Kirche am Rande des Ghettos

Eine von vielen kleinen und oft von Besuchern übersehenen Kirchen in der Altstadt: Die Heilig Geist Kirche (Kostel svatého Ducha) in der Dušní in Prag 1.

Sie wurde in der großen Zeit der Gotik im Zeitalter Karls IV. erbaut, genauer gesagt, im zweiten Viertel des 14. Jahrhundert. Ursprünglich war sie Teil eines Klosters der Benediktinerinnen. Das Klosterleben kam allerdings zu Beginn des 15. Jahrhundert mit den Hussitenkriegen für einige Jahre zum Ende. Danach wurde der Klosterbetrieb zwar wieder aufgenommen, aber seine Bedeutung nahm immer mehr ab. Im 17. Jahrhundert erfolgte dann am Ende doch die Umwandlung der Heilig Geist Kirche in eine einfache Gemeindekirche.

Nach dem Großen Feuer von 1689 in der Altstadt wurde die Kirche wieder aufgebaut und dabei vorsichtig barockisiert. Die einschiffige Grundstruktur mit den originellen gestuften Stützpfeilern wurde aber beibehalten, so dass auf den ersten Blick das gotische Erscheinungsbild erhalten blieb. Im Inneren gewann die Kirche vor allem im späten 18. Jahrhundert ihre Gestalt. In dieser Zeit wurden einige andere Kirchen in der Umgebung geschlossen und etliche Ausstattungsteile – etwa die hölzerne Pìeta rechts – fanden in der Heilig Geist Kirche ein neues Zuhause.

Deshalb ist die Kirche gemessen an ihrer geringen Größe recht gut mit schönen Hochbarockaltären (vier insgesamt) ausgestattet. Der wichtigste davon ist natürlich der Hauptaltar, in dessen Mittelpunkt ein Gemälde des Barockmalers Johann Georg Heinsch steht, das den Heiligen Josef darstellt (großes Bild oben).

Und dann ist da noch ein beschämendes Kapitel in der Geschichte dieser Kirche. Sie liegt nämlich direkt am Rande des Jüdischen Ghettos von Josefov. Kaiser Ferdinand I. zwang im 16. Jahrhundert die Juden, in dieser Kirche an katholischen Gottesdiensten teilzunehmen. Zudem gab es das sogenannte „Glöckelgeld“. Das war eine Zwangsabgabe, die die Juden in Prag für das Läuten der Glocken der Kirche zum Zweck der Abwehr von Überschwemmungen und anderen Naturkatastrophen zu zahlen hatten. Erst 1785 wurde diese schändliche Zwangsmaßnahme im Zuge der Josephinischen Reformen abgeschafft. (DD)

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