Kloster, von Rheinländern gegründet

Es gehört sicher in die oberen Ränge der Hitparade der größten Touristenattraktionen in Prag: Das Kloster Strahov (Strahovský klášter), das nahe der Burg über der Kleinseite thront.

Im Jahre 1143 erbaut, haben wir es mit dem ersten Kloster der Prämonstratenser zu tun, die sich von hier aus den in Böhmen ausbreiteten. Die ersten Mönche waren aus der Eifel, genauer: aus Kloster Steinfeld, importiert und der erste Abt, ein gewisser Gero, kam aus Köln. Das freut den Rheinländer, wenn er es vernimmt. Unterstützt wurde die Errichtung vom böhmischen Herzog Vladislav II. , was wohl erklärt, warum die Klosteranlage direkt an die Burg grenzt, in der er damals residierte und regierte – anscheinend nahe der Wachhäuser der Burg. Es heißt nämlich, dass sich der Name Strahov von dem alten tschechischen Wort „strahovati“ ableitet, was soviel wie „Wache halten“ bedeutet.

Die Mönche bauten ihre Wirtschafts-. und Wohngebäude und natürlich eine Kirche, und zwar im damals modernen romanischen Stil. Bei der Klosterkirche Mariä Himmelfahrt (Kostel Nanebevzeti Panny Marie), die dann im Jahr 1148 geweiht wurde, handelte es sich um ein dreischiffiges Gebäude. Im Jahr 1258 verursachte ein Feuer größere Schäden, worauf König Otakar II. einen zügigen Wiederaufbau veranlasste, der dann allerdings im Stil der Frühgotik erfolgte. Ein Querschiff und zwei Seitenkapellen wurden hinzugefügt.

Von da an spielte das Kloster alle wesentlichen Stilepochen durch und wurde dabei immer größer. Abt Jan Lohelius, der zwischen 1586 und 1622 das Kloster leitete, modernisierte insbesondere die Fassade der Kirche im Stil der Renaissance und fügte noch die großartige Bibliothek hinzu, die am Ende das Kloster so berühmt machen sollte, dass wir hierzu einen gesonderten Beitrag präsentieren. Während und nach dem Dreissigjährigen Krieg wurde das Kloster ein gelehrtes Zentrum der Gegenreformation.

Dem entsprach auch, dass Ende des 17. Jahrhunderts eine großzügige Umgestaltung im Stil des Barocks erfolgte. Insbesondere der Architekt und Maler Jean-Baptiste Mathey (siehe auch den früheren Beitrag hier) zeichnete sich für die Umgestaltung des gesamten Areals verantwortlich. Dabei ragt vor allem der um einen quadratischen Hof gebaute Wirtschafts- und Wohnbereich mit seinem schönen Toreingang heraus. Die Klosterkirche wurde dabei in den Jahren 1742 bis 1758 nach den Entwürfen des Architekten Anselmo Lurago (über den wir u.a. hier und hier berichteten) barockisiert.

Überbordenden Barock sieht man auch im Innenraum. Alleine die Decke ist atemberaubend. Der Bildhauer Ignaz Palliardi unterteilte die Decke in 40 mit Stuckkartuschen umrahmte Felder, die dann von den Malern Ignaz Raab und Josef Kramolín mit himmlischen Szenen aus dem Leben der Muttergottes Maria ausgefüllt wurden. Das Ganze unterstreicht den auf Höhe abzielenden Effekt des gotischen Vorbaus, desen Grundstruktur ja erhalten blieb.

Der Hauptaltar ist das Werk des böhmischen Bildhauers Ignaz Franz Platzer und ist verziert mit einem Altarbild des Malers  Johann Christoph Lischka. Bemerkenswert ist auch die barocke Kanel, die fast wie der Mittelpunkt des Raums erscheint. Leider ist die Kirche außerhalb der Gottesdienste fast immer geschlossen. Viele der skulpturalen Ausschmückungen kann man also normalerweise nicht besichtigen, sondern nur vom Vorraum den Blick durch ein Gitter genießen. Ebenso auch die Grabmäler und die Reliquien, darunter die des Heiligen Norbert, des Ordensgründers der Prämonstratenser, die hier sein 1626 ruhen.

Verlässt man die Kirche, gibt es auf dem Areal viel zu sehen. Schon am Eingang kann man das große barocke Tor mit der von dem Bildhauer Johann Anton Quittainer geschaffenen Statue des Heiligen Norbert oben auf (Bild links) bewundern. Direkt dahinter sieht man die ehemlaige (heute desekretierte und zur Galerie umgebaute) Kirche des Heiligen Rochus, über die wir noch berichten. Wer dann schon Rast und Erfrischung benötigt, kann in die Klášterní pivovar Strahov (Klosterbrauerei Strahov), die wir schon hier behandelten. Dann gibt es noch Bibliothek, Gemäldegalerie und Souvenirladen. Wo einst Mönche aus dem fernen Rheinland sich erstmals, ist heute eine Sehenswürdigkeit entstanden, für die man sich Zeit nehmen sollte. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s