Preisgekrönter Bankpalast

Es ist eines der ersten Gebäude in Prag mit Stahlbetondecken und Flachdach. Und nicht nur innovativ, sondern auch ein wenig protzig-monumental wollte der Wiener Bankverein seine Filiale hier haben. Deshalb heißt das riesige vierstöckige Haus der Bank in der Na Příkopě 390/3 (Altstadt in der Nähe des Wenzelsplatzes) auch Palast des Wiener Bankvereins (Palác Vídeňské bankovní jednoty).

Erbauen ließ man es von dem Architekten Josef Zasche in den Jahren 1906-1908. Im Jahre 1910 erhielt der Architekt für seinen Entwurf des Bankhauses den Preis für das beste und modernste Gebäude in ganz Österreich-Ungarn im Zeitraum 1900-1910. Das ist gewiss eine Ehre, vor allem wenn man sieht, wieviele bedeutende Werke der modernen Architektur in dieser Zeit in Prag alleine erbaut wurden

Mit Granit ist die Fassade überzogen und dahinter befindet sich eine Stahlkonstruktion, die mit Ziegeln ausgefüllt ist. Das war Technik auf neuestem Stand.

Entsprechend modern war auch der künstlerische Stil, ein in Art Dèco und Expressionismus übergehender Spätjugendstil. Heutzutage fällt das Gebäude vielleicht dem normalen, an die strenge Funktionalität von Architektur gewöhnten Betrachter nicht mehr als etwas so Besonderes auf, aber damals betrat man in Prag hier echtes Neuland in Sachen moderner Architektur..

Und dann ist da noch die skulpturale Ausschmückung. Oben auf dem Tympanon des Daches stehen zwei Statuenpaare mit je zwei Männergestalten, die jeweils das Logo der Bank tragen. Sie sind aus Bronze und nehmen ein wenig den Brutalklassizismus der späten 1920er und 1930er Jahre vorweg.

Direkt darunter sind die Fenster des obersten Stockwerks von einer bronzenen Relieffläche umgeben, die allegorische Szenen aus dem Wirtschaftsleben zeigen. Der untere Teil des Gebäudes ist hingegen sehr schlicht gehalten; nur die Platten und die angedeuteten Pilaster strukturieren die Fassade.

Erst beim Eingang findet man wieder Skulpturen. Die beiden archaisch anmutenden steinernen Gestalten, die den Eingang als Karytiden rahmen, sind wahrscheinlich das, was den Passanten am ehesten an diesem Gebäude auffällt – für alles andere muss man sich den hals verrenken und weit nach oben schauen. Die beiden bärtigen Männer haben je zwei Greifvögel zwischen den Beinen stehen. Die tiefgründig daherkommende Symbolik dahinter bleibt ein wenig rätselhaft, aber das Ganze wirkt schon sehr bezwingend.

Die gesamte skulpturale Ausstattung stammt übrigens von dem damals sehr bekannten und promnenten Wiener Bildhauer Franz Metzner, dem die Welt unter anderem das Völkerschlachtsdenkmal in Leipzig verdankt. (DD)

Kommentar verfassen

Trage deine Daten unten ein oder klicke ein Icon um dich einzuloggen:

WordPress.com-Logo

Du kommentierst mit Deinem WordPress.com-Konto. Abmelden /  Ändern )

Google Foto

Du kommentierst mit Deinem Google-Konto. Abmelden /  Ändern )

Twitter-Bild

Du kommentierst mit Deinem Twitter-Konto. Abmelden /  Ändern )

Facebook-Foto

Du kommentierst mit Deinem Facebook-Konto. Abmelden /  Ändern )

Verbinde mit %s