Gutshaus zum Einkehren

Eingerahmt von modernen Hochhäusern und vielbefahrenen Straßen, bietet sich das Gutshaus Kajetánka (usedlost Kajetánka) in der Radimova 2393/12 in Břevnov (Prag 6) als eine wahre Ruheoase an. Der idyllische kleine Bach Brusnice wird vor dem Gebäude zu einem Teich mit üppig bebaumter Insel aufgestaut. Am Hang daneben liegt ein kleiner Park. Das ist schon schön.

Dazu lädt im und vor dem Gutshaus heute ein Restaurant mit Sommergarten zum Verweilen ein. Es gibt gepflegte Küche und ebensolche Getränke. Auch in diesem übrigens sehr hundefreundlichen Areal kann man es sich richtig gut gehen lassen. Touristen sieht man in diesem versteckten Ort fast nie, sondern nur Einheimische.

Der kleine Park mit dem Gutshaus ist das, was von den dortigen Ländereien übrig ist, die um 1628 Maria Eusebia von Sternberg hier erwarb. Um das nun entstehende Landhaus im feinen barocken Stil wurde ein großer Weinberg angelegt. Das Haus behielt seinen Zweck als Weingut noch bis ins 19. Jahrhundert, wovon man leider heute nichts mehr sieht. Der Sohn und Erbe der Maria Eusebia, Bernard Borsita von Martinitz, ließ 1665 nur wenige Meter bachabwärts die Kapelle Unserer Lieben Frau Maria von Altöttingen (Kaple Panny Marie Altöttinské) bauen, über die wir bereits hier berichteten. Dann verschenkte er das ganze Anwesen an den Theatinerorden, der es bis zu den Kirchenreformen Kaiser Josephs II. im Jahre 1783, die mit der Säkularisation des Besitzes endeten.

Die Zeit unter den Theatinermönchen war aber ebenfalls eine des Aufschwungs. So wurde das Gutshaus im Jahre 1760 noch um eine Orangerie ergänzt. Das oberhalb des Gutes befindliche Gebäude ist im klassizistischen Stil gehalten. Es handelt sich um einen zweiflügeligen Bau mit einer Rotunde im Zentrum. Die Orangerie gehört heute nicht mehr zum Parkareal, weshalb man ihn nur von außen durch einen Zaun besichtigen kann. Dafür wurde extra eine kleine Stufenempore im Park aufgebaut.

Nach der Säkularisierung wechselte das Anwesen immer wieder die Besitzer. Es kam zu Aufteilungen des landes in kleine Parzellen. Gebäude verfielen (etwa die Kapelle) oder wurden zweckentfremdet. Der Orangerie fügte die Umwandlung in ein Wohngebäude im Jahre immerhin keine tiefer gehenden Schäden zu. Das Gutshaus wurde 1878 in eine Fabrik für gewachste Leinwände transformiert, die leider drei Jahre später durch ein Feuer arg verwüstet wurde. Nacheinander wurde es in ein Ausflugslokal und ein Wohnhaus umgewandelt. Ein geplanter Abriss konnte gerade noch durch den Denkmalschutzverein Klub Za starou Prahu (Verein für das Alte Prag) verhindert werden. Nach der Machtübernahme durch die Kommunisten 1948 wurde es ein Heim von deren Jugendorganisation Pioniere. Da nutzte auch nicht mehr, dass das Gutshaus 1963 unter Denkmalschutz gestellt wurde. Der Schaden war da.

Dieser Bericht (Achtung: Mit Bild für starke Nerven!) zeigt, wie es hier einige Jahre nach dem Ende des Kommunismus aussah. Es musste etwas getan werden. 2010 hat die Gemeinde die Ärmel hochgekrempelt und das Gutshaus gründlich renoviert. Es ist nun schon ein kleines Schmuckstück und ein willkommenes Ziel für örtliche Ausflügler.

Man kann es sich im dann im Restaurant gemütlich machen oder im Park umherschlendern, wo noch ein kleiner Kulturgenuss wartet, nämlich die Statuen der antiken Göttin Ceres (Bild links) und des Gottes Hermes. Sie wurden in den Jahren 1936/36 von dem bekannten Bildhauer Vojtěch Sucharda, dem Bruder des ungleich bekannteren Bildhauers Stanislav Sucharda (wir berichteten u.a. hier und hier), geschaffen, und kamen 1997 als Spende des Sucharda-Museums der nordböhmischen Stadt Nová Paka hierher. Alles das macht die Kajezánka zu einem sehenswerten Geheimtipp. (DD)

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