Funktionalistischer Pelikan

Geht man die Kleinseite hinaus zur Burg, wird man kaum je ein Gebäude zu Gesicht bekommen, das nicht mittelalterlichem oder barocken Ursprungs ist. Erst ein kleiner Pelikan macht einen darauf aufmerksam, dass es in der Úvoz 229/3 eine Ausnahme gibt.

Dass dem Vorbeigehenden die Modernität des Gebäudes zunächst nicht besonders auffällt, zeigt, dass es möglich ist, Ultramodernes und Historisches harmonisch miteinander zu verbinden – wenn man es nur will. Mit den ersten Planungen, hier anstelle eines älteren Hauses ein neues funktionalistisches zu errichten, hatte man 1928 angefangen. 1936 begannen nach den Plänen des Architekten František Šimáček die Bauarbeiten, die 1937 abgeschlossen waren. Im unmittelbaren Umfeld betrachtet, kann man sehen, wie geschickt der Architekt die modernen geometrischen Fassadenstrukturen (aus modernem Kunststein) und das damals geradezu avantgardistische Treppenhausfenster in die Fassadengestaltung des daneben stehenden barocken Hauses eingepasst hat. auf diese Weise blieb sich der Architekt als Neuerer treu, ohne das gewachsene Stadtbild zu schädigen.

Das Gebäude wird manchmal aus Haus zum Weißen Pelikan (U Bílého pelikána) genannt. Den Grund kann man leicht erraten: Die kleine und putzige Steinfigur eines Pelikans über dem Eingang. Als Motiv ist der Pelikan natürlich recht ungewöhnlich, aber er passt sich damit an die Tradition der umliegenden Barockhäuser an, die häufig Hausschilder mit Tiermotiven aufwiesen – Beispiele findet man in früheren Beiträgen hier, hier oder hier. Warum der Architekt ausgerechnet den Pelikan zum Hauszeichen gemacht hat, bleibt vorläufig ein Rätsel und mag einer persönlichen Neigung entsprungen sein. (DD)

Ein Gedanke zu “Funktionalistischer Pelikan

  1. https://www.rosenkreuz.de/blog/phoenix-und-pelikan-durch-das-selbstopfer-zur-auferstehung

    Wie immer in Prag ist alles tief- und hintergründig – denn die Symbole der Hausreihen in der Uvos korrespondieren und wetteifern in alter mystisch-alchemistischer Sprache von Haus zu Haus, der Zufall ist hier nur der Zahn der Zeit. Auch der Pelikan beschließt als quasi 13. Zeichen eine nahezu lückenlose zodiacus-Reihe. Der genialische Wassermann František Šimáček wird mit seinem Luftzeichen und dem Krebs-Mond vor allem der Linie Dr. Milan Špůreks (22. Mai 1938 , Prag – 18. September 2018 ) gerecht, die nach seiner Entdeckung hier den Krebs-Teil der Stadt im Grundzodiacus der Templer und Frühkirchen und Rotundren (dieser wertvolle Blog von D.D. berichtete) mit ihren noch romanischen Bauformen sieht. Wenn man die Zwiebel der Zeit Stufe für Stufe schält, kommt man da hin und – noch viel zauberhafter – findet in den Horoskopen der Architekten und Bewohnern eine besondere Affinität gerade zu diesem Ort, bis heute … Ahoj!

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