Robuste Schleuse, robustes Kraftwerk

Für große Frachtschiffe ist die Moldau (Vltava) auch heute nicht geeignet – zumindest nicht durchgängig. Aber etwas kleinere Boote, Ausflugsdampfer, Fähren und Yachten können sich heute bequem durch die milden Wogen des Flusses bewegen. Das war nicht immer so. Früher waren Untiefen und wilde Strömungen eine Herausforderung für die Flößer und Bootsmänner der Frachtkähne (wir berichteten). Mitte des 19. Jahrhunderts begann man in Prag mit der Eindämmung des Flusses durch hohe und feste Uferkais.

Dann, am Ende des 19. Jahrhunderts wurde der Flusslauf begradigt und bis zur Elbe mit Stauwerken und Schleusen gebändigt. Eines davon ist die Schleuse Dolany (Zdymadlo Dolany). Die Anlage befindet sich nahe der kleinen, nur wenige Kilometer nördlich (=flußabwärts) von Prag gelegenen Ortschaft Dolany nad Vltavou (Dolan an der Moldau) und ist eine von satten 13 Stau- und Schleusenwerken auf der etwas über 60 Kilometer langen Strecke von der Prager Altstadt bis zur Elbe bei Mělník. An beiden Uferseiten führt jeweils ein schöner Uferwanderweg daran vorbei.

Die ersten konkreten Pläne für die Schiffbarmachung der Moldau außerhalb Prags wurden im Jahr 1894 geschmiedet und zwar unter der Federführung des Industriellen und Eisenbahnmagnaten Karl Adalbert, Freiherr von Lanna (über dessen Stadtpalast in Prag wir bereits hier berichteten). Der bekam auch 1896 von der neu gegründeten staatlichen Commision für die Canalisierung des Moldau- und Elbe-Flusses in Böhmen (Komise pro kanalisování Vltavy a Labe v Čechách), die das Gesamtprojekt der Schiffbarmachung betrieb, den Auftrag für das Stauwerk in Dolany – eines von 11 Stauwerken, mit dem er beauftragt wurde. Lannas Firma vollendete das Bauwerk hier in Dolany im Jahre 1901.

Die Arbeit, die dabei geleistet, war solide. Bis 1986 blieb die Stauanlage im Kern unverändert. An einigen Stellen kann man die originale Architektur noch gut erkennen. Dann machten sich doch einige Verschleißerscheinungen bemerkbar und auch technisch war das Ganze dann doch nicht mehr auf dem neuesten Stand. Bis 1989 dauerten die Renovierungs- und Umbaumaßnahmen. Es wurden u.a. neue Stahlklappen, eine leichte Erhöhung der Barriere auf 3,3 Meter und ein neues Kontrollzentrum mit viele Elektronik neu aufgebaut. Am linken Ufer befindet sich nun die Staumauer und rechten Ufer führt nun an einer Insel die Durchfahrt mit zwei hintereinander geordneten Schleusenkammern vorbei. Der Navigationskanal ist rund 670 Meter lang.

Die Schleuse wird heute tagsüber hauptsächlich von der Freizeitschifferei – kleine Touristenschiffe, Kanuten, Ruderern, Yachten und ähnliches – genutzt. Mit 11 Metern Breite entspricht die Schleuse (sie wurde noch in kommunistischen Zeiten gebaut) nicht mehr den internationalen Standards. eine Verbreiterung auf 12 oder 13 Metern ist für die Zukunft geplant, wovon sich die umliegenden Ortschaften ein Wachstum der Tourismusbranche versprechen. So wie sie nun ist, ist die Anlage durchaus aber auch so ein kleiner Hingucker für die Wanderer und Radfahrer auf den Uferwegen hier im romantisch-felsigen Moldautal.

Das liegt auf daran, dass man 1995 bis 1998 die Stauanlage noch zusätzlich wirtschaftlich nutzen wollte und ein kleines Wasserwerk auf dem linken Ufer hinzufügte. Die hydroelektrische Einrichtung (Generatorleistung 2390 kW) hat sich als leistungsstark und robust erwiesen. Beim großen Moldauhochwasser von August 2002 verkraftete sie problemlos einen Durchlauf von 5300 Kubikmeter pro Sekunde. Hochwasser übersteht sie auch, weil sie auf einem Stahlbetonsockel erhöht steht, der etwas brutalistisch herkommt. Nur daran erkennt man, dass es sich um ein doch recht modernes Gebäude handelt.

Das Kraftwerk ist nämlich ansonsten ein wenig in einem Retro-Baustil gehalten. Die beiden im 90-Grad-Winkel zueinander stehenden Hauptgebäude sind mit Tunnelgewölben ausgestattet, die an die Proportionen der funktionalistischen Architektur, wie sie während der Ersten Republik en vogue war. Erst auf den zweiten (und genaueren) Blick merkt man, dass sie nicht aus den spätern 1920er Jahren stammen.

Mit ihrem geschmackvollen weiß-roten Anstrich passen sie sich harmonisch in die umgebende Landschaft ein. Jedenfals überlegt man sich glatt, ob man nicht irgendwann einmal sich ein kleines Boot mieten sollte, um die die Moldau entlang und durch die Schleuse von Dolany zu paddeln – was zweifellos ein ganz besonderes Erlebnis wäre. (DD)

Ein Gedanke zu “Robuste Schleuse, robustes Kraftwerk

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s