Modernes Verlagshaus

Über dem Globus schwebt ein offenes Buch, gehalten von zwei Adlern. Eigentlich sagt diese Skulptur, von der es über dem Eingang zwei identische gibt, alles über den Zweck des Gebäudes aus.

Das Haus des Orbis Verlags (nakladatelství Orbis) in der Vinohradská 1896/46 (Prag 2) wurde nämlich 1925 von dem Architekten und Universitätsprofessor Alois Dryák für den vom Außenministerium der Tschechoslwakischen Republik gegründeten Buch- und Presseverlag Orbis und dessen Druckerei gebaut. Den Verlag gibt es nicht mehr und heute residiert hier CzechTourism, der Verband öffentlicher Tourismusagenturen. Aber die Attribute des ursprünglichen Zecks sind erhalten geblieben, nicht nur die Adler, sondern auch der große Schriftzug O.R.B.I.S. über dem dritten Stock.

Dass möglichst viel vom ursprünglichen Zustand des sechsgeschossigen Bauwerks erhalten geblieben ist, dafür sorgt schon der seit 1964 bestehende Denkmalschutz. Unter dem steht es natürlich zu Recht. Denn es gehört zu dem Trio bedeutender Gebäude, die Dryák dicht beieinander hier in Vinohrady hinterlassen hat. Dazu gehört der unmittelbar benachbarte Radiopalast (früherer Beitrag hier) und den nahen Hauptsitz der nationalen tschechoslowakischen Tabak-Direktion (Beitrag hier). Von einem Dryákschen „Triptychon“ spricht man manchmal.

Dryák war ein mit einer großen Freude am Experiment begabter Architekt, der eine Vorliebe für ausgesprochen originelle Fassadengestaltung hatte. In seiner Frühphase dem Jugendstil verpflichtet (früheres Beispiel hier), versuchte er sich bald in frühfunktionalistischen oder kubistischen Entwürfen (Beispiel hier). Den Einfluss des Kubismus erkennt man besonders schön an dem aus Dreiecksformen gebildeten Dachgiebel.

Das fünfstöckige Gebäude schuf Platz für viele Büros (nicht nur des Verlages), ein Papierlager, Druckereien und Redaktionsräume. In modernster Skelettbauweise konstruiert, beinhaltet das Gebäude auch viele funktionalistische Elemente, was vor allem auch für den Erweiterungsbau, den Dryák 1927/28 innen im Hof errichtete. Das Orbis-Gebäude hat jedenfalls viel dazu beigetragen, dass Dryák unter Kennern als eine der großen modernen Architektengestalten Prags gilt.(DD)

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