Wo Pan Tau und der kleine Maulwurf herkommen

Im Jahre 1953 ging noch recht improvisiert und ohne volles Programm das Tschechoslowakische Fernsehen (Československá televize) auf Sendung. Um so richtig loszulegen, brauchte man aber ein großes Sendegebäude mit vielen Studios. 1956 hatten die beauftragten Gutachter die Auswahl der möglichen Standorte auf zwei reduziert – das etwas außerhalb gelegene Örtchen Dívčí hrady (auch hier) und der sich gerade entwickelnde Stadtteil Pankrác. Letzterer machte das Rennen.

Ab 1960 begannen die eigentlichen Planungen für einen riesigen Gebäudekomplex, für die der Architekt Jiří Holý zuständig war. Zwischendurch gab es noch einmal Finanzierungsprobleme, dann politische Querelen aller Arten (Stichwort: Prager Frühling), so dass er nach vielen Verzögerungen die Arbeiten erst im Jahre 1971 abschließen und das Gebäude eingeweiht werden konnte. Aber so etwas gibt es ja auch andernorts. Seither befindet sich jedenfalls das Hauptquartier des staatlichen Fernsehens (nicht das des staatlichen Rundfunks, der hier residiert) auf der Hochebene von Pankrác in einem Areal, das Krähenberge (Kavčí hory) genannt wird; genaue Adresse: Na hřebenech II 1130/6 in Prag 4.

Das Gebäude ist nun ein großer rechteckiger Komplex, in dessen Mitte das oben im großen Bild zu sehende Betriebsgeschoss setzte. Alles im damals modernen realsozialistischen Funktionalismus. Und auf den innovativen Zweck angepasst war dieses Zentralgebäude. Man sieht auf dem Bild zwischen unterhalb des obersten Geschosses eine gewellte weiße Wand. Sie besteht aus Laminat. Dieses Material erwies sich als zweckmäßig, weil es zwar wärmeisolierend ist, aber die elektromagnetischen Strahlen für den Sendebetrieb problemlos durchlässt.

Hier produzierte der Staatssender in Studios seine Sendungen und übrtrug sie von dort auf die Bildschirme. 1984 wurde noch ein kleineres Nebengebäude aufgebaut, denn das Fernsehen nahm einen immer wichtigeren Platz in Staat und Gesellschaft ein. Der Sender beglückte das Land – und später auch das Ausland – unter anderem mit wunderschönen Kinderserien wie Pan Tau oder Der kleine Maulwurf (Krteček), die sogar im Westen beliebt waren, diente aber in der Hauptsache aul Propagandaeinrichtung zur Vermittlung des richtigen Klassenbewußtseins in der bereits quasi vor der Tür stehenden klassenlosen Gesellschaft.

1989 endete der Kommunismus und es herrschte fortan eine freiere Geisteshaltung im Sender. Und Ende 1992 zerlegte sich die Tschechoslowakei in die beiden separaten Staaten Tschechien und Slowakei. Seither residiert hier nicht mehr ein tschechoslowakisches, sondern das Tschechische Fernsehen (Česká televize). Und die Slowaken haben jetzt auch ihr eigenes Staatsfernsehen Slovenská televízia, dessen Zentrale in Bratislava ist. In Tschechien gab es nun für den Sender zwar weniger Empfänger (auch weil es nun Privatfernsehen gab), aber der Bedarf an Sendeprogramm schien trotzdem zu steigen.Zumindest erweiterte man die Kapazitäten noch einmal.

Und so kam es, dass 1997 ein neues Nebengebäude erbaut wurde, und nach den Plänen von Architekt Václav Aulický, dem man u.a. auch den thematisch dazu passenden Fernsehturm Žižkov (Žižkovská televizní věž) verdankt – wir berichteten bereits hier. Beide Gebäude sind von einer breiten Straße getrennt, so dass nund ein großer verglaster Füßgänger-Gehweg die beiden verbindet. Und das Hauptquartier strahlt immer noch einen gewissen realsozialistischen Charme aus, der aber trotzdem doch noch recht modern wirkt. Dazu tragen auch die neueren riesigen Sendeanlagen mit ihren Schirmen bei, die der Umgebung ein sehr innovatives Flair verleihen. (DD)

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