Koscher Essen und Trinken in Josefov

Es liegt ganz angemessen in der Široká 55/8 im Stadtteil Josefov, inmitten des alten Judenviertels der Stadt: Das King Solomon. Es gilt als das älteste existierende koschere Restaurant in Prag.

Mit diesem Status wirbt es auch mit sehr traditionell alt aussehenden Bannern, die an der Tür angebracht sind. Tatsächlich wurde das Restaurant aber erst 1990 eröffnet. Es ist also eigentlich recht neu, während Prag doch eigentlich über eine Jahrhunderte zurückreichende jüdische Kultur verfügt. Das hat etwas mit der Tragödie der Nazibesetzung zu tun, die auch dazu führte, dass es keine weiter zurückreichende jüdische Gastronomietradition mehr gibt. In der kommunistischen Zeit gab es einen latenten Antizionismus, der die Gründung neuer Restaurants nach 1948 verhinderte. Es gab nur eines im Jüdischen Rathaus (früherer Beitrag hier), und das soll wenig mehr als die dortige Kantine gewesen sein. Aus Sicherheitsgründen – leider ist die Welt noch immer nicht vor Antisemitismus gefeit – konnte das aber nach 1989 nicht mehr öffentlich betrieben werden, weshalb der Betrieb eingestellt wurde.

Und so ist das King Solomon tatsächlich das älteste koschere Restaurant in Prag. Die Einrichtung des Restaurants ist ein wenig im orientalischen Stil gehalten und vermittelt eine gepflegte, aber urige Gemütlichkeit, die den Ort traditioneller und älter aussehen lässt als er tatsächlich ist.

In einer Nische findet sich eine sitzende Statue des Namensgebers, König Salomo. Für kleinere festliche Anlässe gibt es im hinteren Bereich einen separaten Raum. Alles vermittelt einen Eindruck eines Restaurants der gehobenen Klasse.

Unter den Speisen, die hier serviert werden, findet man ab und an „klassische“ jüdische Spezialitäten wie Gefilte Fisch, aber das ist gar nicht der Punkt. Es gibt da einen feinen Unterschied: Das King Solomon präsentiert sich als koscheres, nicht als jüdisches Restaurant. Tatsächlich dominiert moderne internationale Küche, wie etwa die hier abgebildete gegrillte Dorade, die in der Tat sehr lecker war.

Die muss aber nach dem Kaschrut, den jüdischen Speise- und Reinheitsgesetzen zubereitet werden. Dafür gibt es sogar ein von einem Rabbiner ausgestelltes Zertifikat. Der Besitzer, die Firma Samson Kosher Food Corporation Ltd., beschäftigt sogar zwei dafür gut ausgebildete Rabbiner, die die Beschaffung und Verarbeitung der Zutaten skrupulös überwachen.

Das alles gilt nicht nur für das Essen, sondern auch für das Trinken. Die angebotenen Weine stammen überwiegend aus Israel (siehe großes Bild oben) oder, falls dies nicht der Fall ist, vereinzelt auch aus anderen, aber unbedenklichen Quellen. Die israelischen Weine sind durchaus passabel. Das ganze ist natürlich sehr aufwendig, weshalb man durchaus eine Menge Geld dort lassen kann – andernorts würde man möglicherweise die gleiche Qualität, wenngleich nicht koscher, preisgünstiger bekommen.

Um sich richtig auf eine Besichtigung des ehemaligen jüdischen Ghettos in Josefov einzustimmen, ist das King Solomon gewiss der angemessene Ort. Das Restaurant bietet übrigens selbst Besichtigungstouren an, die man eben durch den Genuss adäquater Cuisine innerlich vertiefen kann. (DD)

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