Auf den Spuren Jaroslav Hašeks V: Švejk mit Hundeköttel

Ein wenig schwer tun sich die Tschechen manchmal schon damit, dass der gute Soldat Švejk ihr unangefochtener literarischer Nationalheld ist. Zugegeben, er ist eine urkomische Figur, aber auch Trinker, dubioser Hundehändler und schlaumeiernd-raffinierter Drückeberger. Keiner wird offen zugegeben, dass so einer sein Vorbild sein könne. Nun ja, alle außer den Bürgern von Kralupy.

Zudem hatte sich Autor Jaroslav Hašek, der sich die berühmten Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války (Die Erlebnisse des guten Soldaten Schwejk im Weltkrieg) ausgedacht hatte, deren erster Band 1921 erschien, ausgedacht hatte, im Weltkrieg den Bolschewisten angeschlossen, weshalb ihn die Kommunisten stets als den ihren feierten. Mit denen wäre er als anarchischer Geist eigentlich nicht lange gut ausgekommen, aber er war ja 1923 am Suff gestorben und konnte sich gegen seine Vereinnahmung nicht wehren.

Was immer die Tschechen im allgemeinen von ihm auch halten mögen, die Bürger von Kralupy lieben ihren guten Soldaten Švejk und bekennen sich mit Vehemenz dazu. Die direkt hinter der nördlichen Stadtgrenze Prags liegende Kleinstadt an der Moldau hat ihm fröhlich-feierlich ein Denkmal gesetzt, das trefflicher nicht gestaltet hätte werden können. Bei der Einweihung im Mai 2017 versammelten sich hunderte Bürger, von denen viele in k.u.k.-Uniformen à la Švejk steckten. Die Einweihung erfolgte – anders geht es ja gar nicht! – durch Begießen der Statue mit Bier.

Schon 2012 hatten sich in den Kneipen und Straßen Kralupys Anzeichen einer Švejk-Manie bemerkbar gemacht, wie man diesem Video entnehmen kann. 2014 formierte sich ein Verein zur Förderung eines Švejk-Denkmals. Man sammelte ordentlich Geld und beauftragte den Bildhauer Albert Králiček mit der Ausfertigung der lebendgroßen Bronzefigur. Der portraitierte den guten Soldaten auf einer Bank sitzend mit einem kleinen Hund auf dem Schoß – was daran erinnert, dass Švejk im Zivilleben mit Hunden handelte, über deren Herkunft man besser schweigt. Das Gesicht des Švejk ist dem des Schauspielers Rudolf Hrušínský nachempfunden, der durch die Romanverfilmung von 1957 die wohl bekannteste Verkörperung des guten Soldaten im Lande wurde. Jedenfalls ist das hier ein Švejk, wie er sein sollte. Und die Bank, auf der er sitzt, ist so groß, dass man sich – so wie im Bild links meine Tochter und Lady Edith – gemütlich zu ihm setzen kann.

Die Bürger von Kralupy, die das Denkmal wohl zurecht die größte Kulturattraktion der Stadt halten, wollten den Švejk auch nicht würdevoller erscheinen lassen, als er war. Deshalb ist das wichtigste Detail der Statue der kleine Hundeköttel, den der kleine Hund wohl hinterließ, und zwar neben dem linken Fuß des Švejk. Und auf dem Häufchen sitzt eine dicke Fliege, die sich dort gemütlich niedergelassen hat. Das ist derber Humor! Das ist was für Fans von Hašek und des guten Soldaten Švejk!

Aber wieso Kralupy? Nun, irgendwer, der das Buch genau gelesen hatte, stellte fest, dass Kralupy dort siebenmal beiläufig erwähnt wird und zwar in Zusammenhang mit einem von Švejks Kumpanen im Regiment. Am bekanntesten ist die Stelle, wo sich dem Švejk sein neuer Regimentskamerad Jan Vaněk mit den Worten vorstellt: “Já jsem takto drogista Vaněk z Kralup.“ Auf Deutsch: „Ich bin der Drogist Vaněk aus Kralupy.“ Vaněk gab es úbrigens wirklich und er hat auch mit Hašek im Regiment gedient. Er war wohl nicht der Drückeberger, wie es im Roman geschildert wird. Und die Apotheke in Kralupy, wo er tats§chlich arbeitete, gibt es sogar heute noch an jenem Palacký-Platz (Palackého náměstí), auf dem sich heute das Denkmal befindet. Deshalb ist die Selbstvorstellung des Rechnungsfeldwebels Vaněk auch auf der Plakette zu finden, die neben dem Denkmal im Boden eingelassen ist. (DD)

Siehe auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks I: Die Partei des gemäßigten Fortschritts im Rahmen des Gesetzes

Und auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks II: Im U Kalicha

Ebenso: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks III: Das Denkmal

Und natürlich: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks IV: Geburtsort in der Gendarmeriewache

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