Luxus oder Fremdkörper?

Wer von der Letná Höhe den Ausblick über die Moldau auf die ganze Altstadt genießt, wird den Anblick meist eher als optische Dissonanz wahrnehmen. Die Rede ist vom berühmten Hotel InterContinental direkt am Ufer des Flusses (Pařížská 43/30). Als das einzige Gebäude im Stile des in der kommunistischen Ära beliebten Brutalismus an dieser Stelle, fällt es schon ein wenig als Fremdkörper im Stadtbild auf.

Zumindest hat man für den Bau keine älteres Gebäude von historischem Wert abgerissen. An der Stelle, wo heute das Hotel steht, war durch einen Bombenangriff im Jahr 1944 eine riesige Lücke gerissen worden, die im Zuge eines durchaus durchdachten und an die Umgebung angepassten Plans gefüllt wurde. Das Hotel entstand in den Jahren 1968 bis 1974 basierend auf den Entwürfen der Architekten Karel Filsak, Karel Bubeníček und Jaroslav Švec. Sie entwickelten eine aus verschiedenen rechteckigen Quadern zusammengesetzte Struktur, die aus Stahl und Beton besteht – wie es in der Zeit nicht nur im kommunistischen Bereich üblich war.

Es verfügt über 372 Zimmer, etliche Luxussuiten und Tagungssäle und auch noch je ein Restaurant im oberen Bereich und im Erdgeschoss, die eine fantastische Aussicht über Altstadt und/oder Moldau bieten.

Im Foyer sind leider nur noch wenige Reste der ursprünglichen Skulpturengruppe unter dem Titel „Zauberwald“ zu sehen – ein Werk des Bildhauers Miloslav Hejný, das einst das obere Restaurant schmückte. Mit ihren Schnitzereien aus dunklem Holz sollte es ein wenig an afrikanische Volkskunst erinnern. Das InterContinental war das erste internationale Luxushotel in Prag, und sollte deshalb ein wenig exotische Atmosphäre ausstrahlen. Auch nach westlichen Maßstäben der Zeit war es in jeder Hinsicht „state of the art“.

Obwohl es sich um einen für die Zeit typisches Gebäude handelt, bei dem Beton dominiert, hatten die Planer immerhin versucht, das Ganze in die Umgebung einzupassen. Die Höhe übersteigt nicht die der alten Gebäude in diesem Teil der Altstadt. Die rechteckigen Betonelemente wurden vertikal strukturiert, um mit der von Säulen und Pilastern beschmückten Architektur drumherum zu harmonieren. Dunkle Kacheln verstärken den Effekt ein wenig. Ganz mag das nicht gelungen sein, aber das Hotel ist nicht das Produkt eines völlig rücksichtslosen Brutalismus, wie er sonst oft in kommunistischen Zeiten üblich war. Ein Abriss stand nie ansatzweise zur Debatte.

Nach dem Ende des Kommunismus wurde das Gebäude 1992 bis 1995 von dem Architekten Roman Koucký außen renoviert und behutsam der neuen Zeit angepasst. 2002 erfolgte eine Renovierung im Innenbereich, die etwas größere Veränderungen zur Folge hatte, um den gewachsenen Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden. Nachts wird das Gebäude sehr geschickt an der Außenfassade beleuchtet, um den Eindruck einer vertikalen Strukturierung durch Säulen noch einmal verstärken soll. Schaut man dann von der anderen Seite der Moldau herüber, wirkt es fast schon richtig schön. (DD)

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