Lebensbaum

Der Lebensbaum war ein beliebtes Motiv bei den Künstlern des späten 19. und frühen 20. Jahrhunderts Man findet es immer wieder auch auf Häuserfassaden der Zeit (früheres Beispiel hier). Ein besonders beeindruckendes Exemplar sieht man bei diesem Wohnhaus in der Sokolovská 416/124 im Stadtteil Karlín (Prag 8).

Das vierstöckige Haus wurde im Jahr 1903, als Karlín sich zu einem städtischen Zentrum entwickelte, von dem Architekten und Bauunternehmer Bohumil Štěrba, einem Schüler des ungleich bekannteren Architekten Josef Blecha, erbaut.

Štěrba hatte sich mit historistischen Gebäuden einen Namen gemacht, wie etwa der 1910 gebauten Kirche St. Peter und Paul (Kostel svatého Petra a Pavla) im nordböhmischen Semily. Bei dem Gebäude in der Sokolovská lässt sich das auch beobachten. Die Dekoration des Hauses ist eine vorsichtige Nachempfindung des Stils der böhmischen Renaissance., der mit Elementen des Jugendstils angereichert ist

Das Haus – somit im Grunde ein Reihenhaus – hat Štěrba zusammen mit dem daneben stehenden Gebäude der Nummer 415/122 gebaut, das aber wesentlich schlichter daherkommt. Haus 416/124 ist jedenfalls reichhaltig ornamentiert. Dazu gehört nicht nur der ungeheuer symbolistisch wirkende Lebensbaum, der im Zentrum der Fassade sich über zwei Stockwerke erstreckt, und sich sehr symmetrisch aus ineinander rankenden Stämmen nach oben erstreckt. Das Baummotiv taucht in kleinerer Form (als Sprößling sozusagen) auch an anderen Stellen auf der Fassade auf, wie man auf dem Bild oberhalb links sieht. Daneben (oberhalb rechts) tauchen auch konventionellere Motive auf..

Darüber befindet sich noch zentral auf Höhe des dritten Stocks ein hübsches, im Stil der Neorenaissance gehaltenes Madonnenbild. Es handelt sich im ein Keramikrelief in rechteckiger Kartusche, das Maria mit dem Jesuskind zeigt. Das könnte in einem Sinnzusammenhang mit dem heilsgeschichtlichen biblischen Motiv des Lebensbaums nach Offenbarung 2,7 („…wer überwindet, dem will ich zu essen geben von dem Baum des Lebens, der in der Mitte des Paradieses Gottes ist“). Das Marienmotiv war in dieser Zeit ein recht gängiger Fassadenbestandteil. (DD)

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