Ältester Park

Franz Kafka liebte ihn und suchte hier ab und an seine Inspiration, heißt es. Die Rede ist vom Chotek Park (Chotkovy sady), dem ersten öffentlichen Park in ganz Prag, der zugleich grandiose Aussichten auf Stadt und Burg bietet.

Seine Lage hoch über der Stadt, ganze nahe beim Burgberg und direkt unter dem vielleicht schönsten Renaissancepalast Prags, dem berühmten Lustschlösschen der Königin Anna (Letohrádek královny Anny), macht es dem Besucher leicht zu verstehen, wieso dies ein Ort der Inspiration sein kann. Und dann kommt noch der schöne alte Baumbestand hinzu! Dass der so alt ist, liegt eben daran, dass der Chotek Park eben schon so lange hier existiert.

Im Jahre 1832 wurde er noch als „Volksgarten“ angelegt und eröffnet, aber schon im Jahr 1841 nach dem Mann umbenannt, der seinen Aufbau veranlasst hatte: Graf Karl Chotek von Chotkow, der als königlicher Oberstburggraf zwar eigentlich für die Festungsanlagen der Stadt zuständig war, aber darüber hinaus als großer Förderer und Mäzen der Prager Infrastruktur auftrat. Den Park ließ er von dem Gartenarchitekten Josef Fuchs entwerfen, dessen Pläne dann vom Landschaftsgärtner Jiří Baul umgesetzt wurden.

Der Park wurde als englischer Garten (also ein Landschaftsgarten, der nicht dem barocken Modell des formalen Gartens folgt) konzipiert und sollte zugleich als eine Art botanischer Park fungieren. Heute gibt es hier 55 verschiedene Baumarten! Der Gartenarchitekt František Thomayer fügte um 1887 bis 1890 im Zentrum des Parks eine neoromantische Felsenlandschaft mit kleinem künstliche Wasserlauf, die besonders malerisch aussieht. Ihren optischen Abschluss erreichte sie aber 1913 durch die Errichtung des Denkmals für den Schriftsteller Julius Zeyer seit 1913, über das wir bereits hier berichteten, und das das Aussehen eines großen Felsens mit Höhle hat.

Und wenn man gerade beim Thema Skulpturen ist: Am Rande des zentralen Rasens steht die Stahlkonstruktion Nike 89. Nike war die griechische Göttin des Sieges und hier geht es natürlich um den Sieg der Demokratie über den Kommunismus, wie sie 1989 geschaft. Die Skulptur ist ein Werk des Bildhauers und Malers Pavel Krbálek, der nach der Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 in die Schweiz floh. Aus Freude über die neugewonnene Freiheit stellte er das Original der Nike 89 im Open Air Museum im japanischen Hakone aus, wo sie sogar einen Wettbwerb für abstrakte Statuen gewann. 2002 enthüllte er eine Replik in seiner neuen Heimat Luzern und 2003 diese hier im Chotek Park, wo sie die Tschechen daran erinnert, was sie 1989 an Großartigem gewonnen haben – ihre Freiheit!

Zu erwähnen ist noch die hübsche kleine Brücke, die über die nahe Autostraße zum nächsten Park führt, dem Letná Park (Letenské sady) . Sie wurde 1998 gebaut anstelle einer früheren Brücke aus den 1960er Jahren. Wichtiger ist jedoch die schöne Aussicht, die man am südöstlichen Rand des Parks genießen kann, der über einem steilen Abhang angelegt wurde. Schaut man geradeaus hinunter sieht man die Kleinseite und die Altstadt mit dem Flusslauf der Moldau dazwischen – samt den schönen Brücken der Stadt. Dreht man den Kopf dann etwas rechts, sieht (großes Bild oben) man die Burg auf gleicher Höher in all ihrer Pracht. (DD)

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