Wein de luxe

Prag – die Stadt der Weinberge. Das ist für die meisten Nicht-Prager, die bei der Erwähnung des Namens gleich an Bier denken, ein ungewohnter Gedanke. Aber, wie wir schon andernorts bemerkten, ist es gerade die reiche Weinkultur, die das Leben in dieser Stadt so lebenswert macht. Und wenn man die größte Luxusvariante davon sucht, muss man nur ein wenig aus der Stadtmitte herausfahren in den schönen Stadtteil Troja. Dort liegen Weinberg und Restaurant Salabka – ein wahrer Feinschmeckertempel.

Der Weinberg Salabka liegt in einem Areal, das auf eine lange Tradition des Weinbaus zurückblicken kann. Die meisten Weinberge in Böhmen entstanden im 14. Jahrhundert auf Anweisung Karls IV., der nicht zuletzt aus diesem Grunde im Lande noch als großer Herrscher verehrt wird. Der Weinbau in Troja (wo heute auch der Zoo liegt) wird allerdings schon im Jahre 1228 erstmals erwähnt, ist also mithin deutlich älter.

Der Weinberg Salabka (Adresse: K Bohnicím 2, 171 00 Praha 7) liegt ganz in der Nähe des anderen berühmten Weinbergs von Troja, dem von St. Klara (Vinice sv. Kláry). Einige der Gebäude darauf lassen sich bis ins 17. Jahrhundert datieren. Im 18. Jahrhundert gehörte das ganze Anwesen einem gewissen Jan Kašpar Salaba, der dem Weinberg letztlich bis heute seinen Namen gab.

Als 1948 die Kommunisten die Macht im Lande ergriffen, sah es erst so aus, als ob der Weinanbau auf der Salabka zerstört würde, aber Dank der Bemühungen des großen Önologen und Weinzüchters Vílem Kraus, der hier unter anderen eine ursprüngliche Riesling-Variante fand und wiederherstellte. In den Jahren 1953 bis 1955 wurde hier wieder der Weinbau vollumfänglich aufgenommen und es wurden neue Weinsorten – teilweise aus Frankreich – angesiedelt.

Und heute? Flächenmäßig ist Salabka mit 3,9 ha Anbaufläche der größte der Prager Weinberge, versehen mit einem reichen Blumenstrauß an verschiedenen Rebensorten. Schaut man von oben – das heißt dem modernen Stadtteil Bohnice – auf ihn herab, erschließt sich erst der Umfang. Umrahmt von Botanischem Garten und Moldau kann man von hier bis zur Burg auf dem anderen Moldauufer blicken.

Weinberge besucht man in Regel aber nicht nur zum Anschauen, sondern um darin einzukehren. Hier, so sei vorab gesagt, empfiehlt es sich (a) zu reservieren und (b) eine prall gefüllte Geldbörse bzw. reichlich gedeckte Kreditkarte mitzunehmen. Das Restaurant Salabka serviert nicht nur die feinen, von Winzer Tomáš Osička betreuten Weine des Anwesens, sondern gehört zu den Spitzenbetrieben der Prager Gastronmomie – inklusive lobender Empfehlung beim Guide Michelin. Chefkoch Petr Kunc sammelt internationale Auszeichnungen nur so. Es gibt nur eine kleine Speisekarte mit 2-3 Menus – ein Zeichen dafür, dass hier wirklich frisch gekocht wird.

Der Stil ist eher französisch, man erwarte hier also nicht typisch Tschechisches. Die Homepage macht auch klar, dass es kein Touristenlokal ist – auch in Sachen Dress Code: Ein Outfit in Smart Casual ist der Mindeststandard, den man von Gast erwartet. Und dass es nicht gerade billig ist, wurde bereits gesagt. Dafür entfachen die Menus, die in einem endlosen Strom kleiner Speisen serviert wird, ein wahres kulinarisches Feuerwerk. Alles ist raffiniert zubereitet und wird raffiniert präsentiert. Man erlebt einen Rundum-Sinnengenuss.

Dazu kann man sich eine passend ausgesuchte Weinfolge servieren – ob der Sylvaner von 2016, der Pinot noir rosé von 2016 (Bild links) oder der Neronet von 2013, es ist immer exzellenter Spitzenwein vom hauseigenen Weinberg. Ein besonderes Erlebnis ist auch der als Aperitiv genossene trockene Sekt von 2007, der fruchtig und doch spritzig daherkommt. Der „Hefebrand“ aus eigenen Trauben beschließt die Mahlzeit.

Das Gebäude des Restaurants wurde 2014 erbaut und schmiegt sich in Material (viel Holz und Naturstein) und Größendimension harmonisch in die bauliche und natürliche Umgebung des alten Weinguts ein. Die Inneneinrichtung kombiniert Modernität, Geschmack und die für ein Winzerrestaurant nötige Gemütlichkeit. Im Sommer sollte man es nich nicht nehmen lassen, draußen auf der Terrasse zu sitzen und am Abend den Sonnenuntergang über dem Weinberg zu genießen. Schöner kann das Leben kaum noch sein. (DD)

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