Erste Nobelpreisträgerin – geboren in Prag

Sie ist die historische Ikone der deutschsprachigen Friedensbewegung: Bertha von Suttner. Nicht jedermann weiß, dass sie eigentlich in Prag geboren wurde und das sogar in einem der Prachtpaläste der Altstadt.

Als Bertha Sophia Felicita Gräfin Kinsky von Wchinitz und Tettau wurde sie nämlich 1843 im Palais Kinský (palác Kinských) am Staroměstské nám. 1/12 (Altstädter Ring) geboren – die Rolle der Sozialrebellin und Friedenskämpferin war ihr so nicht in die Wiege gelegt worden.

Aber sehr schnell wurde ihre enorme Willenskraft sichtbar, sich über tradierte Konventionen hinwegzusetzen, etwa als sie 1876 den an Jahren jüngeren Arthur von Suttner gegen den Willen von dessen Familie heiratete (er wurde darob enterbt!), mit ihm eine Zeit lang im Kaukasus lebte, wo sie 1877 die Gräuel des Russisch-Türkischen Krieges sah und ihre publizistische Tätigkeit für den Weltfrieden begann. Sie wollte nun „dem Krieg den Krieg erklären“. Ihr 1889 veröffentlichter Friedensroman Die Waffen nieder wurde in unzählige Sprachen übersetzter Weltbestseller – und verschaffte ihr Ruhm, aber auch nicht wenige politische Gegner, vor allem im deutschnationalen Lager. „Friedens-Bertha“ nannte man sie dort abfällig.

Ihren Ruhm nutzte sie nun, um zahlreiche internationale Friedensorganisationen, etwa die Österreichische Gesellschaft der Friedensfreunde (1891) und die Deutsche Friedensgesellschaft (1892) ins Leben zu rufen und zu unterstützen. Sie organisierte Friedenskonferenzen, darunter die wichtige Erste Haager Friedenskonferenz. Die Ideen der internationalen Schiedsgerichtsbarkeit und der Abrüstung standen dabei im Mittelpunkt. Immer wieder warnte sie vor der Konflikteskalation zwischen den europäischen Großmächten. Sie starb 1914 – kurz bevor jener Erste Weltkrieg begann, vor dem sie immer gewarnt hatte.

An ihrem Geburtsort, dem Palais Kinský (wir berichteten hier), hat man sich erst 2006 ihrer angenommen, als die Gedenktafel mit Büste im Eingangsbereich des Kinský Palastes in Gegenwart Prominenter aus der Politik enthüllt wurde. Sie ist das Werk des Malers und Bildhauers Jan Hendrych, der übrigens in den Zeiten des Kommunismus einen Suttner fast ebenbürtigen Grad an Widerständigkeit gezeigt hatte und wegen seiner Proteste gegen die Niederschlagung des Prager Frühlings 1968 nur noch als Restaurator, nicht aber als Künstler arbeiten durfte – bis ihm 1989 die Samtene Revolution wieder die Freiheit schenkte.

Die Tafel erinnert in Tschechisch und in Englisch daran, dass mit Bertha von Suttner hier im Kinský Palast die erste Frau geboren wurde, die einen Nobelpreis erhielt. 1904 sprach man ihr den Friedensnobelpreis zu – jenen Preis, dessen Stiftung sie selbst mit angeregt hatte als sie 1876 für kurze Zeit bei Alfred Nobel als Privatsekretärin arbeitete. Für viele Bewunderer war sie die Erfinderin und Nobel „nur“ der Finanzier des Preises. (DD)

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