Putziger Fisch

Der zweirumpfige Fisch gehört zweifellos zu den groteskeren Erscheinungen auf den Fassaden alter Häuser in Prag, die ja gewiss auch sonst nicht arm sind an witzigen Verzierungen. Der grimmig die Zähne fletschende Wasserbwohner befindet sich an der Ecke des Hauses zur Goldenen Traube (dům U Zlatého hroznu) in der Nový Svět 78/5, Ecke Kapucínská in der Burgstadt (Hradčany) etwas oberhalb des Erdgeschosses.

Das zweistöckige Haus mit seinem kräftigen rot-weißen Anstrich ist eines der auffälligsten Häuser in der sogenannten Neuen Welt (Nový Svět), die als eine besonders pittoreske Gasse mit alten Gebäuden zu den großen Touristenmagneten der Burgstadt gelten – wir berichteten hier, Es wurde im Jahr 1694 für einen reichen Bürger der Burgstadt namens Abraham Unkoffer an der Stelle eines älteren mittelalterlichen Hauses erbaut, das 1648 bei der Belagerung Prags durch die Schweden arg und irreparabel beschädigt worden war.

Unkoffer hatte erst einmal Ärger mit seinen Nachbarn den Mönchen des Klosters des Ordens der Kapuziner, zu dem u.a. weiter oben die berühmte Kirche der Maria der Engelsgleichen (Kostel Panny Marie Andělské) gehört. Die fanden, Unkoffer könnte aus den hinteren Fenstern des Hauses in ihren Klostergarten gucken und zusehen, was sie da so an frommen (oder gar unfrommen?) Dingen tun würden. Man einigte sich darauf, dass die Fenster zur Klosterseite (die der Passant von der Straße aus nicht sieht) nur aufgemalte Blindfenster sein sollten. Gemalte Fenster gibt es inzwischen nicht mehr, aber wenn man sich von oben (also der Kapucínská) nähert, sieht man, dass das Haus hinten tatsächlich keine Fenster hat (Bild rechts)

Was ist sonst nocht zu sagen? Anfang des 20. Jahrhunderts lebte der später in den USA erfolgreiche Pianist und Komponist Rudolf Friml hier. In den USA wurde er nach seiner Auswanderung unter anderem durch das Musical The Firefly (1912) berühmt. Im Haus verliebte sich seine Schwester Zdena in den großen tschechischen Sänger, Schauspieler, Schriftsteller und Regisseur Karel Hašler, über den wir schon hier berichteten. 1908 heirateten die beiden. In der Ersten Republik wurde er bald danach einer der gefragtesten Stars der tschechoslowakischen Leinwand – bis er 1942 von den Nazis als Widerständler hingerichtet wurde. Und der Fisch? Er ist eine von etlichen putzigen Stuckaturen (Maskaronen, der Stuckkranz über dem Eingang, etc.) und zwar die beliebteste. Leider ist er nicht mehr ganz echt, denn vor etlichen Jahren zwängte sich ein großer LKW durch die enge Gasse und beschädigte ihn. Was man jetzt sieht ist eine originalgetreue Kopie. (DD)

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