Bärchen für Metallwaren

Die kleinen schwarzen Bärchen findet wohl jeder putzig, der an diesem Haus vorbei geht. Es liegt in der Straße des 28. Oktober (28. října, Nr. 375/9) ganz nahe des westlichen Endes des Wenzelsplatzes.

Weshalb die Bären? Nun es handelt sich um das alte Gebäude der Berndorfska továrna na kovové zboží (Berndorfer Metallwarenfabrik), deren Name in feinen Jugendstillettern das Gebäude auch heute noch schmückt. Und die Bären sind natürlich Anspielungen auf den der Namen der Firma, die ihren Hauptsitz im niederösterreichischen Berndorf hatte, die wiederum einen schwarzen Bären im Stadtwappen trägt.

Das Gebäude wurde in den Jahren 1896 bis 1898 von den Architekten Quido Bělský und Eduard Sochor (wir stellten ihn schon hier vor) erbaut. Es handelt sich um ein Haus mit fünf Etagen, von denen die oberste in der Mansarde liegt. Die Dachgaube auf der linken Seite (vom Betrachter aus gesehen) sorgt für einen asymmetrichen Eindruck.

Der Stil entspricht dem damals modernen (historistischen) Neo-Barock mit etlichen Stilelementen des damals ebenfalls modernen Jugendstils.

Vor allem ist das Haus aber ästhetisch dem Zweck untergeordnet, für die Firma bzw. für Metallwaren im allgemeinen zu werben. Die Fassade ist nämlich recht ansprechen horizontal und vertikal durch Metallelemente strukturiert. Horizontal verlaufen zwischen den Stockwerken zierliche Gitterbalkons – die über dem ersten und dritten Stock durchgehend, die dazwischen unterbrochen. Besonders schön entfalten sie sich unterhalb der Dachgaube (kleines Bild links).

Noch auffälliger sind die schwarzen ionischen Pilaster, die wiederum das Erdgeschoss (wo die Verkaufsräume lagen) vertikal strukturieren. Sie sind nicht, wie sonst bei historisierenden Gebäuden der Zeit üblich, Teil des Fassadenstucks. Vielmehr sind sie mit ihren auffälligen Zierkanten aus schwarzem Edelstahl hergestellt und dann aufgesetzt worden. Sie bilden optisch mit den Bären, die zwar nicht aus Metall bestehen, aber die gleiche Farbe aufweisen und von einem Metallrahmen umgeben sind, eine ästhetisch geschlossene Einheit.

Darüber sollte man andere kleine Details nicht vergessen, auch wenn sie ganz konventionell aus Stuck bestehen. Dazu gehört zum Beispiel der eine Schlange verspeisende Reiher in der Dachgaube. Kurz: Das Haus ist einer von vielen Belegen, die man in Prag dafür findet, dass sich dereinst kommerzielle Architektur und ansprechende und ideenreiche Ästhetik nicht widersprechen müssen. (DD)

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