Gefälliger Spätjugendstil

Jugendstil – das bedeutete ursprünglich Protest gegen die historisierende Wiederholung des Immergleichen. Man sprach von Secession, der Trennnung von alten Konventionen.

Ein Beispiel dafür, wie sehr sich dieser revolutionäre Elan am Ende abnutzte und wie man wieder zu mehr konservativer Gefälligkeit fand, bietet dieses Doppelhaus in der Londýnská 575/48. Das Mietshaus verbindet eine zurückhaltenden Jugendstilornamentik mit einer an den französischen Barock angelehnten Architektur – insbesondere der Mansarde. Ursprünglich stand hier ein 1876 erbautes Haus im Stil der Neorenaissance. In den Jahren 1912/13 ließ der neue Besitzer, ein Hotelier namens Josef Beránek, das Haus durch den Architekten Jaroslav Pelc völlig neugestalten. Dadurch wurde es das, was es heute ist: Eine Mischung von Jugendstil (der damals gerade vom Kubismus als Modetrend abgelöst wurde) und Neobarock.

Nicht mehr so avantgardistisch wie sich die Pioniere der Secession des Jugendstils gedacht haben, aber durchaus originell und hübsch anzusehen, ist ds Haus. Beránek hatte übrigens gleichzeitig das Haus daneben (576/46) erworben, das er 1924 bei einer Neugestaltung des Inneren mit dem anderen Haus verband. Allerdings nahm er hier keinen grundlegenden Umbau vor, so dass Haus 576 heute einen Eindruck davon vermittelt, wie Haus 575 ursprünglich ausgesehen mag, denn beide Häuser waren ursprünglich aus „einem Guss“ gebaut worden. (DD)

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