Gutes Bier vom Lande

Die Vielfalt an Biersorten, die man in Prag genießen kann, nimmt glücklicherweise ständig zu. Neben den üblichen Markenbieren kann man in einer ständig zunehmenden Zahl von Kleinbrauereien hausgebrauten und erlesenen Gerstensaft genießen. Dazu kommen immer mehr moderne Craft Beer-Kneipen, wo viele regionale Biere aus ganz Tschechien in großer Zahl angeboten werden. Ein neuer Trend ist aber auch, dass lokale tschechische Brauereien/Braugaststätten aus Gegenden weit außerhalb von Prag hier in der Metropole eine Filiale aufmachen.

Seit Anfang 2020 ist das Restaurant Sladovna (Mälzerei) der Pivovar Cvikov aus Cvikov (früher auf Deutsch Zwickau in Böhmen; nicht zu verwechseln mit Zwickau in Sachsen) ein gutes Beispiel dafür. Ähnlich hat es schon 2018 die Klosterbrauerei Osseg, über die wir hier berichteten, gemacht, als sie nach Prag Vinohrady zog. Die Filiale der Braugaststätte der Cvikov-Brauerei hat es nun in die Neustadt, genauer in die Vodičkova 12/5 in der Neustadt (Prag 2) und unweit des Neustädter Rathauses gezogen.

Mit dem Ableger hielt ein traditionsreiches gutes Stück Braukunst in Prag ein. Die Bürger von Cvikov durften Bürger 1560 qua königlichen Privileg auch offiziell (inoffiziell taten sie es garantiert schon vorher) Bierbrauen. Eine richtige Brauerei gab es ab 1731. Aber 1866, 1882 und 1909 wurde die Brauerei in drei Bauphasen erst zu einer richtig großen Bierfirma ausgebaut. Ein weiterer Ausbau erfolgte 1931; damals trugen viele der dort gebrauten Biere noch deutsche Namen wie z.B. „Bürgerbräu“. Nach dem Ende der Nazibesetzung 1945 wollte der Besitzer die Brauerei, die eine richtige Erfolgsstory war, noch einmal ausbauen und vergrößern. Aber so weit kam es nicht. Die Kommunisten, die 1948 die Macht erschlichen, enteigneten den Betrieb noch im selben Jahr. Sie wurde nun in den Mega-Staatsbetrieb Severočeské Pivovary in Ústí nad Labem eingegliedert, wo sie im Morast des sozialistischen Zentralismus ein Schattendasein fristete. Wie zu erwarten setzte eine Phase der Misswirtschaft ein. Und so schloss die Brauerei 1968 ihre Pforten. Die alten Brauereigebäude wurden als Autogarage, Werkstatt, Lager oder Diskothek missbraucht. Überall sah man Verfall. Das war das Ende – aber gottlob nur vorübergehend. 2013 – als man schon kein Lebenszeichen in den Hallen mehr erhoffte – erwarb der Investor Jiří Jakoubek die alten Anlagen und ließ sie mit Hilfe des erfahrenen Brauunternehmers Viktor Tkadlec auf Vordermann bringen.

In Cvikov selbst wurde die Brauerei-Gaststätte schnell der „Platzhirsch“ (mit einem eigenen Hotel dazu) und in der unmittelbaren Umgebung fand es in anderen Kneipen rasch Absatz. Die Cvikov Brauerei ist nun ein regionaler Champion. Nun griff man nach Prag aus. Dort ist die Konkurrenz größer als in Cvikov. Man wird sehen, wie sie sich behauptet. Gut aufgestellt ist man allemal. Braumeister Martin Čech liefert ein breites Angebot von 4 bis 6 gezapften Bieren, die sich allesamt nicht an aktuellen Modetrends (wie das zur Zeit bei jungen beliebte Pale Ale) orientieren, sondern feinste Traditionsbraukunst mit sehr süffigen und malzigen Bieren in den Mittelpunkt stellen – etwa das mit 8% Stammwürze sehr leichte und sommerliche Sklář oder das mit 13% stärkere halbdunkle Sváteční, das einen etwas hopfigeren Unterton hat. Eine Auswahl sieht man schon oben auf dem großen Photo oben – auch ohne Geschmacksprobe bietet sie schon einen optisch farbenfrohen Eindruck.

Hinzu kommt das Essen, das in der Regel gehobener „böhmischer Klassik“ entspricht -so wie der Tatarák im Bild oben. Viele tschechische Traditionsgerichte werden dabei etwas moderner präsentiert, wie man vorne auf dem Bild rechts sieht. Die tschechische Entenbrust wird auf einem Salat serviert, was sehr lecker war. Auch etwas „jugendlichere“ Delikatessen, wie der wuchtige Burger im Hintergrund, werden angeboten. Das und die sehr moderne, aber durch Holzvertäfelung sehr gemütliche Einrichtung die Biertradition vom Lande zu einem Gewinn für Prag werden. (DD)

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