Imposant über der Moldau

Über 190 Meter erstreckt sich die imposante Front von Schloss Chvatěruby (Zámek Chvatěruby) hoch über dem Ufer der Moldau. Für die Spaziergänger auf dem schönen Uferwanderweg einige Kilometer flussabwärts von Prag ist sie eine echte Sehenwürdigkeit.

Die Ursprünge des Schlosses, das oberhalb des gleichnamigen kleinen Dorfes thront, liegen ein wenig im Dunklen. Man findet für das 13. Jahrhundert in Urkunden die Erwähnung eines befestigten Hofes mit Turm, der einem gewissen Rüdiger von Chvatěruby gehörte. Erst 1366 wird sie als richtige Burgbefestigung wieder erwähnt, die im Besitz eines Prager Patriziers war.

Zu Beginn des 15. Jahrhunderts ging sie in den Besitz der Familie Zajíc von Hasenburg über, die sich aber unklugerweise einem katholischen Aufstand gegen König Jiří z Poděbrad (Georg von Podiebrad) anschloss, dem einzigen Hussiten auf dem böhmischen Königsthron (wir berichteten u.a. hier). Der ließ die Burg 1467 stürmen und übereignete sie dem befreundeten Staatsmann und humanistischen Schriftsteller Georg von Heimburg. Als der König starb 1471 starb, musste Heimburg allerdings Burg und Land verlassen, da er vom katholischen Nachfolger als ein wegen papstkritischer Pamphlete Exkommunizierter in Böhmen keinen Schutz mehr genoss.

Es folgten in recht rascher Abfolge etliche Besitzerwechsel. Einer der Besitzer war der Landrichter Johann von Waldstein (Wallenstein), der es 1567 erwarb. Er baute die stattliche Vorderfront, die noch mittelalterlichen Ursprungs war, im Stil der Renaissance um – so, wie wir es heute (allerdings als Ruine) noch sehen. Johann von Waldstein war noch ein gemäßigter Hussit. Später schlug sich die Familie auf die katholische Seite und es entbehrt nicht einer gewissen Ironie der Geschichte, dass ausgerechnet die kaiserlich-katholischen Truppen des durch Schillers Drama Wallenstein berühmt gewordenen Heerführers Albrecht von Wallenstein (wir berichteten u.a. hier) die Burg im Dreissigjährigen Krieg eroberten und ausplünderten.

Nach dem Krieg kam das Gebäude in die Hände des adligen Geschlechts Voračičtí z Paběnic. Unter der Familie wurde aus der Burg ein barockes Schloss, das den veränderten Wohnbedürfnissen des Adels der Zeit entsprach. Oder genauer ausgedrückt: An die alte Vorderfont wurde im rechten Winkel ein neues Barockschloss gesetzt, sodass der heute noch bestehende Eindruck zweier aneinandergefügter Bauwerke entstand.

Offensichtlich hätte die Familie gerne das ganze Schloss konsequent barockisiert, aber wahrscheinlich ging das Geld aus. Jedenfalls blieb das Projekt halb vollendet. Das war kein gutes Omen. Das Schloss verfiel allmählich. 1752 wurde das Dach des alten Teils bei einem Sturm zerstört. Ein neuer Besitzer montierte 1816 die schönen Außenverkleidungen von Türen und Fenstern ab, um sie einem anderen seiner Anwesen einzuverleiben. Darob nutzte auch dei Bevölkerung im Ort das Schloss zunehmen als eine Art Steinbruch. 1817 stürzte der noch erhaltene Teil des Daches im östlichen Bauteil ein.

Und schließlich ließ man 1891 einen Teil des Gebäudes abreißen, weil er einsturzgefährdet war. Nur der barocke Teil blieb einigermaßen erhalten – allem voran das schöne Eingangstor. Wieder folgten etliche Wechsel der Eigentümer. 1918 erwarb der damals bekannte Schaupieler František Matějovský das Schloss. 1947 fiel es dann in Staatsbesitz. Nach dem Ende des Kommunismus wurde Schloss Chvatěruby 1991 privatisiert. Die neue Besitzerfamilie renoviert zurzeit den bewohnbaren Teil sehr sorgfältig – eine geradezu titanische Aufgabe.

Es lohnt sich, vom Uferweg aus, einmal hoch zum Schloss zu wandern und es zu umrunden. Man kann dann das Gebäude in seinem schönen Umfeld bewundern. Das Dorf ist nämlich recht hübsch und direkt neben dem Schloss liegt die Kirche der Heiligen Peter und Paul (kostel sv. Petra a Pavla), deren Ursprünge sich auf das Jahr 1222 zurückdatieren lassen, und die um 1715 im Zuge des Schlossumbaus ordentlich barockisiert wurde.

Wer beim Anblick der Vorderfront vom anderen anderen Moldauufer bereits von der Imposanz der Anlage beeindruckt ist, wird bei der Perspektive vom Dorfinneren her noch mehr überwältigt sein. Über die Jahrhunderte hat sich das Dorf in die unter der Burg gelegenen zusätzlichen Bastion integriert. Die Häuser des Ortes sind zum Teil regelrecht eingebaut. Trotzdem erkennt man die Bastion noch deutlich und sie zeigt, dass die Gesamtanlage der Burg dereinst viel größer war als man es von der Ferne sieht. (DD)

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