Burg auf dem Felsen – unbezwingbar

Die Aussicht auf die Fluss- und Felslandschaft ist von hier aus einfach fabelhaft. Das dürfte aber nicht der Grund gewesen sein, warum hier schon früh Menschen siedelten und eine kleine Burganlage bauten. In 40 Meter Höhe und von drei Seiten von schroffen Felswänden umgeben, war die Burg Kazín (Hrad Kazín) oberhalb des kleinen Ortsteils Lipence ein geradezu uneinnehmbares Refugium in gefährlichen Zeiten.

Spärliche archäologische Funde belegen, dass hier schon in der Steinzeit und vor allem in der Hallsteinkultur (frühe Eisenzeit) Menschen siedelten. Wandert man heute von Prag aus südwestlich die Berounka entlang, sieht man schon von weitem aus, wie die flache Flusslandschaft plötzlich in eine Berglandschaft übergehen. Und die wird immer pittoresker.

Schon bald sieht man steile Felsen in die Höhe ragen. Und diese Felsen (Bild rechts), die von einer Seite auch noch durch den Fluss gesichert waren, boten eine strategische Position, von der aus man das Areal gut beobachten konnte.

Das Ganze war wie geschaffen für eine geradezu uneinnehmbare Festungsanlage.

Die kann man, wenn man von hinten sich dem Felsen nähert, immer noch gut erkennen. Sie war offensichtlich in zwei Teile gegliedert. Zunächst geht man durch die als Landschaftserhebungen noch erkennbaren Reste der Wallgrabenanlage zur Vorburg (Bild links). Es handelte sich also eindeutig nicht um eine mit Steinmauern befestigte Burg, sondern um eine wahrcheinlich mit Holzpalisaden versehene Erdwallanlage.

Man geht weiter un die Landzunge zum Felsen verengt sich. Dort ist die zweite Wallgrabenanlage, die zur inneren Burg führt (Bild rechts). Das entspricht dem typischen Aufbau der meisten hiesigen Wallburgen. Dann ist man auf dem kleinen eingeebneten Hochplateau über dem Felsen. Solche oder ähnliche Burgen gab es schon in frühslawischer Zeit seit dem 6. Jahrhundert. Genau das bewog wohl im Jahre 1868 den örtlichen Gastwirt (damals wie heute lud der schöne Fluss hier viele Ausflügler ein), den malerischen Felsen mit seiner Burganlage Kazín zu nennen. Kazi oder Kazín war in der alten böhmischen Sagenwelt die heilkundige Schwester von Libuše, der Begründerin der Herrschaft der Přemysliden-Dynastie.

Damit hatte man den Ort mit einem populären Nationalmythos verbunden, was die Besucherzahl bis heute steigerte. Nichts, aber auch gar nichts deutet darauf hin, dass der Ort auch nur das Geringste mit der Sage zu tun hat. Die Befestigung mit Wall und Graben dürfte wesentlich späteren Datums sein. Die Archäologen sind sich noch nicht ganz sicher und forschen noch. Frühere Grabungen und Bebauung am Rande haben die Beweislage schwieriger gemacht. Aber auf jeden Fall die Idee des Gastwirts aus touristischer Sicht eine hervorragnde. Der Ort ist für Ausflügler, Angler, Schwimmer, Schlauchbootfahrer ein Paradies und die Aussicht ist umwerfend. Felsen beschützen die Burg oben nicht mehr vor anrückenden Feinden, sondern vor Kletterern. Die sollten sich nicht hinauf wagen. Mit gutem Grund hat die Gemeinde das Klettern verboten, denn der Felsen ist nicht nur senkrecht steil, sondern aus bröckelig und es gab schon Tote. Aber auch ohne den Adrenalinkick des Kletterns ist das Ganze einen Besuch wert. (DD)

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