repliken der Knochen werden bei der Führung gezeigt. Im späten 15. Jahrhundert befand sich eine Geldfälscherwerkstatt in der Höhle. Die Fälscher stiegen von oben in ein Loch tief in die Höhle hinein. Das winzige Loch kann man am Rande des Weges außerhalb entdecken. Es ist aber sorgfältig vergittert, weil die Gefahr IMG_7568eines tiefen Absturzes droht. Die Fälscher riskierten so einiges für ihren Profit. Irgendwie haben die Archäologen auch entdeckt, dass sich unter den Fälschern eine Fälscherin befand. Bei der Nachstellung der Szenerie mit lebensgroßen Puppen am Ende der Tour ist sie – im Sinne des modernen Gleichstellungsgedankens – besonders hervorgehoben (Bild rechts). Nachdem es aus unbekannten Gründen mit der Fälscherei irgendwann zu Ende ging, geriet die Höhle wieder für etliche Jahrhudnerte in Vergessenheit.

Die Führung dauert ungefähr eine Stunde. Wenn man schon einmal da ist, sollte man wenigstens ein wenig die nähere Umgebung erwandern. Ein riesiger Kalksteinbruch liegt gegenüber und befindet sich in einem harten Wettbewerb in Sachen Imposanz mit den natürlichen Felsformationen in der Nähe. Eine keltische Burganlage und schöne Felsbrücken reichern das Ganze an, so dass man es am Ende mit einem zwar bequemen, aber doch abenteuerlichen Spaziergang zu tun hat. (DD)

Man weiß nur, dass man nichts weiß …

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Esoteriker lieben sie. Archäologen grübeln darüber. Jedermann findet sie rätselhaft: Die Teufelssteine  (Čertův sloup) auf dem Vyšehrad – nahe der Kirche. Seltsam sehen sie schon aus, diese drei Steinsäulen. Dabei wissen wir nicht einmal, ob sie ursprünglich überhaupt in dieser ineinander verschlungenen Position aufgerichtet worden sind.

Jedenfalls stehen sie dort schon lange und es gibt es unzählige Legenden über sie. Waren sie Geschosse, die mit besonders großen Kanonen während einer der vielen Belagerungen in Prags Geschichte auf den Vyšehrad gefeuert wurden? Das kann man wohl ausschließen, denn Chroniken aus dem noch kanonenfreien Mittelalter erwähnen die Säulen bereits.

Sind es Bauteile einer früheren Bauphase der Kirche? Nicht auszuschließen (ehrlich gesagt, ich finde es sogar recht plausibel). Oder Teil der frühslawischen Burg? Als mysteriöse Einrichtung zur Zeitmessung, wie Archäologen vermuten? Möglich. Oder gar keltisch? Das mögen aus irgendeinem Grunde Anhänger des Okkulten. Aber bewiesen ist es nicht.

Schließen wir uns also hier der populärsten und schönsten Mutmaßung an. Weshalb heißen die Säulen denn überhaupt Teufelssteine? Die alte Volkssage erklärt es: Der Teufel hat sie dereinst aus Wut über eine verlorene Wette mit einem Priester der Kirche nebenan hierhin geworfen.

Wer das nicht glauben will, der muss sich halt damit abfinden: Wir wissen nur, dass wir im Grunde nichts wissen. Aber das macht den Anblick der Steine erst richtig faszinierend. (DD)

Wanderwege I Vom kubistischen Friedhof über einen steinzeitlichen Steinbruch zum Barockschloss Troja

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Eingang des Friedhofs Dablice

Der Wanderweg startet an der Endhaltestelle der Straßenbahnhaltestelle Sídliště Ďáblice (im Moment Linie 10, aber die Bezeichnungen ändern sich immer wieder) direkt vor dem  kubistischen Friedhof Ďáblice (s. hier).  Dann geht es, der grünen Markierung folgend, durch den Ďáblický háj über den Ládvi,  einen Wald auf Felsen, die den Ursprung aus Meeressedimenten deutlich erkennen lassen,  aus dessem aufgelassenen Steinbrüchen z.B. der Menhir von Dolní Chabry  (s.hier) stammt.  Von hier kann man den ca. 1 km entfernten Ort auch sehen. Wenn man will, kann man noch einen Abstecher zum Gipfel zu einer kleinen Sternwarte machen.

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Steinbruch

Nach einer kurzen „Durststrecke“ durch ein Gewerbegebiet geht es zum Čimický háj, wo eine mehrere Jahrhunderte alte Eiche zu bestaunen ist. Der etwas längere Straßenabschnitt  dahinter, entlang einer Plattensiedlung, lohnt sich, wird man doch mit der Möglichkeit belohnt, durch die Velka Skalka  zu wandern.

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300 Jahre alte Eiche

Die unter Naturschutz stehenden Felsen bieten einen wunderschönen Ausblick auf Prag.  Man sieht wirklich alles: Das „zweithässlichste Gebäude der Welt“, die Bürotürme von Pankrac, den Hradschin   und Vieles mehr. Über einen schönen Aussichtspunkt überhalb Trojas, von dem aus man das ganze Moldaupanorama mit atemberaubenden Aussichten auf die barocke Gartenanlage   des Schlosses Troja (s. hier)  und die Weinberge des Botanischen Gartens bewundern kann, steigt man über Treppen und  durch ruhige Straßen der Villengegend zu den Schlossmauern herab. Dort kann man den Bus  nehmen oder weiter zum Zoo, Botanischen Garten oder  über die Moldau zum Baumgarten wandern. (LSD)

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Schloss Troja mit Botanischem Garten und Weinbergen