Erdmännchen und Hollywoodsterne

Erdmännchen gehören zu den großen Sympathieträgern und Publikumslieblingen in jedem Zoo. Die im südlichen Afrika lebenden und zu der Familie der Mangusten gehörenden Kleintierchen leben gesellig in Kolonien. Immer halten einer oder mehrere von ihnen Wache, um die Gruppe zu beschützen. Dabei stehen sie aufrecht und haben tatsächlich etwas von kleinen putzigen Männchen an sich.

Der Prager Zoo (wir berichteten schon hier und hier) hat deshalb gut daran getan, sie als Kunst- und Werbeattraktion an vorderster Stelle zu präsentieren, um die Besucher richtig einzustimmen. Seit 2003 steht mitten auf dem Vorplatz der Bushaltestelle, wo alle Zoobesucher ankommen, eine große Skulptur. Bei dem Werk Sedm Surikat (Sieben Erdmännchen) handelt es sich um sieben kleine bronzene Erdmännchen, die sich auf einem hohen Felsblock tummeln – die meisten davon arttypisch Wache haltend. Der Fels, auf dem sie sich befinden ist über 3 Meter hoch, während die Erdmännchen in wenig mehr als in Lebendgröße dargestellt werden. Sonst hätten sie sicher auch nicht so niedlich gewirkt.

Erschaffen wurde die Skulpturengruppe von der Bildhauerin Veronika Richterová. Die hat seither die klassische Bildhauerei künstlerisch an den Nagel gehängt. Stein meißeln und Bronze gießen sei körperlich zu anstrengend, meinte sie, und beschloss, fortan Kunst aus recycelten Pet-Flaschen herzustellen. Das ist originell – und im übrigen gibt es dafür auch von anderen Künstlern sehr witzige Beispiele in Prag, die sich großer Popularität erfreuen (wir berichteten hier).

Hat man sich an den Erdmännchen sattgesehen, kann man ja Richtung Eingang zur Kasse gehen. Auf dem Wege tritt man auf ein andere Kunstwerk von Veronika Richterová. Zusammen mit dem Designer Michal Cihlář schuf sie 2001 den berühmten Walk of Fame (chodník slávy) 2002, der so etwas wie die animalische Fassung des berühmten Walk of Fame auf dem Hollywood Boulevard in Los Angeles ist. In Hollywood sind es – von einigen Ausnahmen wie Lassie abgesehen – vor humanoide Filmstar, die ihren Handabdruck auf einem Zementstern auf dem Bürgersteig hinterließen. Hier im Zoo sind es ausgewählte Tiere desselben.

Die Herstellung der Abdrücke war wohl in einigen Fällen schwierig, da es möglicherweise einen Unterschied in der Kooperationskultur von Zootieren und Hollywoodstars gibt. Zugegeben: Einige der Tiere, die hier verewigt sind, machten es den Künstlern leicht – etwa Ameisenbärin Linda und Leguan Pepino. Bei anderen traute man sich aber nur heran, wenn sie schliefen. Man kann sich den Nervenkitzel vorstellen, den die Künstler bei der Anfertigung des hier abgebildeten Sterns mit dem Prankenabdruck der Löwin Josefina verspürten. Große Tiere wurden durch einen stabilen Rahmen über feuchten Zement geführt, um das Ganze sicher zu gestalten.

Lässt man den Walk of Fame hinter sich und betritt den Zoo, kann man sich ja in das große Afrika-Areal des Zoologischen Gartens begeben, um Kunstwerk und Original zu vergleichen. Dort befinden sich nämlich die lebendigen und nicht aus Bronze erstellten Erdmännchen. Man weiß dann, warum sie Dank Richterová zum Werbeträger des Zoos erkoren wurden. Sie sind und bleiben einfach putzig! (DD)

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