Vor 70 Jahren: Milada Horákovás Hinrichtung

Heute vor genau 70 Jahren, am 27. Juni 1950, wurde im Gefängnis von Pancrác Milada Horáková nach einen perfiden stalinistischen Schauprozess hingerichtet. Die mutige Kämpferin für Freiheit und Frauenrechte war in der Zeit der Ersten Republik einer der Stützen der Demokratie im Lande gewesen. Von den Nazis wurde sie als Widerständlerin ins Konzentrationslager gesteckt. Nach ihrer Befreiung bekämpfte sie die Kommunisten, die mit ihrer Machtübernahme 1948 die die Demokratie abermals zerstören wollten. Die rächten sich an ihr, indem sie sie mit gefälschten Indizien für „Landesverrat“ an den Galgen brachten. Trotz Folter ließ sie sich beim Prozess – im Gegensatz zu vielen Mitangeklagten – nicht zu einer Selbstbezichtigung mit Huldigung der Kommunistenherrschaft bewegen, sondern beharrte auf ihren demokratischen Grundsätzen.

Milada Horáková ist für die Tschechen das Symbol für die Opfer des Kommunismus und den Heldenmut des Widerstands geworden. Nach kaum einer historischen Persönlichkeit sind so viele Straßen und Plätze benannt worden, für keine anti-kommunistische Widerstandskämpferin gibt es in Prag so viele Denkmäler (siehe u.a. frühere Beiträge hier und hier). Eines davon steht auf dem Heldenplatz (náměstí Hrdinů) im Stadtteil Pancrác – unweit des Gefängnisses, in dem sie ermordet wurde.

Das Denkmal wurde im Oktober 2009 enthüllt. Für die Aufstellung hatten viele Organisationen ehemaliger politischer Gefangener, Geschichts- und Gedenkvereine, darunter der Milada Horáková-Klub (Klub dr. Milady Horákové), gesammelt. Es wurde ein Künstlerwettbewerb ausgeschrieben und am Ende wurde das Denkmal für Milada Horáková und die Opfer des Kommunismus (so der ganze Titel des Werks) von den Bildhauern Ctibor Havelka, Milan Knobloch und Jan Bartoš und der Sockel vom Architekten Jiří Kantůrek realisiert.

Wie der Titel des Denkmals schon besagt, wird hier zwar Milada Horáková hervorgehoben, aber auch zugleich aller von den Kommunisten in der Tschechoslowakei hingerichteten politischen Gefangenen gedacht. Auf einer Tafel unterhalb des Sockels sind 234 Namen von Ermordeten verzeichnet. Schon bei der Einweihung wurde darauf hingewiesen, dass sich diese Liste wohl noch verlängern werde und die Entdeckung vergessener Opfer auch in Zukunft auf dem Denkmal Berücksichtigung finden werde.

Das ist ein Hinweis, dass die historische Erfassung der Opfer nicht immer so eindeutig erfolgen kann wie im Falle Horákovás selbst. Es gibt viele Grenzfälle. Sollen frühere Mittäter, die sich aber später gegen die Kommunisten wandten und ihr Opfer wurden, ebenbürtig neben Horáková geehrt werden? Das ist nur eine von vielen schwierigen Fragen.

Eine zusätzliche politische Wirrnis ergab sich kurz vor der Einweihung. Ausgerechnet die Kommunistische Partei Böhmens und Mährens (Komunistická strana Čech a MoravyKSČM) wollte mit einer Geldspende für das Denkmal den Anschein erwecken, für die Schandtaten der Kommunisten von damals Abbitte leisten zu wollen. Da sich die tschechischen Kommunisten auch nach 1989 nie wirklich demokratisch reformiert hatten und bis heute noch über einen veritablen stalinistischen Flügel verfügen, erhob sich dagegen erheblicher Protest von Verfolgtenverbänden.

Aufgstellt wurde das Denkmal trotzdem. In der von soziaistischer Plattenarchitektur aus den 1970er Jahren geprägten Umgebung wirkt der Platz wie eine idyllische Friedensoase, in deren Mittelpunkt nun im Schatten großer Bäume auf einem leichten Hügel stehend das Denkmal steht. Auf einem schräg nach vorne ragenden kantigen Granitsockel befindet sich die bronzene Büste von Milada Horáková, die so den Platz überschauen kann. (DD)


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