Dorfkirche mit Wandmalereien

Der Ortsteil Hostivař gehört erst seit 1922 zu Prag. Zuvor war er ein kleines, bäuerlich geprägtes Dorf außerhalb der Stadtmauern gewesen. Mit der Expansion Prags holte (vor allen in den 1970er Jahren) eine wahre Wüstenei von Plattenbauten das Areal ein, so dass man heute fast schon überrascht ist, wenn man sich nach soviel Großstadt, Stahl und Beton plötzlich im alten Dorfkern befindet. Der ist allerdings entzückend und birgt mit seiner Dorfkirche, der Kirche der Enthauptung des Heiligen Johannes des Täufers (Kostel Stětí sv. Jana Křtitele), ein wahres Juwel in sich.

Die noch deutlich sichtbaren romanischen Ursprünge gehen wahrscheinlich ins 11. Jahrhundert zurück. Der damalige Bau wurde wohl vom rund 30 Kilometer entfernten Kloster Sázava betrieben. Als Pfarrkirche wird sie allerdings erstmals 1352 erwähnt. Im 13. wurde die Kirche im frühgotischen Stil umgebaut und erweitert. Sie erhielt ihre charakteristische rechteckige Form, wobei gottlob die alte romanische Apsis erhalten blieb.

Dort befinden sich auch noch umfangreiche und ausgesprochen gut erhaltenene Wandmalereien (kleines Bild rechts; großes Bild oben) aus dem 13. Jahrhundert – der eigentliche Schatz des Gebäudes. Sie stellen in der Halbkuppel den Herrgott und den gekreuzigten Jesus dar; darunter befinden sich die Heiligen Johannes (der Namenspatron der Kirche) und Katherina, sowie die Apostel Petrus und Paulus. Am unteren Rand sieht man eine Darstellung der Geburt Christi. Man ist beeindruckt, wie frisch sich die kontrastreichen Farben erhalten haben.

Der unbekannte Künstler hatte sich damals wohl an bekannten Vorbildern orientiert, die er in Manuskripten aus dem 12. Jahrhundert, wie etwa dem Westminster Psalter, fand. Derartiges findet man auch in Deutschland. Es ist ein Beleg dafür, wie die Schriftkultur de Zeit schon für eine Art Globalisierung in der Kunst sorgte. Jedenfalls würde man in einer Dorfkirche in einer (damals) so kleinen Gemeinde ein solches Niveau sonst nicht erreicht haben.

Die Kirche steht frei in einer großen ummauerten Rasenfläche, die dereinst der Kirchhof war. Am nördlichen Eingang befindet sich heute an der Stelle, wo einst die Leichenhalle war, ein hölzerner Glockenturm.

Auch nach dem 14. Jahrhundert wurde die Kirche immer wieder einmal ein wenig umgebaut und verändert. Vor allem 1864 ging man daran, die Kirche, die im späten 18. Jahrhundert im Stil des Klassizismus umgestaltet worden war, wieder „authentisch“ ins stilistische Mittelalter zurückzuversetzen, was recht gut gelang. Die schönen Malereien befinden sich jedenfalls ein einem geschmacklich sehr passenden Umfeld. (DD)

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