Heiliger mit zahmen Löwen

Heute, am 15. Juni, ist der Gedenktag für den Heiligen Veit (auch: Vitus). Der spielt in den religiösen Traditionen slawischer Länder eine bsesondere Rolle. Sein Name erinnert vage an den vorchristlichen Slawengott Svantevit, weshalb er sich bei der Missionierung leichter vermitteln und für den sanften Übergang zur neuen, christlichen Religion einsetzen ließ. Nicht umsonst ist Prags größte Kirche der Veitsdom auf der Burg. Und dann ist da noch seine Statue auf der Karlsbrücke – eine der berühmten Heiligengalerie dort mit 30 Statuen insgesamt!

Der Heiligenlegende nach war Veit besonders hart im Nehmen, wenn es um Glaubensfestigkeit ging. Von seiner Amme, der Heiligen Crescentia, und seinem Lehrer, dem Heiligen Modestus, wurde der Sohn eines römischen Senators zum Christentum bekehrt und entwickelte schon als Kind die Fähigkeit, Wunder zu begehen. Man versuchte es mit Zuckerbrot, aber öfters noch mit Peitsche, um ihn davon wieder abzubringen. Sein Vater schlug ihn zuerst, was nichts bewirkte. Dann das Zuckerbrot: Der Vater sperrte ihn mit feschen Tänzerinnen in einen Raum, um ihn verführen zu lassen. Als der Vater durchs Schlüsselloch schaute, um den Stand der Dinge zu erfahren, sah er noch, wie Sohn Veit von himmlischen Engeln umgeben war. Dann erblindete er. Der Sohn heilte ihn zwar wundersam, aber der Vater trachtete ihm nun nach dem Leben. Veit floh mit Amme und Lehrer, wobei ihn – oh Wunder – ein Adler ernährte. Unter den Christenverfolgungen des Kaisers Diokletian geriet er an einen Richter, der eine Auspeitschung anordnete, aber den Schergen verdorrten die Arme. Veit heilte sie wundersam. In Sicherheit war er damit aber nicht.

Denn jetzt kommen wir zu der Szene, die man auf der Karlsbrücke sehen kann. Kaiser Diokletian hatte von dem Wunderknaben gehört und ließ ihn zu sich bringen, damit er seinen vom Wahn umfechelten Sohn heilen und anschließend dem Christentum abschwören möge. Ersteres tat er qua Wunder, zweiteres kam aber nicht in Frage. Folglich wurde Veit von dem bösen Kaiser (der seither zu Recht einen schweren Stand in der christlichen Geschichtsschreibung hat) den Löwen vorgeworfen. Die Statue, die der Bildhauer Ferdinand Maximilian Brokoff im Jahre 1714 anfertigte, zeigt auf eine fast schon putzige Weise, wie dieser heimtückische Plan schief ging. Schnurrend wie kleine Kätzchen liegen die Löwen – durch Gottes Intervention zahm geworden – dem Veit zu Füßen, ja einer ist sogar dabei selbige zu lecken.

Ein anderer Löwe hat so wenig Lust, den künftigen Heiligen zu fressen, dass er nicht einmal aus seiner Höhle herauskommt. Man kann sich vorstellen, dass Diokletian sauer war, und er versuchte es mit Folterung durch Eisenhaken, durch Erdrücken mit schweren Eisenplatten und am Schluss zusammen mit Crescentia und Modestus in siedendem Öl. Aus letzterem wurden die drei von Engeln gerettet, die sie nach Lukanien brachten, wo sie friedlich entschlummerten. Adler bewachten die Leichname bis eine von Nächstenliebe Beseelte sie beerdigen ließ.

Der Heiligenstatus war nach soviel Verführung und Qualen hart verdient, zumal vieles davon mit eindeutigen Wundern verbunden war (was die Heiligsprechung generell befördert). Er ist unter anderem Patron der Stummen und Tauben, der Landsknechte und Küfer, der Kupferschmiede und der Winzer, der Tänzer und der Apotheker und hilft unter anderem gegen leidige Fährnisse wie Schlangenbisse, Hysterie, Epilepsie (daher im Volksmund auch „Veitstanz“ genannt) oder Bettnässen. Und seine Statue steht nun auf der Karlsbrücke, wo er auch Schutzheiliger des Altstädter Brückenturms ist (obwohl er wesentlich näher am Kleinseitner Brückenturm steht). Außerhalb Prags ist er für die Tschechen auch der Schutzheilige der Pilzsammler, aus Gründen, die sich mir noch nicht so recht erschlossen haben. Auf jeden Fall ist eines ganz klar, nämlich dass er ein recht vielbeschäftigter Patron ist.

Wie dem auch sei: Er hat auf der Karlsbrücke seinen passenden Platz gefunden und eines der am schönsten gestalteten Barockdenkmäler dort bekommen. Und hoch über der Brücke thront der nach ihm benannte Veitsdom in Sichtweite (Bild links).

Und der große Veitsdom ist auch jener Ort, wo Kaiser  Karl IV., der ein begeisterter Sammler von Heiligenüberbleibseln war, das Haupt des Heiligen 1355 (das er sich von einem Kloster im italienischen Pavia erbeten hatte) als Reliquie bestatten ließ. Aber nur das Haupt, da die meisten übrigen Teile weiterhin in Deutschland in der Abtei Corvey blieben – bis im Zuge des Dreissigjährigen Kriegs 1634 so viele davon geraubt wurden, dass sich heute dort nur noch ein Schulterbein befindet. (DD)

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