Trauben – hoch, nicht sauer

Das Problem dieser Trauben ist wohl wirklich, dass sie zu hoch wachsen – und nicht, dass sie zu sauer sind. Man kommt ja gar nicht an sie ran, um den Geschmack herauszufinden. So wie beim Fuchs in Aesops Fabel….

Auf den Namen U Modrého Hroznu (Zur Blauen Traube) hört dieses Haus am Ovocný trh 580/2 (Ecke Havířská) in der Altstadt. Das erst im Jahr 1900 vollendete Gebäude des Architekten František Schlaffer (der sich manchmal tschechisch Šlafer schreiben ließ) unterstreicht auf archetypische Weise, was in dieser Zeit – kurz bevor der Jugendstil eine Neuerungswelle auslöste – in Sachen Architektur angesagt war: Der Rückgriff auf alte Zeiten; auch Historismus genannt. Zu den Häusern früherer Zeiten gehörten auch Hauszeichen aus Stuck, die als Erkennungsmerkmal von Häusern diente als es noch keine amtlichen Hausnummern gab.

Hausnummern gab es aber schon als dieses Gebäude entstand. Und das Haus ist lediglich Neobarock und bedient sich nur äußerlich barocker Formelemente. Drinnen ist ein modernes zweistöckiges Büro- und Mietshaus. Und ein Winzer wohnt hier auch nicht, was das nachempfundene Hauszeichen oben auf dem Giebel des Eckerkers mit den Trauben ja suggerieren könnte. Es ist hier mehr oder weniger hübsche Staffage. Stilistisch jedoch hat der Architekt sein Bauwerk gut in die zum Teil echt barocke Umgebung des benachbarten Ständetheater (wir berichteten hier) in der Altstadt eingepasst. (DD)

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