Bieravantgarde

Eine Adresse, aber zwei Einkehrmöglichkeiten – das findet man wohl nur in der Táborská 389/49 im Stadtteil Nusle (Prag 4).

Eine der beiden ist das Restaurant U Bansethů. Das ist eine sehr alte Traditionsgaststätte mit etwas gehobenerer tschechischer Cuisine, in der es aber nur urquelliges Industriebier gibt. Immer auf der Suche nach originellen böhmischen Biersorten zog es uns zunächst einmal durch den Nebeneingang. Dort befindet sich die Nachbarschaftsbrauerei Bašta (Sousedský pivovar Bašta). Die sollte sich der Bierkenner nicht entgehen lassen.

Aber wie kommt es, dass sich hier irgendwie zwei Gastbetriebe unter einem Dach scheinbar Konkurrenz zu machen scheinen? Das kam so: Im Jahre 1900 wurde hier nur das U Bansethů durch einen Wirt namens Alois Banseth eröffnet. Das wechselte mehrfach im Laufe der Jahrzehnte den Besitzer, aber nie den Namen. Im Jahre 2007 – das war das Restaurant schon ein wenig heruntergekommen – erwarb es Vladimir Bašta, ein gestandener Veteran der Brauerszene, der die Gaststätte wieder aufmöbelte. Aber er war, so ließ er in der Lokalpresse verlauten, nicht zufrieden damit, nur eine Gaststääte mit traditionellem Urquellausschank zu betreiben. Also teilte er die Räumlichkeit und gründete seine eigene Kleinbrauerei.

2017 ging Vladimir Bašta in den wohlverdienten Ruhestand und in der Person von Tomáš Bašta kam die nächste Generation der familie zum Zuge. Wie das U Bansethů entwickelt sich die Brauerei Bašta wohl langsam zum Traditionsbetrieb. Und Konkurrenz machen sie die beiden Gaststätten sowieso nicht, da sie der gleichen Familie gehören. Aber mit unterschiedlichen Zielgruppen. Das Bašta, dessen Name sogar in die Tische eingebrannt ist (Bild oberhalb rechts), ist dabei das Mekka der Bieravantgardisten.

Dazu tragen natürlich die originellen und geradezu avantgardistischen Bierkreationen von Brauer Jan Kroužek bei, mit dem sich Bašta jr. zusammengetan hat. Man sieht es im großen Bild oben. Der leicht rötliche Ton deutet es an, dass es sich um ein mit roter Johannisbeere angereichertes Bier. Das klingt zunächst einmal nicht nach jedermanns Sache. Aber der zusätzliche Geschmack ist dem Bier in so zarter Dosis beigefügt, dass man nur einen Hauch verspürt, der dem Ganzen tatsächlich eine interessante Note verleiht. Man sollte sich sich im Bašta für Experimente offen zeigen, wofür man dann auch belohnt wird.

Aber selbstredend gibt es auch immer konventionellere, aber nicht minder gute Biersorten im Angebot, vom klassischen Hellen bis zum Halbdunklen. Die kleine, aber feine Bierkarte, die als handbeschriebene Tafel an der Wand hängt, offeriert in sehr dichter Folge immer wieder neue Sorten. Mal könnte wöchentlich hingehen und immer wieder Neues finden.

Nun ja, und um gut trinken zu können, sollte man auch angemessen gut essen. Das Bašta offeriert eine kleine Speisekarte, die auf den ersten Blick genau das offeriert, was man in einer tschechischen Braugaststätte so an Deftigem erwartet. Das gibt es auch qualitativ nichts zu meckern. Aber es gibt kleine originelle Variationen. Der Gulasch mit Knödeln (ein Standardklassiker der nationalen Kochtradition) ist etwa nicht nur ein einfacher Gulasch, in dem Knödel schwimmen. Es handelt sich um einen Gulasch aus Entenherzen. Das war lecker und mal etwas anderes.

Bleibt noch das gediegene und gemütliche Interieur und auch der natürlich nur im Sommer geöffnete kleine Sommer-Biergarten zu erwähnen. Ein wenig abseits der Touristenströme kann man hier in der schönen Brauerei Bašta in Nusle tatsächlich die tschechische Bierbraukunst von ihrer besten Seite kennenlernen. (DD)

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