Zum Valentinstag

Heute ist Valentinstag. Der 14. Februar gilt seit je als der Tag der Liebenden. Ein schöneres Motiv als diesen kleinen, zugegebenermaßen der vorchristlichen Mythologie entsprungenen Amor auf dem Mittelerker des Hauses in der Slezska 1297/3 in Prag Vinohrady kam man sich für diesen Tag kaum vorstellen.

Benannt wurde der Tag nämlich nach dem Heiligen Valentin. Der gute Valentin soll im 3. Jahrhundert bei Rom unter Kaiser Claudius II. Gothicus heimlich Liebende christlich getraut haben, obwohl der Kaiser das streng verboten hatte. Dafür ließ ihn der Kaiser am 14. Februar 269 durch Enthaupten hinrichten. In vielen europäischen Gegenden entstanden seit dem späten Mittelalter Traditionen, bei denen sich Liebespaare kleine Geschenke oder Liebesbriefe übergaben. 1969 wurde der Heilige allerdings bedauerlicherweise aus dem Liturgischen Generalkalender der katholischen Kirche gestrichen, weil man seine reale historische Existenz auf einmal für unbewiesen hielt. Das war irgendwie schon kleinlich. Aber zu diesem Zeitpunkt hatte bereits das segensreiche Wirken der unsichtbaren Hand des Marktes dafür gesorgt, dass der Valentinstag auch ohne Protektion der Kirche überlebte. Insbesondere die Blumenhändler freuen sich daran, dass an diesem Tag überall die Umsätze steigen und halten das Brauchtum am Leben. Überall in der Welt. Selbst im nicht-christlichen Japan scheint man seit den 1930er Jahren den Tag mit Inbrunst zu feiern.

Aber darum geht es hier ja nicht. Das Ganze war nur ein „Aufhänger“ zum eigentlichen Thema. Nach unserer Abschweifung zurück zu dem Haus in der Slezska, das ja außer der allgemeinen Assoziation mit Liebessymbolik tatsächlich eigentlich nichts mit dem Heiligen Valentin zu tun hat. Das vierstöckige Miets- und Wohnhaus mit dem Amor wurde im Jahre 1904 erbaut. Es ist eines der ersten Häuser in 1889 der angelegten Slezska (Schlesische Straße), die allerdings damals noch (bis 1928) Chocholouškova hieß – benannt nach dem damals bekannten, heute wohl vergessenen Schriftsteller und Journalisten Prokop Chocholoušek. Und das Haus zeichnet sich durch reichhaltige Stuckverzierungen aus, wie man nicht zuletzt an der Einfassung des Türrahmens sehen kann.

Dass das Haus 1904 für seinen Besitzer, einem gewissen Jan Novotný, gebaut wurde, kann man der hübschen Kartusche entnehmen, die sich unterhalb des Daches befindet: „Zbudováno 1904“ steht da in recht schnörkeliger Schrift; also „Gebaut 1904“. Sie ist ebenso hübsch neo-barock eingefasst wie der Amor. Die Fassade ist Werk des Architekten Josef Pospíšil, den wir schon hier und hier erwähnten, und der das Stadtbild des Kerns von Vinohrady mit seinem Stil stark geprägt hat. Das Haus passte sich mit seinem neobarocken Dekor dem architektonischen Stil der Umgebung im neu und städteplanerisch recht kohärent angelegten Vinohrady (das erst 1922 Teil von Prag wurde) harmonisch an. Mit der niedlichen Amor-Figur hebt es sich allerdings schon ein wenig von den anderen dort im gleichen Stil erbauten Häusern erbauten. Man fragt sich unwillkürlich, was für eine romantische Geschichte wohl hinter diesem putzigen Stück Stuck gesteckt haben mag. (DD)

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