Auf den Spuren Jaroslav Hašeks IV: Geburtsort in der Gendarmeriewache

Er war ein böhmischer Bohémien (ja, dieser Kalauer würde sich auf Französisch – „bohémien bohémien“ – natürlich besser machen!), der gute Jaroslav Hašek. Ein verkorkstes Genie, das sich an keine konventionellen Normen hielt. Und er war der Autor der berühmten Osudy dobrého vojáka Švejka za světové války (Die Erlebnisse des guten Soldaten Schwejk im Weltkrieg), die ihn unsterblich machten. Und er war vor allem ein waschechter Prager…

Und hier in Prag findet sich auch sein Geburtshaus, das sogenannte Haus der Familie Jaroslav Hašeks (rodný dům Jaroslava Haška) in der Školská 1325/16 (Neustadt). Der wohl berühmteste und möglicherweise anarchischste Schriftsteller des Landes sah hier als Sohn eines (wie später sein Sohn zur Trunksucht neigenden) Oberschulhilfslehrers am 30. April 1883 erstmals das Licht der Welt. Kurz: Hier begann das sehr unstete Leben eines Menschen, der feste Anstellungen und feste Bindungen nie liebte, als Hundedieb, Bigamist und zeitweiser Bolschewist (wenn nicht gar Landesverräter), als Trinker und Angeber, aber vor allem als das große literarische Genie bekannt wurde, dem man dafür gerne alles andere vergab.

Auch das Haus, in dem er geboren wurde, hat so seine Geschichte. Es wurde 1842 anstelle eines früheren Hauses im spätklassizistischen Stil erbaut (und seitdem durch mehrere Umbauten leicht verändert). Schon kurz nach Fertigstellung diente es lange als Gendarmeriewache. Das ein solcherart zweckbestimmtes Gebäude dereinst das Geburtshaus Hašeks werden konnte, erstaunt jedermann, der weiß, wie sehr der Schriftsteller jedwede Obrigkeit ablehnte und mit Hohn überzog. Aber man kann sich ja seinen Geburtsort nicht aussuchen.

Heute ist man hier sicher stolz auf den berühmten Sohn des Hauses. Eine mit einer Portraitbüste versehene metallene Gedenktafel, deren Aufschrift besagt, dass der Schriftsteller hier geboren wurde, brachte man 1958 über dem Eingang an. Sie ist das Werk des akademischen Bildhauers Václav Vokálek, einem Schüler des ungleich berühmteren Bildhauers Jan Štursa.

2002 wollte der Eigner das architektonisch nicht allzu bedeutende Gebäude abreißen und durch ein neues Gebäude ersetzen lassen. Eine švejkianisch inspirierte Bürgerinitiative schaffte es aber noch gerade rechtzeitig, bei der Statdverwaltung einen Antrag auf Anerkennung als Kulturdenkmal durchzupeitschen. Und so steht Hašeks Geburtshaus hier immer noch. (DD)

Siehe auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks I: Die Partei des gemäßigten Fortschritts im Rahmen des Gesetzes

Und auch: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks II: Im U Kalicha

Ebenso: Auf den Spuren Jaroslav Hašeks III: Das Denkmal

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