Wein unterhalb des Klosters

Prag ist, wie in diesem Blog schon öfters erwähnt wurde, nicht nur eine Bier-, sondern auch eine Weinstadt. Kaum eine Hauptstadt kann sich rühmen, soviele Weinberge innerhalb ihres Stadtgebietes zu beherbergen. Und einige haben eine lange Geschichte aufzuweisen. Das gilt vor allem für die Klöster, die im Mittelalter und der frühen Neuzeit Landwirtschaft und Weinbau im großen Stil betrieben. Ein paar kleine Überreste davon kann man heute noch unterhalb des Klosters Strahov beobachten.

Heute ist der größte Teil des Areals, das sich von der Kleinseite hoch zum Burgviertel mit dem Kloster hinzieht, mehr oder minder eine öffentliche Parkanlage, von der aus man hoch zu den Aussichtspunkten des Petřínberges wandern kann. Sie erstreckt sich weit bis zur Hungermauer , einem von Kaiser Karl IV. im 14. Jahrhundert erbauten Abschnitt der Stadtbefestigung. Das halbrunde Tal direkt unter dem Kloster hat jedoch ein wenig den Charakter der großen alten Nutzgartenanlage bewahrt und wird von kleinen Obstbäumen geziert.

Nähert man sich dem Kloster, dann sieht man zwei winzige kleine Weinberge, die nur noch einen schwachen, aber doch lebhaften Eindruck davon geben, was hier einst an Weinbau betrieben wurde. Das ist zum einen der direkt unter den Klosterterrassen gelegene Vinice pod Strahovským klášterem (Weinberg unter dem Kloster Strahov). Der ist so winzig wie idyllisch gelegen (großes Bild oben). Deshalb befindet sich auch mittendrin (vom Klosterhof oder von unten über die Úvoz-Straße erreichbar) eine Aussichtplattform, die einen grandiosen Blick auf Burg, Kleinseite und Altstadt erlaubt. 1143 begannen die im Kloster ansässigen Prämonstratensermönche mit dem Weinbau auf dem damals viel größeren Weinberg. Die Weinsorte, die hier heute angebaut wird ist die weiße Traube Hibernal.

Etwas weiter unten befindet sich parallel zur Außenmauer an der von der Kleinseite hochführenden Úvoz der Svatojánská vinice – zu Deutsch: Weinberg des Heiligen Johann; benannt nach dem böhmischen Heiligen Johannes Nepomuk. Er war ursprünglich Teil der großen Anlage von 1143 und seine Reben wachsen um das Gebäude herum, in dem ursprünglich die große Weinpresse stand. Das Prager Stadtgrünamt hat Weinberg und Gebäude 2011 restaurieren lassen, womit uns ein schönes Stück Geschichte erhalten geblieben ist. Schließlich haben die Mönche damals den Weinbau mit Eifer und großer Unermüdlichkeit betrieben. Immer wieder gab es Kriege – die Hussitenkriege im 15. Jahrhundert, der Dreissigjährige Krieg im 17. Jahrhundert, der Österreichische Erbfolgekrieg im 18. Jahrhundert -, die mit der fast vollständigen Zerstörung des Klosterweinbergs endeten. Und immer wieder bauten die Mönche ihn wieder auf. Als im 19. und 20. Jahrhundert das Areal unterhalb des Klosters immer mehr zum öffentlichen Park wurde, schrumpfte der Weinbau auf die Größe zusammen, die man heute sehen und bewundern kann.

Der Ausstoß der beiden sehr kleinen Weinberge dürfte sehr gering sein und man kann den Wein nirgendwo öffentlich in Flaschen erwerben. Ab und an soll es Verköstigungen geben – wo und wann wissen die Eingeweihten. Wir bleiben dran! Aber es gibt ja noch mehr Weinberge in der Stadt, wo man gut bedient wird (frühere Beispiel u.a. hier, hier und hier). Und sonst kann man ja wieder auf das gute Prager Bier umschwenken, denn das liefert das Kloster bekanntlich auch vom Feinsten, wie wir schon einmal hier zu berichten wussten. (DD)

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