Juwel des Kubismus

Wenn man ein schönes Beispiel für kubistische Architektur sucht, warum nicht das Portal dieses fünfstöckigen Hauses in der Polská 1751/56 und 58?

Das geschickt auf klassizistische Motive anspielende Portal, das trotzdem der abstrakten Modernität des Kubismus gehorcht, gehört zu einem fünfstöckigen Wohnhaus, das in den Jahren 1921/22 für eine Bau- und Einkaufsgenossenschaft gebaut wurde. Es passt sich harmonisch in die sonst recht streng funktionalistisch gehaltene Fassade des ganzen an. Entworfen und gebaut wurde es von den Architekten Viktor Lampl und Otto Ervin Fuchs, die zusammen die Architekturbüro und Baufirma Lampl und Fuchs betrieben. Sie galten damals als ausgesprochene Spezialisten für moderne Baustile wie Kubismus oder Art déco.

Beide Architekten waren jüdischer Herkunft. Fuchs wurde 1941 von den Nazis in ein Konzentrationslager in Łódź verschleppt. Sein genaues Todesdatum dort ist unbekannt. Lampl starb 1942 in Prag eines natürlichen Todes – kurz bevor man ihn für den Abtransport vorgesehen hatte. Seine Frau, sein Sohn und seine Geschwister wurden noch im selben Jahr von den Nazis ermordet. So erinnert dieses bemerkenswerte Juwel des Kubismus zugleich an eines der Schreckenszeiten der Menschheitsgeschichte. (DD)

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