Wenzel und mehr

Heute ist der Tag des Heiligen Wenzel, den die säkularen Tschechen irgendwie in den Tag der Tschechischen Staatlichkeit umgetauft und zum Feiertag erklärt haben. Nun gut, der Heilige Wenzel (Václav) mag zu den Begründern des böhmischen Staates gehören, aber primär geht es um den Jahrestag seiner Ermordung am 28. September 935 (oder 929; genau weiß man es wohl nicht).

Für die Tschechen wurde er nach seiner Ermordung zum Nationalmythos, der vor allem im späten 19. Jahrhundert und frühen 20. Jahrhundert auch private Häuser als Ausdruck patriotischer Gesinnung zierte (etwa hier). Zum heutigen Tag sei dieses hübsche Beispiel vorgestellt. Die farbenfrohe Jugendstilmalerei befindet auf der Fassade des dreistöckigen Wohnhauses in der Sezimova 402/11 im Stadtteil Nusle (Prag 4). Der Heilige reitet mit seinen typischen Attributen (Fahne, Wappen mit Adler) hoch oben unter dem Dach auf den Zuschauer zu. Das ist schon dramatisch gestaltet. Umrahmt ist er dabei übrigens von den Wappen der Landesteile Böhmen (zweischwänziger weißer Löwe), Mähren (rot-weiß karierter Adler), Schlesien (schwarzer Adler mit Brustmond).

Das Haus wurde 1905 von dem Architekten Antonín Fric im Stil der böhmischen Renaissance erbaut. Fric war in dem damals stark wachsenden Stadtteil Nusle ein für das neue Stadtbild besonders definierender Architekt und Baumeister. Beispiele finden sich hier und hier).

Und auf der Fassade ist noch mehr los. Unter dem Heiligen Wenzel befindet sich noch eine Statue der Mutter Gottes in einer Muschelnische. Darüber steht ein gemalter Engel, der ein Tuch mit der stilisierten Inschrift „Maria“ in den Händen hält. Alles in allem ein Gebäude, das dem Auge viel bietet. (DD)

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