Der General des Aufstandes

Zum heutigen Jahrestag: Am 8. Mai 1945 – vor 76 Jahren – kapitulierte die deutsche Wehrmacht in Prag. Sie kapitulierte nicht vor der bereits einmarschierenden Roten Armee, sondern vor den Bürgern, die drei Tage zuvor den großangelegten Prager Aufstand (siehe auch hier, hier und hier) gegen die Nazityrannei gestartet hatten. Es war ihr nicht gelungen, den tapferen Widerstand der Tschechen zu brechen.

Das lag nicht zuletzt an dem militärischen Geschick des Befehlshabers der Auständischen, General Karel Kutlvašr, dessen Denkmal in Prag wir hier vorstellen. Wie für die meisten Aufständischen war es für ihn nicht nur eine Frage des nationalen Stolzes, die Nazis militärisch zu besiegen, sondern auch ein (letztlich vergeblicher) Versuch die Tschechoslowakei in der Nachkriegszeit irgendwie aus dem Bann der kommunistischen Sowjetunion zu ziehen und wieder zu einem demokratischen Staat werden zu lassen.

Kutlvašr hatte im Ersten Weltkrieg bis 1920 tapfer in der Tschechoslowakischen Legion in Russland (frühere Beiträge u.a. hier, hier und hier) gekämpft und es dort zum Regiments-Kommandanten gebracht. Er half der jungen Tschechoslowakischen Republik beim Aufbau ihres Militärs und wurde 1928 Brigadegeneral. Wäre es nach ihm gegangen, hätte die Republik 1939 gegen den Einmarsch der Nazitruppen militärisch vorgegangen, eine Idee, die die Regierung aber als aussichtslos verwarf. Konsequent schloss sich Kutlvašr daraufhin der Widerstandsgruppe Obrana národa (Verteidigung der Nation) an. Nur knapp entging er immer wieder der Verhaftung. Als sich das Ende des Krieges näherte, wurde er durch das vom Dachverband der bürgerlichen Widerstandsgruppen, dem Tschechischen Nationalrat (Česká národní rada), einberufene Nationalkomittee zum militärischen Befehlhaber des geplanten Aufstandes im Mai ernannt.

Für seine Tapferkeit und sein Geschick bei der Führung des Aufstandes bekam er keinen Dank. Als die Kommunisten 1948 die Macht ergriffen, waren sie zunächst daran interessiert das Erbe des als „bürgerlich“ eingestuften Aufstandes zu verdrängen oder zu verunglimpfen. In einem Schauprozess wurde Kutlvašr mit fabrizierten Beweisen wegen Hochverrats und Umsturzplänen zu lebenslanger Haft verurteilt. 1960 wurde er zwar vorzeitig freigelassen, war aber durch die Haftbedingungen so sehr gesundheitlich angeschlagen, dass er im Jahr darauf starb.

Während des Prager Frühlings von 1968 wurde er zwar postum vom Vorwurf des Hochverrats freigesprochen, aber nicht völlig rehabilitiert. Das geschah erst nach der Samtenen Revolution von 1989, die den kommunistischen Spuk beendete. Deshalb wurde sein Prager Denkmal – eine Plakette mit Büste – erst im Jahre 2000 eingeweiht. Es befindet sich am Rathaus (Táborská 500/30) des Stadtteils Nusle (Prag 4) mit Blick auf den náměstí Generála Kutlvašra (General Kutlvašr Platz), der schon1997 so benannt wurde. Unter den Kommunisten hieß er noch Platz der Pariser Kommune (náměstí Pařížské komuny). Während des Prager Aufstands fanden hier blutige Kämpfe statt. Gestaltet wurde das Denkmal von dem Bildhauer František Bartoš. Unter der Büste, die ihn in Uniform zeigt, steht ein Text, der Kutlvašrs Werdegang nun endlich gebührend würdigt. (DD)

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