Buuredanz in Vršovice

Wenn man so etwas sieht, denkt man als Rheinländer natürlich sofort an die Bläck Fööss und den Buuredanz. Aber wir sind hier nicht in Birkesdorf, sondern im Prager Stadtteil Vršovice, wo man noch ein ganz klein wenig daran arbeiten muss, um den Bläck Fööss zu ihrer überall verdienten Popularität zu verhelfen.

Die stilvolle Hausfassade mit dem Bauerntanz (für Rheinländer: Das ist „Hochdeutsch“ für Buuredanz) findet sich in der Žitomirská 595/35 in ebenjenem Vršovice, das sich in den letzten Jahren von einem etwas abgehängten Stadtteil zu einem als „total hip“ eingestuften Viertel hinaufgentrifiziert hat. Und bei dem dazugehörigen Haus handelt es sich um ein Miets- und Wohnhaus im späten Jugendstil feinster Ausprägung.

Erbaut wurde es in den Jahren 1910 bis 1911 vom Architekten und Baumeister Václav Šourek. Das fünsfstöckige Haus zeichnet sich durch seine Balkone im ersten und zweiten Stock, die das Gebäude horizontal, und den große Mittelerker, der es vertikal zu teilen scheinen, und die zurückhaltenden floralen und geometrischen Stuckaturen auf der gesamten Fassade aus. Das Haus wurde immer gut in Schuss gehalten, aber die Renovierungen von 1935, 1978, 1981 und 1991 haben den Grundcharakter der Architektur nicht elementar verändert.

Der Hingucker sind natürlich die hübschen bunten Reliefs aus Keramik, die fröhliche Szenen des Landlebens beim Dorffest zeiegn. Man sieht in verschiedenen Varianten auf Höhe des ersten Stock und des Dachgiebels. Das Sujet war populär bei Gebäuden in dem zu Ende des 19. und Beginn des 20. Jahrhundert, vor allem in Orten, die sich – wie Vršovice – gerade vom ländlichen Dorf zum urbanen Vorort entwickelten. Vršovice bekam 1902 sein eigenes Stadtrecht verliehen und wurde 1922 völlig in Prag eingemeindet und integriert. Aber auf der Fassade lebt das Dorf von dereinst noch immer weiter.

In dem Haus lebte von 1939 bis zu seinem Tode 1981 der in Prag wohl recht bekannte Marathonschwimmer und Ausdauersport-Trainer Oldřich Liška, an den eine Gedenkplakette aus dem Jahr 1997 erinnert. Aber die fällt beim Betrachten des Hauses nicht annähernd so auf wie die ländlichen Pärchen, die in ihrem Liebesglück den böhmischen Buuredanz genießen. Auch ohne die Musik der Bläck Fööss. (DD)

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