Der Mäzen im Innenhof

Man entdeckt ihn in der Regel nur durch Zufall, etwa wenn man einen Weg abkürzen will und dann den Weg durch einen Hinterhof nimmt. Da steht er dann plötzlich vor einem mit seinem eindrucksvollen Gabelbart: Josef Hlávka – Architekt, Staatsmann und Mäzen.

Er ist es, da er 1908 starb, natürlich nicht selbst in Person, sondern als bronzenes Denkmal. Nach Hlávka ist sogar eine der Prager Brücken benannt, als so bedeutetend wird er gemeinhein erachtet. Dass sein Denkmal nun hier so versteckt sein Dasein fristet, verwundert. Es erklärt sich halt nur dadurch, dass der Hinterhof in der Vodičkova 15-17 in der Neustadt (der hintere Hofausgang führt auf die Jungmannova 12-14) historisch eng mit seinem bleibendem Werk verbunden ist. Er steht zwar abgelegen, aber doch am richtigen Platz.

Hlávka trat vor allem in den 1860er Jahren als Architekt und Baumeister auf. Er realisierte in Wien zum Beispiel die Hofoper (heute Staatsoper). Der Denkmalschutz lag ihm besonders am Herzen und so wurde er 1864 zum Konservator der österreichischen Centralkommission für die Denkmalpflege. In Prag unterhielt er einen Salon, in dem sich die Großen der Großen der tschechischen Kultur, darunter Antonín Dvořák, trafen. Er förderte die Künste, wo er konnte und gehörte zu den Gründern der Akademie der Wissenschaft und Künste. Das machte ihn so populär, dass er 1883 in das österreichissche Parlament, dem Reichsrat gewählt wurde. Die Wahl in den Böhmischen Landtag erfolgte 1886. Und 1891 machte ihn der Kaiser sogar zum lebenslangen Mitglied des Herrenhauses (dem damaligen österreichischen Oberhaus).

Sowohl seine erste Ehe mit der 1882 verstorbenen Anna Stach als auch seine zweite Ehe mit Zdeňka Havelková blieben kinderlos, sodass er 1904 beschloss, sein beträchtliches Vermögen der von ihm gegründeten Stiftung von Josef, Marie und Zdeňka Hlávka (Nadání Josefa, Marie a Zdenky Hlávkových) zu vermachen. Es handelte sich um ein Förderwerk für arme, aber talentierte Studenten und Nachwuchswissenschaftler. Sie kann auf eine stolze Geschichte zurückschauen, denn sie überlebte die Monarchie der Habsburger, die Erste Republik, die Nazibesetzung und den Kommunismus (wenn auch nur formal unabhängig) unbeschadet. Und sie vollbringt immer noch ihr segensreiches Werk. Hlávka kann stolz von seinem Sockel auf sein Erbe schauen.

Auf dem steht er erst eine erstaunlich kurze Zeit. Das Denkmal wurde zwar schon 1912 bis 1914 von dem Bildhauer Josef Mařatka entworfen und ein Modell wurde 1920 im Gemeindehaus aufgestellt. Aber erst 1994 goß man die nunmehr hier im Hinterhof stehende etwas überlebensgroße Statue Hlávkas, die auf einem steinernen Sockel steht.

Das ist natürlich nicht irgendein Hinterhof, es ist vielmehr der Innenhof des von Hlávka noch selbst im Neorenaissancestil erbauten Hauses der Hlávka-Stiftung (Hlávkův dům), dort wo die Stiftung auch ihren Sitz hat. Im Durchgang, der von der Vodičkova zum Hof führt, hängen an beiden Seiten je eine Gedenktafel aus Marmor, die seinen Leistungen als Architekt und Gründer der Wissenschaftsakademie (kleines Bild links) und als Gründer seiner Stiftung für bedürftige Studenten (kleines Bild rechts) erinnern. Hlávka lebt also in seinen Werken noch immer fort. (DD)

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