Palast mit Opernsängerinnen

Auf der Kleinseite wimmelt es nur so von Palästen alter Adelsgeschlechter, die im Schatten der oben auf dem Berge thronenden Burg hofften, dass ein wenig vom Ruhm der dort herrschenden den Habsburger auf sie herabfiel. Der Kaiserstein Palast (Kaiserštejnský palác) ist eines dieser Bauwerke und es ist zentral auf dem Kleinseitner Ring (Malostranské nám. 23/37) gelegen.

Franz Helfried von Kaiserstein – dessen Familienwappen oberhalb des ersten Stocks an der Fassade prangt – ließ ihn sich an dieser prominenten Stelle 1714 auf der Stelle zweier älterer Häuser erbauen. Spuren der alten Häuser finden sich noch immer im Gebäude – so so soll es einige gotische Kellergewölbe im Keller und etliche bemalte Deckenbalken aus der Zeit der Spätrenaissance im hinteren Gebäudeteil geben.

Mit der Planung des Palastes beauftragte Kaiserstein den Architekten Giovanni Battista Alliprandi, der auch den unmittelbar in der Nähe gelegenen Palais Sternberg entworfen hatte (früherer Beitrag hier). Ausgeführt wurde der Bau wahrscheinlich durch den Baumeister und Architekten Christoph Dientzenhofer (siehe u.a. früheren Beitrag hier). Beide gehörten zu den großen Meistern des böhmischen Barocks und der Barockstil prägt natürlich auch die Fassadenansicht des dreistöckigen Gebäudes.

Die Fassadenstruktur ist schlicht gehalten und nicht einmal ein Tympanon (Giebeldreieck) wurde auf dem Dachabschluss angebracht. Auf der Dachkante stehen allerdings Skulpturen, die möglicherweise ein Werk des Bildhauers Ottavio Mosto sind. Sie stellen in allegorischer Form die vier Jahrzeiten dar. Sie sind äußerlich die auffälligste Dekoration des Palastes.

Neue Besitzer kamen und vor allem drinnen wurde immer wieder umgebaut, um den Bedürfnissen der neuen Besitzer entgegenzukommen. So lebte hier unter anderem der berühmte österreichische Feldmarschall Radetzky, der seine Berühmtheit nicht nur seinen militärischen Leistungen, sondern auch der bekannten Melodie des Radetzky-Marsches verdankt.Er verbrachte seine Kindheit hier und man enthüllte später im Jahre 1859 zu seinen Ehren ein großes Denkmal, das vor dem Palast stand, aber mit der Gründung der Republik 1918 verschwand.

Vor der Denkmalseinweihung diente des Gebäude als Hotel und gehörte einem gewissen Václav Petzold, weshalb es eine zeitlang nicht mehr Kaiserstein Palast hieß, sondern U Petzoldů (Bei Petzold). Berühmter als Petzold selbst war aber seine Frau, Marie Petzold-Sitt. Die war ein Star der Opernbühne und durfte zum Beispiel bei der Uraufführung von Smetanas Oper Der Kuss die Hauptrolle singen. Danach ging es geschäftsmäßiger zu. 1845 zog hier für einige Zeit der Tschechische Sparkasse (Česká spořitelna) ein, die das bisher barocke Interieur in ein klassizistisches umwandeltn ließ – was dem damaligen Trend entsprach. Einige Spuren davon finden sich immer noch im Gebäude, etwa die bronzenen Statuen im Treppenhaus, die verschiedene Allegorien auf Gewerbe und Wissenschaft (kleines Bild links) darstellen.

In den Jahren 1908 bis 1914 kam aber wieder die Opernkunst zum Zuge. In dieser Zeit wohnte hier die damals bekannte Opernsängerin Ema Destinnová. Die war in ihrer Zeit ein solcher Weltstar, dass sie 1904 sogar mit dem legendären Enrico Caruso singen durfte, der sich angeblich in sie verliebte und (erfolglos allerdings) um ihre Hand anhielt. Eine bronzene Büste des Bildhauers Jan Simota aus dem Jahre 1978, die unten an der Fassade angebracht ist, erinnert an sie.

Zu dieser Zeit – genauer gesagt: bereits 1977 – hatten die Architekten Zdeněk Pokorný und Jaroslav Bělský einige der Änderungen der Sparkasse rückgängig gemacht und das Innere des Gebäudes, das 1964 unter Denkmalschutz gestellt worden war, wieder an seinen ursprünglichen barocken Zustand angenähert. Dazu gehört vor allem die Wiederherstellung der Arkaden vor dem Gebäude, deren Bögen im 19. Jahrhundert geschlossen worden waren.

Und neobarocke Stuckaturen prägen heute den allgemeinen Eindruck des Ganzen, der harmonisch durch einige Teile der klassizistischen Einrichtung aus dem 19. Jahrhundert ergänzt wird. Dazu gehören insbesondere die etlichen wunderschönen Kachelöfen, von denen man ein Beispiel auf dem kleinen Bild rechts sehen kann.

Nach dem Ende des Kommunismus übernahm die Tschechoslowakische Industrie- und Handelskammer eine zeitlang den Palast. Heute fungiert es vor allem als stilvolles, aber modernes Konferenz- und Veranstaltungszentrum, das immer noch ein wenig den Geist des einstigen Adelspalastes atmet. In einer Konferenzpause kann man sich auf den kleinen von zierlichen Gittern geschmückten Balkon über dem Erdgeschoss begeben und den Ausblick über den schönen Platz des Kleinseitner Rings hinauf auf die Burg genießen. (DD)

4 Gedanken zu “Palast mit Opernsängerinnen

  1. Hallo nach Prag! Bei Ihren tollen Beiträgen und Fotos bedauere ich öfters, dass man die Bilder nicht durch Anklicken vergrössern kann (schlecchte Augen).Eigentlich passiert das automatisch, wenn man die entsprechenden Einstellungen in der Mediathek wählt. Vielleicht läßt es sich ermöglichen. Frohe Pfingsten!

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