Wahre Kunst mit lokalem Bier

Nachtrag 9. Dezember 2020: Dank der recht erratischen Anti-Covid-Maßnahmen der tschechischen Regierung in diesem Jahr (willkürliche Ausschankverbote, Lockdowns etc.) ist die hier beschriebene Craft-Beer-Kneipe leider in den Bankrott gegangen und existiert nicht mehr. Das ist ein Verlust, der traurig stimmt.

Biergaststätten mit „Craft Beer“ sind derzeit überall in der Welt der letzte Schrei. Das sind Lokale, in denen nicht das Bier von Großbrauereien zum Zuge kommt, sondern oft eine große Vielzahl von Besonderheiten kleiner lokaler Brauereien. Ein nettes Beispiel bei uns in der Nähe Zubatý Pes, was etwa so viel bedeutet wie „Bezahnter Hund“.

Das Lokal liegt in Vinohrady (Prag 2) ganz nahe am Náměstí Míru (Friedensplatz) an der Slezská 1357/1. Erst seit dem letztem Jahr befindet sich das Zubatý Pes hier in den kleinen und engen, dafür zweistöckigen Räumlichkeiten (großes Bild oben). Vorher war hier eine andere Bierkneipe angesiedelt. In der Bierszene sind die Dinge halt im wahrsten Sinne des Wortes immer im Fluß…

Warum das Lokal so heißt, wie es heißt, entzieht sich meiner Kenntnis. Zumindest fällt der Name auf. Und Auffälligkeit ist bekanntlich schon die halbe Miete in Sachen Werbewirksamkeit. Außerdem mögen die Tschechen bekanntlich Hunde, weshalb die Idee, einen Hund in die Corporate Identity einzubeziehen, grundsätzlich schon einmal nicht schlecht ist. Ein breit grinsender Hund, der frohgemut seine Zähne zeigt, ist folglich auch das Logo des Hauses. Ein wenig erinnert der Logo-Hund des Zubatý Pes an den amerikanischen Trickfilm-Hund Scooby-Doo. Das mag aber schierer Zufall sein.

Zwei Dinge machen das Zubatý Pes zur Besonderheit. Zum Ersten: Natürlich das Bier! Das Publikum ist in der regel reichlich jünger als wir, weshalb auch etliche modische/nicht-traditionelle ausländische Biersorten (belgische Biere, Pale Ales etc.) vertreten sind. Aber das macht nur einen Teil der 24 (in Worten: vierundzwanzig) wechselnden Biersorten aus, die hier frisch gezapft (!) werden. Interessant ist vor allem nämlich die Fokussierung auf Kleinbrauerein der Prager Vororte und Randgebiete, die man als Kenner der Innenstadtbereiche selten zu sehen oder gar zu schmecken bekommt.

Ohne das Zubatý Pes würde der Innenstädter vielleicht gar nichts erfahren von der Brauerei Cobolis. Die befindet sich im Stadtteil Kobylisy (Cobolis ist die lateinisierte Bezeichnung des Ortstteils) und braut das dunkle Weizenbock, das in Tschechien etwas anders schmeckt als sein deutscher Namensvetter – etwas weniger süß, dafür etwas mehr säuerlich; eher wie belgische Weizenbiere. Man sieht es im kleinen Bild oberhalb. Oder auch – um ein zweites von vielen Beispielen zu nennen – die Brauerei Antoš aus der etwas nördlich von Prag gelegenen Kleinstadt Slaný, die u.a. das oben abgebildete Lagerbier braut, das sich durch einen angenehmenen milden Geschmack auszeichnet (sprich: es ist nicht überhopft).

Zum Zweiten: Die Einrichtung. Die ist gemütlich. Und, überall an den Wänden hängen gerahmte Kopien berühmter Gemälde aus aller Welt. Erst bei näherem Hinschauen bemerkt man, dass die abgebildeten Personen alle ein Bierglas in der Hand halten. Links sieht man das berühmteste Gemälde des amerikanischen Malers James McNeill Whistler, nämlich das Portrait seiner Mutter. Selbst Nichtkenner in Sachen Kunst kennen es aus dem ersten Mr- Bean-Film (1997) von Rowan Atkinson. Auch die Mutter scheint gerne im Zubatý Pes ein Bierchen zu kippen. Eine witzige Idee. (DD)

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