Die Pestkirche von Žižkov

1680 wütete die Pest in Prag. 31.000 Menschen fielen ihr zum Opfer – mehr als ein Viertel der Bevölkerung. Die Kirchhöfe in der Stadt konnten die Toten nicht mehr fassen und wurden selbst zu Seuchenherden.

Immer mehr überlegten sich die Stadtväter, ob nicht außerhalb der Stadtmauern Friedhöfe eingerichtet werden sollten. So entstand im heutigen Stadtteil Žižkov im Jahre 1682 ein Pestfriedhof. Dessen Mittelpunkt wurde die hübsche kleine St. Rochus Kirche (Kostel sv. Rocha). Sie ist auch das einzige wirkliche Relikt des Pestfriedhofs, der bis zur letzten großen Pest im Jahre 1716 weitergeführt wurde. In den 1840er Jahren wurde er aufgelöst; die Mauer fiel größtenteils dem Straßenbau zum Opfer. Heute steht die Kirche auf einer kleinen Grünanlage.

Nur am südlichen und östlichen Rand des kleinen Parks stehen an einer Wand einige Grabsteine. Es handelt sich um die Außenmauer des im 18. Jahrhundert angelegten Olšany-Friedhof (Olšanské hřbitovy), über den wir hier berichteten. Es wurde also Friedhof an Friedhof gebaut. Und ganz in der Nähe befindet auch der ebenfalls 1682 als Folge der Pest eröffnete Jüdische Friedhof (Beitrag hier).

Ganz gesichert ist es wohl nicht, aber gebaut wurde die Kirche, die nach dem Heiligen der Pestkranken, St. Rochus, benannt wurde, offenbar von dem französischen Maler und Architekten Jean Baptiste Mathey (siehe u.a. frühere Beiträge hier und hier). Auch den ersten Blick scheint es sich um eine kreisrunde Rotunda zu handeln, aber in Wirklichkeit ist es ein eher elliptischer Zentralbau mit großer Kuppel.

Ab 1842 fungierte die Kirche als normale Gemeindekirche der örtlichen katholischen Gemeinde. Es gab immer wieder Renovierungen und Ergänzungen, wie etwa den vom Architekten Antonín Baum entworfenen neobarocken Hauptaltar. Außer bei Gottesdiensten ist die Kirche geschlossen, aber es gibt in der Tür ein kleines Guckloch. Leider befindet sich zwischen Vor- und Hauptraum eine künstlerisch gestaltete Glastüre, die mit ihren bunten Linienformen und Milchglaselementen verunmöglicht, dass man den Altar und die innen ebenfalls befindlichen Barockbilder klar erkennen kann.

Bemerkenswert ist die Kirche aber auch von außen. Dazu gehören die Strukturierung der Fassade durch große dorische Doppelpilaster und das schöne Eingangsportal im feinsten Barockstil. Es zeigt das Wappen der Stadt Prag, obwohl das Areal damals noch außerhalb der Stadt lag. Erst 1881 erhielt hier die Ortschaft Žižkov eigene Stadtrechte und erst 1922 wurde das Ganze Teil Prags. Allerdings wurde die Kapelle samt Friedhof von der Stadt Prag errichtet, weshalb das Wappen durchaus Sinn ergab. (DD)

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