Die besondere Metrostation

Die Metrostation Vyšehrad weist mindestens zwei Besonderheiten auf. Die eine beeindruckt zunächst einmal wenig: Im Gegensatz zu den meisten anderen Stationen gibt es keinen mittleren Bahnsteig für beide Gleise, sondern je zwei Bahnsteige links und rechts, die mit einem kleinen Tunnel verbunden sind. Die andere Besonderheit hängt damit zusammen. Station Vyšehrad ist nämlich die einzige Station mit schöner Aussicht.

Ein Grund, warum die Bahnsteige nach außen verlegt wurden, ist genau der: Man kann nun hinausschauen. Deshalb ist die Station Vyšehrad die einzige in Prag, in der man nicht durch düsterte Gänge aus Beton und Kacheln laufen muss, sondern durch eine helle und luftige Konstruktion mit großen Außenfenstern.

Verantwortlich war dabei der Architekt Stanislav Hubička, der dabei geschickt die umgebende Landschaft und Architektur einband. Die Station steht direkt am Rande des steil abfallenden Tals des kleinen Flusses Botič im Nusle-Tal. Auf der anderen Seite geht es zum Stadtteil Vinohrady wieder ebenso steil hinauf. Das erlaubt eine herrliche Aussicht unter anderem auf eine der schönsten Barockkirchen der Stadt, der Kirche St. Marien und Karl der Große (Kostel Nanebevzetí Panny Marie a sv. Karla Velikého na Karlově), die gegenüber emporragt.

Nicht nur wegen ihrer Steillage, sondern auch aufgrund der Tatsache, dass die Metro von der Station direkt und unmittelbar in den Tunnel unterhalb der hohen Nusle-Brücke (früherer Beitrag hier) führt, musste sie als einzige Station oberirdisch gebaut werden. Brücke und Station gehen quasi fließend ineinander über. Das gelang so, weil beide „in einem Guss“ zusammen von Hubička entworfen und in den Jahren 1973/74 erbaut wurden.

Obwohl dem brutalistischen Stil der Zeit verpflichtet (also Geschmacksache), hat Hubička – auch mit einigen Aussichtsplattformen – dafür gesorgt, dass der Kontrast zwischen der Orgie von Stahl, Beton und Glas und der sie umgebenden alten Stadt interessant und spannungsreich bleibt. Architektonisch gehört Station Vyšehrad jedenfalls zu den interessantesten des Prager Metro-Systems. (DD)

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