Mozarts Film-Haus

Durch diese Tür verlässt er gerade sein Haus, der geniale, aber moralisch etwas haltlose Wolfgang Amadeus Mozart. Vielleicht, um seinen Freund Antonio Salieri besuchen? Er ahnt ja nicht, dass der schon längst einen grausamen Mordplan ausgeheckt hat…

Nun, weder hat Salieri Mozart umgebracht, noch hat Mozart wirklich in diesem Haus gelebt. Das Haus spielte diese Rolle als Mozart-Domizil nur als Drehort in dem berühmten Film Amadeus, den der tschechisch-amerikanische Regisseur Miloš Forman 1984 drehte – einer von vielen Drehorten in Prag (siehe u.a. frühere Beiträge hier, hier, hier und hier). Mozart zieht hier im Film nach seiner Hochzeit mit Konstanze ein.

Die Idee, dass Salieri auf den talentierteren Mozart so neidisch gewesen sei, dass er Mordgelüsten freien Lauf ließ, entstammt einem (völlig fiktiven) Einakter-Stück von Alexander Puschkin (1832). In dem bereits „Amadeus“ titulierten Drama von Peter Shaffer (1979), das die Idee noch einmal kräftig phantasievoll ausbaute, fand Forman dann die Vorlage für seinen Film. Und der ist – ganz gleich, ob die Mordgeschichte stimmt oder nicht – schlichtweg großartig, nicht zuletzt wegen seiner schönen Szenerien. Und das wiederum liegt nicht zuletzt an den so zeithistorisch authentischen Drehorten in Prag – der Stadt, die Mozart so liebte und der er seine Prager Symphonie gewidmet hatte.

Womit wir wieder beim „Mozart-Haus“ am Hradčanské náměstí 68/7 mitten im Burgbezirk (Hradčany) sind. Es ist seitlich mit einer hohen Mauer verbunden, hinter der sich ein kleiner Garten befindet. Von außen erinnert wenig daran, dass hier schon im Mittelalter ein Haus stand, das in der Renaissance grundlegend umgebaut wurde. Denn seine heutige spätbarocke Form erhielt das zweistöckige Gebäude im wesentlichen bei einer umfassenden Erneuerung im Jahre 1776, die möglicherweise von dem bekannten Architekten Johann Ignaz Palliardi durchgeführt wurde.

Damit passt es gerade genau in die Zeit Mozarts und vielleicht ist der Komponist tatsächlich hier einmal vorbeigeschlendert, während er über die Overtüre des Don Giovanni sinnierte, und hat das gerade fertiggestellte Haus bewundert. Wer weiß?

Zu dieser Zeit nannte man das Gebäude Residenz des Kapitels (Kapitulní rezidence), womit das Domkapitel des nahegelegenen Veitsdoms gemeint war, oder auch Kanonisches Haus (Kanovnický dům). Das Domkapitel nutzt das Haus schon lange nicht mehr, aber das Aussehen ist immer noch davon geprägt. Oben auf dem Dach thront zum Beispiel der Heilige Nepomuk. Der hatte in Mozarts Zeiten gerade in Böhmen seinen Aufstieg zum Nationalheiligen konterreformatorischer Prägung hinter sich gebracht (siehe hier) und fehlte selten bei katholisch-kirchlichen Gebäuden.

Darunter – im Tympanon des Giebels – findet man das Wappen des Prager Bistums. schön in Stuck gearbeitet und vergoldet in eine Rokoko-Kartusche gerahmt. Das weist es als Haus des Domkapitels, also als Kirchenbesitz aus. Zur Zeit Mozarts und der barocken Umgestaltung des Hauses war Anton Peter Graf Příchowský von Příchowitz der Erzbischof von Prag. Er rüstete den Burgbezirk im großen Stil mit kirchlichen Administrativbauten auf, in dem er zum Beispiel das ebenfalls am Burgplatz befindliche Erzbischöfliche Palais (wo übrigens auch Szenen für „Amadeus“ gedreht wurden) bauen ließ. Der Ausbau des Domkapitels war ein Teil dieses Projekts.

Und über der Tür befindet sich eine kleine Kartusche, in denen sich gleich zwei christliche Symbole aus der Bibel finden. Das eine ist der Anker, der in Hebräer 6:19 als Symbol der Hoffnung („Hoffnungsanker“) verwendet wird. Darüber befindet sich die Taube, die in der Bibel u.a. in Johannes 1:32 als Symbol des Heiligen Geistes dient. In den Filmeinstellungen bei „Amadeus“ wird dieser klerikale Aspekt des Hauses nicht so recht deutlich gemacht – verständlich angesichts der freigeistigen und freimaurerischen Ansichten des großen Komponisten. (DD)

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