Liberales Stammlokal

An einen Ort zur gastlichen Einkehr mit diesem Namen kann man als Berufsliberaler nicht einfach vorbeigehen: Kavárna liberál – übersetzt: Café Liberal.

Wir befinden uns in der Heřmanova 1209/6 im sich immer mehr gentrifizierenden und manchmal etwas „alternativen“ und „hipsterigen“ Stadtteil Holešovice. Die Kavárna liberal gibt es hier schon seit 2012 und sie blieb seither so etwas wie ein fest etabliertes echtes Szenelokal. Das liegt womöglich an Gründer und Besitzer Jakub Štorek, der der eigentlich ganz schlicht und traditionell anmutenden Gaststube (d.h. einfache Holztische- und -stühle) irgendwie ein Flair von Intellektualität und Weltoffenheit zu verpassen verstand. Optisch genügte dafür eine einigermaßen gut ausgestattete Bar (Bild links) und ein paar lifestylige Langspielplattencover prätentiöser Musiker aus den 1960er und 1970er Jahren – oft französische Chansoniers – an den Wänden.

Und dann ist da noch der Name. Während man in westlichen Städten – etwa Berlin – in eher alternativhipsterigen Gegenden die Selbsbezeichnung „liberal“ besser unterlassen sollte, wenn man nicht neue Arten der Beleidigung auf sich ziehen will, ist Prag eben tatsächlich recht liberal. Und deshalb kommt der Name wohl an. Und er entspricht wohl auch teilweise dem Selbstverständnis von Gründer Štorek, der seine Kavárna als Ort freien kulturellen und politischen Austausches sieht. Immer wieder gibt es daher hier kleine Ausstellungen und Vernissagen oder auch (politische) Diskussionsveranstaltungen. So etwas macht in der Regel szenige Lokale noch szeniger.

Wobei Štorek, der ab und an wohl die „politische Korrektheit“ herausfordern will, durchaus bereit ist, Risiken einzugehen. Es ging noch an, als er sehr medienwirksam und mit Boykottdrohungen 2017 gegen das Rauchverbot, protestierte, dass die Regierung für Restaurantbetriebe verhängt hatte. Auch in der „Szene“ gab es schließlich Raucher. Im gleichen Jahr erlaubte er aber in seiner Kavárna eine Diskussionsveranstaltung mit dem rechten Agitator Martin Konvička, dem wild xenophoben Gründer und Chef des Anti-Islamischen Blocks (Blok proti islámu). Das hatte dann doch einiges Befremden in der hippen Szene von Holešovice und vor allem viele böse Kommentare in den Medien ausgelöst. Da er aber glaubwürdig versichern konnte, dass es ihm nicht um Sympathiebekundungen für Rechtsradikale, sondern um das in seinem Etablissement geltende Prinzip der Meinungsfreiheit für jedermann ging, vergab man ihm wohl schnell. Und die Szene, die hier übrigens recht vielfältig ist, blieb ihm treu. Wiederholt hat er das Manöver allerdings seither nicht mehr.

Aber kommen wir zum Kern der Sache: Was gibt es eigentlich zu Essen und zu Trinken? Die Speisekarte ist nicht lang, wechselt aber ständig. Es gibt die klassischen tschechischen Klassiker zum Bier. Die Wurstwaren sind überdurchschnittlich delikat und stammen von einem Hausmetzger. Aber auch ein paar nicht-tschechische Dinge findet man jedesmal auf der Karte. Und dazu gibt es (neben anderem) Bier von der Únětický pivovar (über die Brauerei berichteten wir bereits hier), die zu den populäreren Kleinbrauereien der Prager Umgebung gehört. Eigentlich alles im oberen Segment dessen, was man von einer Szenekneipe (also kein Haute-Cuisine-Restaurant) erwarten kann.

Wie schon gesagt: Der Name alleine verfügt schon über eine hohe Anziehungskraft für Freiheitsliebende. Und da es sich auch sonst ein ausgesprochen gut betriebenes, gemütliches und hochwertiges Lokal handelt, kehrt man auch sonst recht gerne hier ein. Im Sommer kann man an sonnigen Tagen auch draußen die Stimmung des Lokals genießen. Draußen auf dem Gehweg und vor allem auf dem Platz gegenüber, dem Řezáčovo náměstí, der von alten Bäumen beschattet ist, gibt es reichlich Tische und Sitzplätze. Im Sommer kann der Andrang recht groß sein (siehen den Blick aus dem Fenster im Bild links).

Nomen est omen. Die Kavárna liberál strahlt tatsächlich eine anziehend liberale Atmosphäre aus, die – wenn man dem Selbsttest glauben darf – tatsächlich Liberale wie unsereins (aber nicht nur die) anlockt. Was man an den glücklichen Gesichtern des Prager Teams (plus Regionalleiter aus Brüssel) der liberalen Friedrich-Naumann-Stiftung für die Freiheit entnehmen kann, die man im Bild rechts sieht. Die zeigen, wie man sich von einem strapaziösen Arbeitstag hier in der Kavárna liberál bei Bier und Speisen bestens wieder rekreieren kann. (DD)

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