Christliche Bescheidenheit

Direkt neben dem Palais Černín und der barocken Pracht des Prager Loreto nimmt sich diese Kirche ausgesprochen unauffällig und bescheiden aus. Das war auch urspünglich so gewollt. Die am Rande der Burgstadt (Hradčany) in der Černínská 98/3 befindliche Kirche der Maria der Engelsgleichen (Kostel Panny Marie Andělské) steht schon in ihrer Gestaltung für die Tugenden christlicher Bescheidenheit und Armut.

Einfacher Turm und gerade schlichte Wände zeichnen die

Dieses Bild hat ein leeres alt-Attribut; sein Dateiname ist img_7383.jpg.

Kirche aus, die in den Jahren 1600 bis 1602 erbaut waren Auftraggeber war der Orden der Kapuziner, der erst drei Jahre zuvor, 1599, vom Prager Erzbischof Zbyněk Berka z Dubé a Lipé ins Land gerufen worden war. Und die Kapuziner waren ein Bettelorden, dessen Mönche in Buße und Armut oft von Almosen lebten. Bettelorden waren in der Kirche oft umstritten und es soll kein Zufall gewesen sein, dass sie sich etwas außerhalb der weltlichen Metropole ansiedelten – noch bevor ringsum Palais erbaut wurden. 1663 wurde der Bau ein wenig durch die Umfassung eines zweiten Hofes erweitert, was aber den bescheidnene Grundcharakter nicht veränderte.

Eher überraschend wurde das Kloster während der Josephinischen Kirchenreformen um 1784 nicht säkularisiert, obwohl gerade Bettelorden in den Augen Josephs II. als unproduktiv galten. In Böhmen und Mähren fielen immerhin 29 Klöster den Reformen zum Opfer. Hier in Prag wurde nur die Zahl der Mönche von 70 auf 38 reduziert. Schlimmeres widerfuhr den Mönchen erst 1944 als die SS das Kloster beschlagnahmte und dort ein kleines Gefängnis für als widerständig eingestufte Deutsche und Deserteure einrichtete. Die Mönche bekamen ihr Eigentum 1946 zwar wieder zurück, aber nur um 1950 wieder enteignet zu werden, diesmal von den Kommunisten. Erst als die gottlob ebenfalls von der Bühne abtraten, wurde das kleine Kloster den Kapuzinern, die auch das Prager Loreto verwalten, wieder zurückerstattet.

Immer noch etwas abgeschlossen von der Welt wirkt die Kirche. Immerhin kann man tagsüber meist durch ein Gitter in den Innenraum schauen, der durchaus eine gewisse barocke Pracht entwickelt, die aber nicht aus der Gründungszeit um 1600 stammt. Vor allem der Hauptaltar mit dem Gemälde des italienischen Malers Paolo Piazza aus dem Jahr 1735 ist sehenswert. Es zeigt Heiligen Franziskus (dessen Idealen sich die Kapuziner verpflichtet fühlen), dem Jesus, Maria und einige Engel erscheinen. Berühmt ist die Kirche auch für ihre Krippe aus dem 18. Jahrhundert, die man in der Adventszeit bwundert kann. Darübert wird noch gesondert berichtet.

Ein Gedanke zu “Christliche Bescheidenheit

  1. AHOJ, aus Berlin ! Wie oft nehme ich mir vor mal wieder nach Prag zu fahren – so viele Dinge kommen dazwischen – nun sogar eine pandemie! Aber im nächsten Jahr. Gut dass es deine Erinnerungen bildlich gibt, und dazu das gut lesbare Erklären . Kommunikation ohne Abhängigkeit von Unternehmen und bezahltem Journalismus – eine interessante und verantwortungsvolle Mischung, wenn das nötige Quentchen Humanität dabei ist. Ich weiß aus eigenem Erleben, wovon ich spreche. Vielleicht verstehst du mich noch besser, wenn du meinen BLOG zum Thema „Alte Berliner Garnisonkirche“ gelesen hast und – was ich wünsche – einen Kommentarverfasst haben wirst (www.wordpress.com/post/josias.blog/123) Gruß aus berlin dr. dieter weigert, ehemaliger uno-mitarbeiter im informationsbereich 22.8.21

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