Wo Mozart residierte und komponierte

Das ist der eigentliche Mozart-Ort in Prag. Hier vollendete der Komponist seine große Oper Don Giovanni. Prag war überhaupt Mozarts Lieblingsstadt. Hier liebte ihn auch das Publikum weit mehr als im schnöden Wien. „Meine Prager verstehen mich“, soll er einmal frohlockt haben. Und hier in der Bertramka fand er Muße für seine Kompositionen bei Menschen, die ihn verstanden und schätzten.

Das schmucke Landhaus im Stadtteil Smíchov wurde im 17. Jahrhundert als Anwesen eines Weinguts erbaut, das etwas später einem gewissen František Bertramský gehörte – was dem Haus den Namen gab. In der zweiten Hälfte des 18. Jahrhunderts wurde es in dem italienisch geprägten klassizistischen Stil umgebaut, in dem Mozart es kennenlernte und in dem wir es im Kern heute noch bewundern können. 1784 kaufte der mit Mozart befreundete Komponist František Xaver Dušek zusammen mit seiner Frau, der Opernsängerin Josefina, das Anwesen. Wenn sich Mozart in Prag aufhielt, tat er es fortan meist im Hause des Ehepaars, das erste Mal 1786.

Im Herbst 1787 bereitete hier dann Mozart die erste Aufführung des Don Giovanni vor, die dann im Ständetheater stattfand. Auch die erste Prager Aufführung der Oper La clemenza di Tito wurde hier 1791 von Mozart vorbereitet. Und für Josefina Dušek komponierte er im Hause sogar persönlich eine auf sie maßgeschneiderte Konzertarie.

1824 verkaufte die bereits verwitwete Josefina Dušek das Haus. Es folgten noch etliche Besitzerwechsel bis dann 1925 die österreichische Stiftung Mozarteum das Haus übernahm. 1929 ging es in die Verwaltung der lokalen Mozartgemeinde über, die hier ein Museum zu Ehren des Komponisten einrichtete. Zum 200. Geburtstag Mozarts wurde das Haus 1956 gründlich restauriert. Ansonsten wurde es aber in den Zeiten des Kommunismus ein wenig vernachlässigt. Bei der Privatisierung nach dem Ende des Kommunismus gab es jahrelange Rechtsstreitigkeiten zwischen rivaliserenden Eigentümerinteressen. Lange blieb das Haus geschlossen. Immerhin gibt es jetzt wieder ein Museum im ersten Stock, in dem es wechselnde Ausstellungen zum Leben und Werk Mozarts und seiner Zeitgenossen zu sehen gibt.

Eine Grundrenovierung tut trotzdem dringend Not. Das, was man heute sieht, ist nämlich äußerst hübsch. Die bemalten Holzdecken und der schöne Keramikofen geben dem Haus ein authentisches Flair. Runherum liegt ein schöner Park – dort, wo einst der Weinberg war. Das alles muss einfach in Schuss gebracht werden. Und dann ist ja auch noch die Tatsache, dass Mozart den Kern des abendländischen Kulturerbes repräsentiert. Um die Sache zu beschleunigen, hat der tschechische Staat das Gebäude 2019 zum Nationalen Denkmal erhoben. Denn das Erbe Mozarts sollte der Welt doch einiges wert sein. (DD)

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